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GESPRÄCHE

Benjamin Hahn im Gespräch mit Uwe Boll

Da keine große deutsche Kinokette seinen Film AUSCHWITZ ins reguläre Programm aufnehmen wollte, ist Regisseur Uwe Boll auf die Bereitschaft einzelner Kinos angewiesen. Eines dieser Kinos ist das UCI in Duisburg, in dem Boll im Rahmen der Überraschungspremiere seine beiden Filme AUSCHWITZ und BLOODRAYNE: THE THIRD REICH persönlich vorstellte. Nach einer teils sehr hitzigen Diskussion mit einem gespalten reagierendem Publikum, ergab sich die Möglichkeit für ein Gespräch mit dem umstrittenen Regisseur.

Das Gespräch.

Uwe Boll
Uwe Boll

Gerade aus dem Film kommend fällt auf, dass den Spielfilm-Teil Interviews mit Schülern aus Deutschland rahmen, die ein erschreckendes Unwissen in Sachen Auschwitz an den Tag legen. Deshalb als erste Frage: Ist AUSCHWITZ ein pädagogischer Film?
    Ne, ich glaube nicht, dass er eine erzieherische Komponente hat, aber er hat sicherlich eine analytische Komponente über den Status Quo: Wie viel wissen die Leute und über was wissen die Leute was? Ich glaube, dass wir sehr als Vorzeigestaat agieren, aber im Fernsehen suchen die sich dann immer nur die Vorzeigeleute aus, die dann mal mitdiskutieren dürfen. Also der Abiturient oder so... Aber die breite Masse ist ungebildeter als man denkt.

Wie kam es denn eigentlich zu diesem Film? Du sagst, dass Du nach DARFUR schockiert warst, dass die gegenwärtigen Massaker aus dem Blickfeld gerückt sind, von uns verdrängt werden. Kam also die Idee zu AUSCHWITZ aus deiner eigenen Geschichte als Regisseur?
    Am Schluss von DARFUR steht ja ein Text, in dem steht, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben. Nur diese Geschichte an sich habe ich noch nie filmisch aufgearbeitet und ich fand es einfach interessant diese Auschwitz-Situation mal so zeigen wie sie die anderen Filme eben noch nicht gezeigt haben. Den Schwerpunkt wirklich auf den Tagesablauf zu legen und diese ruhige, normale, unaufgeregte Situation zu zeigen, die dort in Wirklichkeit war. Es war ja nun einmal eben nicht das große Drama.
Es ist ja ähnlich wie bei Massenerschießungen. Da fragt man sich ja immer: "Warum rennen die nicht los in alle Richtungen? Wieso gehen die zum Graben, werden in den Kopf geschossen und fallen in den anderen Haufen hinein?". Es ist anscheinend so, dass der Mensch in solchen Situation so viel Adrenalin ausschüttet, dass man wie paralysiert ist. Wie ein Tier vor der Schlachtung, sodass man nicht mehr reagieren, nicht mehr handeln kann. Das gilt indirekt auch für die Täter, die einfach dann in diesem Rhythmus drin sind und einfach den Leuten dann eben auch in den Kopf schießen und an diesen Massenerschießungen mitmachen und das nicht infrage stellen. Das ist so dieses "Was ist ein Mensch? Auf welchem dünnen Eis sind wir eigentlich gebaut?".
Man kann ja sagen, dass seit ungefähr dem 11. September 2001 die Welt im Bereich Krieg, Auseinandersetzungen und Revolutionen so schlimm geworden ist wie in den 20, 30 Jahre davor nicht. Wir sind ja wieder da wo wir beim Vietnamkrieg im Endeffekt waren: Überall Konflikte, überall Kriege, überall Militär und überall auch einen Rückfall in religiösen Fanatismus. Das ist mehr als beunruhigend.

Also ist die Intention schon, dass Du aufrütteln willst?
    Ja.

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Wird das nicht unterminiert durch die anderen Filme, die Du jetzt gemacht hast? Du hast AUSCHWITZ zeitgleich mit BLOODRAYNE: THE THIRD REICH und BLUBBERELLA gedreht und die sind ja beide jetzt nun wirklich nicht...
    Sie sind pure Unterhaltung und nicht ernstzunehmende Auseinandersetzungen.

Nur unterminiert das nicht den Anspruch von AUSCHWITZ?
    Wenn man's will, dann kann man sagen, es unterminiert das. Wenn man aber sagt, ich verstehe die Herangehensweise, die Herstellungsweise, dass das finanziell... Ich hab ja eben keine Filmförderung. Ich hab diese Gelder nicht um zu sagen "Ich dreh jetzt nen Auschwitz-Film". Weil der natürlich von den Erlösen verschwindend gering ist im Vergleich zu BLOODRAYNE: THE THIRD REICH. Und ich hatte bei BLOODRAYNE: THE THIRD REICH, weil der eben im zweiten Weltkrieg spielt, den Zug, ich hatte den Bahnhof, ich hatte das Konzentrationslager und die Kostüme usw. Von daher war das eigentlich nur eine zusätzliche Investition von 200.000€ oder 300.000€ um so einen Film zusätzlich zu machen. Und ich wusste, wenn ich das jetzt nicht mache, kann ich es nicht mehr. Das war einfach die Sache.
Dass da ein fader Beigeschmack ist, ist mir vollkommen klar. Das war auch bei der Crew so, also beim Kameramann, beim Produktionsdesigner... Das war für die alle so "kann man doch nicht machen!". Die hatten einfach ein Problem damit, die Leute in die Gaskammer zu stecken, usw. Das fanden die pietätlos. Als wir es dann aber gedreht haben, da waren die alle eher überzeugt, dass es doch Sinn gemacht hat die Sachen mal zu drehen und zu zeigen. Aber dass das irgendwo ein komisches Gefühl ist, das ist klar. Die zwei schlimmsten Drehtage meines Lebens waren auch diese Gaskammerszenen. Das war einfach eine totale Belastung. Die Leute haben sich alle unwohl gefühlt, die Crew hat sich unwohl gefühlt, die Leute wollten sich nicht ausziehen, einige Statisten sind nach Hause gegangen, usw. - Das war nie einfach.

Im Publikumsgespräch nach dem Film hast Du erzählt, dass die Redakteurin einer deutschen Tageszeitung sehr geschockt war, als sie den Trailer gesehen hat und dann ein geplantes Feature mit Dir gecancelt hat. Glaubst Du nicht, dass solche Reaktionen weiter dadurch gefördert werden, dass Du diese Filme back to back gedreht hast und ausgerechnet bei solchen Filmen kosteneffizient arbeitest?
    Ja, aber dann hätte ich den Auschwitz-Film eben auch nie gedreht. Ich hätte den nicht finanziert gekriegt und hätte einfach nur BLOODRAYNE: THE THIRD REICH abgeliefert und BLUBBERELLA...

Also hat der Auschwitz-Film sozusagen die höhere Priorität gehabt?
    Für mich emotional, ja. Für mich war das eigentlich der Anreiz diese ganzen Projekte zu drehen. Da ich ja selber auch als Produzent agiere, sehe ich ja die Rückflüsse von BLOODRAYNE 2: DELIVERANCE und RAMPAGE im Vergleich zu DARFUR oder SIEGBURG und das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht: das ist das Fünf- bis Zehnfache für einen RAMPAGE oder BLOODRAYNE 2: DELIVERANCE als für DARFUR oder SIEGBURG. Deshalb hätte ich unmöglich jetzt für AUSCHWITZ eine Million ausgeben können, denn da kommen nur Hunderttausend von zurück. Bei so einem Film muss man ja froh sein, wenn den überhaupt einer distribuiert. In den USA hat den Tartan Film gekauft, die bringen den in einem Kino in New York raus, aber die zahlen keine Garantie. Die sagen: "Wir bringen den raus ins Kino und wenn da Erlöse kommen, dann kriegste 50% der Erlöse". Bei BLOODRAYNE: THE THIRD REICH kriege ich eine Million Dollar aus den USA vorab, weil der einfach eine ganze Auswertungsstufe hat. Dieses wirtschaftliche Denken, wenn ich das nicht gemacht hätte, wenn ich nicht so denken würde, hätte ich ja keine 25 Filme gedreht, sondern dann wäre nach 3 oder 4 Filmen Schluss gewesen und ich wäre von der Landkarte verschwunden. Wenn ich die Denke verliere, dann bin ich weg.

Ist das Grund, warum BLOODRAYNE: THE THIRD REICH und BLUBBERELLA nicht die besten Filme deiner Karriere sind? Dass das Herzblut in AUSCHWITZ ging und für die anderen nicht mehr genug da war?
    Ja, das ist sicherlich so, dass ich bei einigen dieser Art Filme nicht unbedingt auf meinem Höhepunkt der Konzentrationsfähigkeit bin, um das mal so zu sagen. Man ist dann einfach froh, wenn man's in den Kasten kriegt. Vor allem aber waren ja gerade die BLOODRAYNE-Filme immer körperlich hart: immer im Winter in Zagreb, andauernd nachts - das ist ja nicht so, dass einem das Spaß macht bei minus 5°C die ganze Nacht da draußen sich den Arsch abzufrieren. Und wenn man dann was dreht, wo man total Feuer und Flamme für ist, wie bei DARFUR oder RAMPAGE und so, dann nimmt mal auch so Sachen total positiv auf. Man ist dann energetischer. Das ist sicherlich da das Problem gewesen.
Der BLUBBERELLA... Im Endeffekt ist das ein Film, den bewerte ich so: Du hast 40 Minuten, die finde ich echt witzig, Du hast aber 50 Minuten, die sind echt scheiße. Nur wenn Du dann einmal einen Film anfängst und hast die Lindsay Hollister engagiert und so weiter, dann brichste den auch nicht einfach ab und sagst: "ab morgen drehen wir die funny version dann nicht mehr weiter und lassen es bleiben", sondern dann zieht man es natürlich durch. Aber ich hatte auch während der Produktion das Gefühl, da fehlt die Zeit und da kommt kein POSTAL raus, sondern da kommt jetzt eigentlich Quatsch raus. Die witzigsten Sachen sind ehrlich gesagt die improvisierten Sachen, während die inszenierten Sachen oft die schlechtesten im ganzen Film sind, weil die einfach alle nicht funktionieren.

Wo wir jetzt gerade bei BLUBBERELLA sind: Wie kam es eigentlich zu der Idee zu diesem Film?
    Das war Lindsay Hollisters Idee. Ich fand die einfach super in POSTAL und dann hab ich die noch mal in GET SMART gesehen und dann hab ich die in LA getroffen und meinte, man müsste nochmal was zusammen machen und die so: "Haste schon mal an nen fetten Superhelden gedacht?" Und dann hab ich gesagt: "Ja, ich drehe ja bald den BLOODRAYNE: THE THIRD REICH-Film. Wäre natürlich lustig, wenn wir mal ne fette Rayne hätten". So kam das überhaupt zustande. Und dann hat die das Drehbuch genommen und hat angefangen an dem Drehbuch rumzuschreiben und dann bin ich da noch drüber gegangen und so kam das Projekt zustande, dass wir das parallel gedreht haben. Nur durch die Tatsache, dass es nicht einfach war da in Kroatien, haben wir das Problem gehabt, dass wir sehr wenig Zeit für BLUBBERELLA hatten. Ich konnte jetzt bei BLOODRAYNE: THE THIRD REICH nicht total schlampen, dass ich einfach abbreche und Szenen unfertig lasse. Also ich hab schon immer für BLOODRAYNE: THE THIRD REICH 80% des Materials gedreht und dann die sozusagen die Dicke kommen lassen.

Deshalb auch die Zweitverwertung einiger Szenen?
    Genau, stimmt total. Da hat man dann eben auch nicht genug Szenen gedreht und hätte da noch mehr machen müssen, sodass der Plan nicht komplett aufging. Die Hollister hat sich natürlich auch geärgert und wollte statt einer halben Stunde auch drei Stunden Drehzeit haben, nur wenn das Licht weg ist, dann ist das Licht weg. Das war dann einfach ein bisschen Scheiße. Deshalb habe ich auch die AUSCHWITZ-Sachen komplett getrennt davon und ganze Drehtage anberaumt, wo ich dann nichts anderes gedreht habe. Anders wäre das nicht gegangen. So konnte man sich da zumindest bei den wenigen Drehtagen ganz darauf konzentrieren. Aber ich habe auch gesagt: "Das war's!" Ich habe danach die Konsequenzen gezogen: Ein Film, keine weitere Version. Weil ich hab gemerkt, das funktioniert nicht. Das geht einfach nicht und geht zu sehr in eine falsche Richtung.

Warst Du schockiert, dass die Reaktionen auf AUSCHWITZ im Vorfeld schon so negativ waren oder hast Du damit gerechnet?
    Ich hab schon damit gerechnet, dass Leute das schlecht finden könnten. Das hat mich nicht wirklich schockiert.

Du hast es den Leuten ja auch einfach gemacht, denn Du musst doch zugeben, dass der erste Teaser mit Dir vor der Gaskammer reine Provokation war.
    Absolut, das war beabsichtigt um Aufmerksamkeit für den Film zu schaffen. Nur wie ich schon Publikumsgespräch sagte: Ich bin ja nicht freiwillig als SS-Mann eingesprungen. Es ging aber einfach nicht anders. Man sitzt hinter dem Monitor und ruft "Action!" und dann geht das Entkleiden los und dann gingen die Leute in die Gaskammer mit Badeschlappen, in Bikini und Unterhosen und die Schauspieler der SS-Soldaten kriegten das alles nicht in den Griff. Und dann hab ich gesagt: "Das geht so nicht, ihr müsst komplett nackt sein" und zu den SS-Typen: "Du musst den anhalten an der Gaskammer und sagen ‚Unterhose aus!‘". Und weil das nicht ging und mir der ganze Tag flöten ging mit der Scheiße, habe ich mir die Uniform angezogen und war dann die letzte Kontrollinstanz an der Gaskammer und denen klargemacht, dass da anders keiner reinkommt. Das war der Grund. Aber als ich dann den Teaser gemacht habe, war ich mir nicht bewusst, dass die Leute den total auf mich beziehen und sagen "Uwe Boll vergast Juden". Sowas ist erstens unter der Gürtellinie und zweitens gehen viele der Reaktionen vollkommen am Film vorbei und es ist absolut nicht korrekt von der Presse den Film in seiner Absicht in Zweifel zu ziehen. Mit dem fertigen Film gab es kaum Probleme. Der einzige Grund für die Ablehnung war der Teaser und dann haben die gedacht, dass man das keinem zeigen könne.

Dieses Unwissen über Auschwitz, das Du in den rahmenden Interviews zeigst, ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem oder ein integratives Problem? Wenn man den Film sieht, dann gewinnt man den Eindruck, dass Kinder aus deutschen Familien zumindest noch ein rudimentäres Wissen haben, während die Immigranten absolut uniformiert wirken.
    Gut, wer ist auf der Hauptschule? Das sind natürlich 80% Ausländer und die haben eben zum Großteil von gar nichts mehr eine Ahnung. Da geht's ja nicht nur um Auschwitz. Da wäre bei jeder Frage nur Scheiße rausgekommen außer bei so Sachen wie DEUTSCHLAND SUCHT DEN SUPERSTAR. Man hätte auch eine Woche nach Fukushimas Atomkraftunglück in eine solche Schule gehen können und fragen können, ob es ein Erdbeben in Japan gab und 80% der Leute hätten keinen blassen Dunst gehabt. So ist das und das ist aber auch das Erschreckende. Eine Masse, die nichts weiß, die kann man natürlich auch beliebig beeinflussen. Das ist ja das Absurde, wenn so Ahmadinedschad sagt, es hätte den Holocaust nie gegeben, dann denken wir, dass der nicht sauber tickt. Aber wenn die Leute das einfach nicht wissen, warum sollen die denken, dass der nicht sauber tickt? Die sagen dann, der hat vorher schon recht gehabt und dann gab es auch Auschwitz nicht. Und das ist das, wo man als Gesellschaft gegensteuern muss. Ich kenne einen Lehrer an einer Sonderschule und der sagt, dass seine Schüler alle auf Hartz4 gehen werden. Die sind zu nichts zu gebrauchen, das ist wie eine Verwahranstalt. Der meinte, eigentlich müsste man denen sagen: "Hier ist der Besen. Ab jetzt kehrst Du 40 Jahre die Straße rauf und runter, sonst kriegst Du kein Geld". Er meinte, dieses ganze Gelaber über Integration, da sei Hopfen und Malz verloren. Das könnte man ja aber nie bei der Illner auf der Couch erzählen, denn sonst würde man gleich als Nazi abgestempelt. Dieses ganze Denken, was wir haben, also dieses "was darf ich sagen und was nicht", das ist Quatsch. Und das ist in Deutschland ganz schlimm, wie man ja auch an der Filmzensur sieht. Wenn in RAMPAGE der Typ davon kommt mit einem Massenmord und der Winner des Tages ist, dann darf das in Deutschland nicht gezeigt werden. Er muss gefangen werden, damit das Gute siegt und das ist ein Zensureinschnitt, den gibt es sonst nur in China. In keinem einzigen europäischen Land ist da etwas bemängelt worden, aber in Deutschland. Das ist wie eine Kulturzensur. Aber das hat man natürlich auch bei AUSCHWITZ, wo sofort der Vorwurf aufkam, dass der Film nur Rechtsradikale begeistern wird. Das ist das Erschütternde, das die nicht um die Ecke denken können.

Aber glaubst Du, dass Du daran was ändern kannst?
    Das ist die Frage. Man kann es immer nur versuchen, was zu ändern. Die Chance ist gering, aber das ist kein Grund um es nicht zu versuchen oder nur noch Mainstream-Filme zu machen, also stromlinienförmige Filme, bei denen man denkt, das wollen die Leute bestimmt sehen oder die Aussagen finden die gut. Das liegt mir so nicht.
Der Bail-out-Film, den ich plane, der ist ja sozusagen davon geprägt. Wir sind hier auf Kosten von uns auf die größte Massenverarschung reingekommen, wo der Steuerzahler für hunderte von Jahren hochverschuldet ist, weil er Banken retten musste, die selbst im Jahr der größten Krise auch nur eine Mark von ihrem Bonus haben abziehen müssen. Das ist doch die größte Volksverarschungsnummer, die jemals gemacht wurde. Und da würden dann normalerweise Filme gemacht werden darüber, wie... Nehmen wir mal WALL STREET 2 von Oliver Stone, den ich extrem schwach finde. Ganz schlimm, wie das vollkommen nach dem Motto "es gibt Böse, es gibt Gute und wenn man auf der richtigen Seite ist...". Ich will einfach einen Film, wo die umgebracht werden. Wo man sagt, der und der verdient es zu sterben. Da hat jemand 7 Millionen Amerikanern das Haus und die Existenz gekostet und der hat 500 Millionen und sitzt in seiner Villa und ist damit davon gekommen. Wenn ich hier eine Tankstelle überfalle, sitze ich fünf Jahre im Knast. Das ist doch vollkommen abstrus, aber so ist die Welt aufgebaut. Der hat hunderte Milliarden versenkt, geklaut in böser Absicht und sich selber reich gemacht und sitzt in seiner Villa und wird nicht zur Rechenschaft gezogen. Das will ich in meinem Film zeigen, dass solche Leute erschossen werden. Ich will den Leuten damit Angst machen, denn diese Wichser haben die Kugel in die Zwölf verdient. Mit welcher Arroganz die darüber hinweg gekommen sind... ...das war der größte Betrug aller Zeiten. In der Süddeutschen Zeitung steht ein Interview mit mir, wo dann steht, dass ich ein Massaker an der Wall Street drehen will. Ich habe danach E-Mails bekommen von hochrangigen Persönlichkeiten, die meinten, dass es nur so geht: "Abknallen, diese Arschlöcher!" Aber niemand sagt offen, wie es wirklich ist.

Und deshalb braucht die Welt einen Regisseur wie Dich?
    Nein, das ist Blödsinn. Aber ein Film wie BAIL-OUT muss gemacht werden. Der Oliver Stone, einer meiner Lieblingsregisseure... Ich saß in dem WALL STREET 2 und dachte: "Was ist mit meinem Oliver Stone passiert?". Ich meine vorher hat er auch schon ein paar Scheißfilme gemacht, aber ich hab gedacht, mit WALL STREET 2 kommt er wieder zurück zu dem, womit er mal angefangen hat: zu wirklicher Systemkritik, zu wirklichem drive. Aber das war ja so reaktionär, das Ding. Eine Frechheit und da bin ich der Meinung, dazu fehlt definitiv der Hammer. Und das wird BAIL-OUT.

Vielen Dank für das Gespräch.




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