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I SELL THE DEAD (USA 2008)

von Jenny Jecke

Original Titel. I SELL THE DEAD
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. GLENN MCQUAID
Drehbuch. GLENN MCQUAID
Musik. JEFF GRACE
Kamera. RICHARD LOPEZ
Schnitt. GLENN MCQUAID
Darsteller. RON PERLMAN . DOMINIC MONAGHAN . LARRY FESSENDEN . ANGUS SCRIMM u.a.

Review Datum. 2009-09-16
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Allerorten ruft das mehrsprachige Feuilleton die Filme zur Krise aus, als sei ein Wettbewerb angepfiffen worden, von dem nur der arme Leser nichts weiß. Um welche Krise geht es? Nicht die des F.C. Bayern, das wäre dann doch zu grausam. Die von der Immobilien- zur Weltwirtschaftskrise mutierte belebt natürlich die Diskussionen. Spielt ein gutaussehender Anzugträger oder ein adipöser Liberaler mit, dann bewegen sich Filme mittlerweile absolut im Zeitgeist, sind voll authentisch und sagen unheimlich viel über den Zustand unserer Wirtschaft und Gesellschaft aus. Doch was ist eigentlich mit den praktisch veranlagten Werken, die statt reiner Unterhaltung auch Lebenshilfe und Perspektiven in Zeiten tiefer Depression liefern und sich nicht einfach nur darauf zurückziehen, das Offensichtliche anklagend auszusprechen? Die werden natürlich übergangen vom Bildungsbürgertum, wie der hässliche Onkel, der auf dem Dachboden wohnt, von dem aber niemand spricht.

I SELL THE DEAD ist so eine lebensnahe Arbeitsempfehlungsmaßnahme, auf die jedes Job Center stolz sein könnte. Natürlich, ein paar Nachteile bringt die hier gepriesene Marktlücke schon mit sich. Sonderlich hygienisch ist der Job nicht. Die Arbeitszeit ist nur etwas für Nachteulen und über den Ort reden wir besser gar nicht. Die Kunden, eigentlich treffender als "Produkte" zu beschreiben, sind normalerweise zuvorkommend ruhig und leicht zu bearbeiten, aber manchmal auch etwas eigenwillig und allzu sehr auf körperliche Nähe aus. Um die psychotisch veranlagte Konkurrenz sollte man besser einen Bogen machen. Ein Vermögen wird man zugegebenermaßen als Grabräuber nicht machen, für ein solides zweites Standbein taugt die Arbeit allerdings durchaus. Arthur (Dominic Monaghan) hat vor dreihundert Jahren davon leben können, also warum soll es nicht auch heute funktionieren? Im Angesicht der auf ihn wartenden Guillotine kann er auf ein langes, abwechslungsreiches Arbeitsleben zurückblicken, welches er dem Pfaffen Duffy (Ron Perlman) gut gelaunt schildert. Bei seinem Partner Willie Grimes (Larry Fessenden) hatte er vor fünfzehn das Handwerk erlernt und seitdem so einige Abenteuer mit den, sich manches Mal als erstaunlich lebendig erweisenden, Kunden erlebt.

Die Vorteile des Jobs als Grabräuber liegen damit auf der Hand und sorgen auch bei Nicht-Interessenten für morbide, extrem britische Unterhaltung mit handgemachten Spezialeffekten, die man immer wieder gerne sieht. Dass der Geistliche von HELLBOY Perlman verkörpert wird, ist von Anfang an etwas verdächtig, stellt auch eine hübsche ironische Spitze dar. Wie es Erzählungen aus dem Leben so an sich haben, gerät I SELL THE DEAD allerdings mehr und mehr wie eine Aneinanderreihung von lustigen Episoden, die passenderweise immer wieder von Comicbildern unterbrochen werden und auch sonst durch ihre oftmals flachen, vernebelten Hintergrundbilder entsprechend wirken. Panel für Panel erzählt damit Arthur von seinem wilden Job und nähert sich in Sachen Atmosphäre Horrorfilmen der 50er und 60er an, u.a. denen aus dem Hause Hammer. Dass Glenn McQuaid sich diesem extravaganten Beruf zuerst durch einen Kurzfilm angenähert hat, beweist der Leerlauf, dem der Streifen in seiner zweiten Hälfte unterliegt, wenn aus den Erinnerungen endlich ein Plot werden soll. Recht schnell fällt da der dünne Boden auf, der den Film zu tragen hat. So bleibt die Eröffnung neuer Berufsperspektiven in I SELL THE DEAD löblich, aber zu einem rundum gelungenen Werbefilm fehlt es dem Autor und Regisseur vor allem an Erzählerfahrung.











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