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KAPITELWAHL

BLOODRAYNE 2: DELIVERANCE (Kanada/Deutschland 2007)

von Stefan Mader

Original Titel. BLOODRAYNE II: DELIVERANCE
Laufzeit in Minuten. 94

Regie. UWE BOLL
Drehbuch. CHRISTOPHER DONALDSON . NEIL EVERY . MASAJI TAKEI
Musik. JESSICA DE ROOIJ
Kamera. MATHIAS NEUMANN
Schnitt. ERIC HILL
Darsteller. NATASSIA MALTHE . ZACK WARD . MICHAEL PARÉ . CHRIS COPPOLA u.a.

Review Datum. 2007-12-15
Erscheinungsdatum. 2007-11-30
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wie schnell die Zeit vergeht!
Gerade mal eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des im 18. Jahrhundert angesiedelten, Raynes Genesis erzählenden, ersten Teils ist nun bereits BLOODRAYNE 2: DELIVERANCE in Videotheken und Läden zu bewundern (na ja). Diesmal führt uns die Reise in die 1880er Jahre. Ein Jahrhundert in eineinhalb Jahren zu überbrücken - that's movie magic! Damit hat sich's dann aber auch schon wieder mit dem cineastischen Zauber von BLOODRAYNE 2, denn obwohl mittlerweile drei Autoren für das Drehbuch verantwortlich zeichnen, konnte sich dessen Qualität im Vergleich zum Vorgänger leider keineswegs steigern.

Im Gegenteil: War die Handlung in BLOODRAYNE bereits kaum originell und mit schmerzhaften Logiklöchern gespickt, so kommt man sich beim ebenfalls eher dünnen Plot von BLOODRAYNE 2 über weite Strecken einfach auf den Arm genommen vor, was primär daran liegt, dass der Film im Wilden Westen spielt.
Ja, richtig gelesen – Rayne (Malthe) zieht auf ihrer Jagd nach Vampiren im bauchfreien, ledernen Cowgirl-Outfit durch den Westen. Das ist zwar nett anzusehen, will aber nicht so recht funktionieren. Umso weniger, als dass sie auf ihrer Reise in das Städtchen Deliverance gelangt, welches sich seit einiger Zeit in der Gewalt von Billy the Kid (Ward) befindet. Und Billy ist natürlich (jetzt kommt's!) ein ganz besonders fieser Vampir, der eine wachsende Horde Untoter um sich schart. Natürlich kann Rayne dabei nicht zusehen und legt sich mit der blutsaugenden Übermacht an. Als die Lage brenzlig wird erhält sie unerwartete Hilfe von Pat Garret (Paré) und gemeinsam mit den Outlaws Slimebag Franson und The Preacher machen sie sich auf zum großen Showdown um High Midnight (was für ein Brüller...).

Was die Autoren, wie es scheint, für eine sensationell kreative Idee gehalten haben – die Verknüpfung der Vampirthematik mit einem der großen historischen amerikanischen Mythen – ist leider ziemlicher Murks und verkommt noch dazu binnen kürzester Zeit zu einer saftlosen Nummernrevue, in der peinlich darauf geachtet wird, nur ja kein Westernklischee auszulassen. Besonders schlimm wird's, wenn den Akteuren betont "coole" Sprüche in den Mund gelegt werden – deren "Coolness" fußt dann nämlich hauptsächlich in der inflationären (und vor allem aufgesetzt wirkenden) Verwendung der beiden bösen englischen c-Wörter. Momente, in denen tatsächlich so etwas wie Humor oder gar Stimmung, Atmosphäre und Horror aufblitzen, sind dagegen Mangelware.
Vampirfans werden zu Recht klagen, dass die Nachtkreaturen im Grunde eine völlig inferiore Rolle spielen. Noch herber dürfte die Enttäuschung aber für die Gorebauern sein, die im ersten Teil ja durchaus umfassend bedient wurden. Denn obwohl BLOODRAYNE 2 mit einer roten kJ-Plakette versehen ist, hält sich das Gesplatter, ebenso wie intensive Action, erstaunlicherweise stark in Grenzen.
Um es kurz zu machen: BLOODRANYE 2: DELIVERANCE ist eine unausgegorene (haha!) Genremischkulanz, die mit der ihr zugrunde liegenden Vampirthematik eigentlich nichts mehr zu tun hat – und er ist einfach kein guter Film.

DVD.
Wie bereits beim DVD-Release von BLOODRAYNE gibt uns Splendid auch im Falle der technischen Ausführung von BLOODRAYNE 2 keinen Grund zum Meckern. Das Bild ist scharf, die Farben satt und auch der Ton ist zufrieden stellend. Sogar der üblicherweise eklatante Lautstärkenunterschied zwischen Originalfassung und Synchro fällt verhältnismäßig sanft aus. Leider werden die doofen Dialoge durch die Übersetzung aber nicht besser - außerdem befremdet es, dass die Outlaws einander in dieser Version des Wilden Westens siezen. Neue Förmlichkeit unter Cowboys, oder was?

An Extras beinhaltet die zum Review vorliegende Single Disc Edition neben einem Haufen Programmhinweise nur Regisseur Uwe Bolls Audiokommentar (wahlweise auf Deutsch oder Englisch) und der hat es in sich:
Den englischen Kommentar spricht Boll teilweise gemeinsam mit DP Mathias Neumann ein, wobei sich die beiden Herren aber zunächst einmal um Bolls Hündin kümmern müssen. Darüber hinaus wird "se Tschörmän Äksent" bei den Anglophilen unter den Zusehern mit Sicherheit sofortige Todessehnsucht hervorrufen.
Doch auch auf Deutsch hat der Doktor einige Schoten parat. Boll isst während der Aufnahme Kekse, was aber nicht weiter schlimm ist – zunächst geht's ihm nämlich ohnehin nur um seine anderen Filmprojekte und welche durchs Bild huschenden Schauspieler in anderen seiner Filme bereits Nebenrollen gespielt haben. Die Beschreibung der Dreharbeiten benutzt er als Aufhänger, davon zu erzählen, wie er seine Hunde täglich säubern musste.
Der Trashfaktor steigt noch weiter, indem Boll seine verquere Sicht auf Geschlechterrollen im Schauspielergewerbe darlegt (es gebe zehnmal mehr gute männliche Schauspieler als weibliche – weil letztere, so des Doktors scharfsinnige Schlussfolgerung, nur im Business sind, um reich zu werden) und wenig charmant über seine Hauptdarstellerinnen spricht. Dass zwischendurch auch mal Bolls Handy läutet überrascht insofern nicht weiter. Schräg...








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