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UNENDLICHE TIEFEN

Reportage.
Exground Filmfest 22 – 2009
von Jenny Jecke

Exground Filmfest 22 – 2009

Gemütliche, weinrote Sessel. Beinfreiheit deluxe. Ein wohliges Ambiente, das der einmaligen Atmosphäre noch einen Schuss Erhabenheit hinzufügt. Die Caligari-Filmbühne in Wiesbaden ist zweifellos eines der schönsten Kinos in Deutschland. Dass sie bereits seit 1926 ihren Dienst als Lichtspielhaus tut, ist von nicht zu unterschätzendem Wert für das einzigartige Erlebnis, hier einen guten Film zu schauen. Davon hatte das 22. Exground Filmfest glücklicherweise genügend im Angebot. Vom 13. bis zum 22. November fand es in der hessischen Landeshauptstadt statt und präsentierte unabhängige Filmkunst aus aller Welt. Die charakteristischen roten Eintrittskarten wurden abgesehen vom Caligari auch noch im Kulturpalast – wobei "Palast" hier nur ironisch gemeint sein kann - im Alpha Kino und erstmals im Murnau Filmtheater verteilt. Letzteres befindet sich im Deutschen Filmhaus, was sich durchaus als Hindernis entpuppen kann, versucht man nach der 17 Uhr-Vorstellung im Murnau noch die überfüllte Abendvorstellung im Caligari zu erreichen. Quer durch die Stadt, versteht sich. Da kann man nur hoffen, dass die allabendliche iPod-Verlosung etwas Überlänge hat. Doch das gehört zu einem erstklassigen Festivalerlebnis eben dazu und nichts geringeres haben die vielen ehrenamtlichen Exground-Mitarbeiter bei der 22. Ausgabe abgeliefert.

Exground Filmfest 22 – 2009
Exground Filmfest 22 – 2009

Großen Anteil daran hatte natürlich die eklektische Filmauswahl, welche sich wie immer auf mehrere Reihen verteilte. Zur Tradition gehören beispielsweise die American Independents und News From Asia. Neu hinzugekommen ist mit Neues aus Deutschland der Blick auf den deutschen Independent-Film. Neben bereits bekannten Festival-Perlen wie I SELL THE DEAD oder BLACK DYNAMITE, glänzte das Programm u.a. mit dem japanischen Oscar-Gewinner NOKAN und dem spanischen Goya-Abstauber CAMINO. Javier Fessers Geschichte eines todkranken Mädchens, das vom Opus Dei zur Heiligen stilisiert wird, sprang dann auch ohne Mühe in meine persönliche Festival-Top 5. Man kann dem ebenso fantasievollen wie vielschichtigen Werk nur wünschen, dass es international mehr Aufmerksamkeit bekommt. Doch das trifft natürlich auf viele der Filme zu, die in Wiesbaden die Herzen der rund 11.000 Besucher erobern konnten. Während so mancher Film, z.B. Jörg Buttgereits CAPTAIN BERLIN VERSUS HITLER, von den zahlreich anwesenden Fans sehnlichst erwartet wurde, bot das Festival für so manch einen Geheimtipp die seltene Gelegenheit, sich überhaupt einem Publikum zu präsentieren. MY SUICIDE von David Lee Miller ist so einer, nämlich der beeindruckende Höhepunkt und Sieger des internationalen Jugendfilm-Wettbewerbs. Dessen Hauptdarsteller/Cutter/Co-Autor Gabriel Sunday beantwortete nach der Vorstellung auch noch fleißig Fragen, etwa über die Arbeit mit dem verstorbenen David Carradine, der in seinen letzten Jahren in seiner ganz eigenen Welt geschwebt haben muss.

Exground Filmfest 22 – 2009
Exground Filmfest 22 – 2009

Überhaupt hatte das Exground einige ansehnliche Künstler zu bieten, die nach ihren Filmen den Zuschauern Rede und Antwort standen. Wenn es sein musste auch gern bei einem Bierchen im Foyer des Caligari. Das machte die 22. Exground-Ausgabe wieder einmal zu einer angenehm intimen Angelegenheit, wie sie eben nur die schönsten Filmfestivals auszeichnet. Wie erwartet unterhaltsam war das Q&A mit den CAPTAIN BERLIN-Machern Jörg Buttgereit und Thilo Gosejohann. Im überfüllten Kulturpalast, für den ich die sage und schreibe letzte Karte (!) ergattern konnte, berichteten sie von der Entstehung des Theaterstücks, dessen Aufführung ursprünglich nur der Erinnerungen wegen gefilmt wurde und der Vorbereitung der Schauspieler. So stand der berüchtigte "Klassiker" ILSA, SHE-WOLF OF THE SS Pate für Claudia Steigers Rolle der Nazi-Wissenschaftlerin Ilse von Blitzen.

Exground Filmfest 22 – 2009
Exground Filmfest 22 – 2009

Einen einmaligen Einblick in die Drehbedingungen lieferte auch Birgit Schulz. Im Anschluss an an ihre Doku DIE ANWÄLTE – EINE DEUTSHE GESCHICHTE gab sie zum besten, wie sie zwei Jahre versucht hatte, Otto Schily zu einem Interview zu bewegen und Horst Mahler trotz Gefängnisaufenthalts vor die Kamera zu kriegen. U.a. mit solchen Begegnungen empfahl sich das Exground Filmfest auch dieses Jahr wieder als erste Anlaufstelle für Freunde des unabhängigen Kinos aus aller Welt. Von der nachahmungswürdigen Tradition, vor jedem Spielfilm einen Kurzfilm zu zeigen, ganz zu schweigen. Die Bandbreite von Trash bis osteuropäischer Arthouse-Kost, finnischen Teenager-Filmen und thailändischen Horroranthologien ist eben selten zu finden. Und ein Kino wie das Caligari, das gibt's eben nur in Wiesbaden!

Mehr auf exground.com

Filme aus dem Exground Filmfest 22 - 2009 Programm ¬
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