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BLOODRAYNE (USA/Deutschland 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. BLOODRAYNE
Laufzeit in Minuten. 99

Regie. UWE BOLL
Drehbuch. GUINEVERE TURNER
Musik. HENNING LOHNER
Kamera. MATHIAS NEUMANN
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. KRISTANNA LOKEN. MICHELLE RODRIGUEZ. MATTHEW DAVIS. BEN KINGSLEY u.a.

Review Datum. 2006-10-03
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Unser Uwe Boll! Mit seinen Steuerabschreibungsfilmen, die er durchaus gekonnt als Videospieladaptionen deklariert, hat er sich so ziemlich jeden zum Feind gemacht, der über Filme schreibt, sie kauft oder einfach mal einen gesehen hat. Man muß den Hut ziehen vor dem Mann: Wer beständig einen Kübel Scheiße übers Haupt gekippt bekommt und nicht vor Gram unterm Balken hängt, hat eine gewisse Charakterstärke.

Nun, nach ALONE IN THE DARK, der zehn gute Minuten am Anfang hat, und HOUSE OF THE DEAD, der keine guten zehn Sekunden hatte, also BLOODRAYNE. Die Geschichte einer Halbvampirin (Kristanna Lokken) auf der Flucht vor ihrem superbösen Vater Kagan (Ben Kingsley), das alles im Rumänien des 18. Jahrhunderts. Man ist ja gewarnt. Und ja, die Sets und Kostüme sind fürchterlich billig, die Story verfolgen zu wollen, würde schlagartig den Hirntod herbeiführen, und die Schauspieler... ja, wieviel Kohle haben die eigentlich bekommen? Ich meine, selbst etwas in Zweifel geratene Halbstars wie Michael Madsen und Billy Zane haben doch einen Ruf zu verlieren, aber was ist mit Ben Kingsley und Geraldine Chaplin? Und will Michelle Rodriguez ab jetzt ausschließlich Drogen kaufen und im Knast sitzen?

Egal, denn das Tolle ist ja, daß wir sie durch diesen Quatsch stolpern sehen dürfen - Michael Madsen und besonders die prollig herumrotzende Rodriguez passen in das altertümliche Ambiente wie eine Streetgang, Udo Kier fällt nicht unangenehm auf, was eher gegen ihn spricht, Meat "I would do anything for money and I'll also do this" Loaf ist in einen Haufen rumänischer Prostituierter gefallen, und Oscarpreisträger Sir ("Don't Mister me") Ben Kingsley läuft als einbalsamierter Bösewicht mit runtergelassenen Hosen ins Karriereverderben. Nur der sympathische Billy Zane weiß, was los ist und blinzelt sich im Hugh Grant-Modus ganz wunderbar durch seinen Auftritt.

Das macht Spaß. Und tatsächlich wird in den ersten 40 Minuten - in der unrated Fassung - so herzhaft geköpft und geschlachtet und gebissen und erstochen und mit sprühendsten Blutfontänen gestorben, daß sich jeder Freund der etwas saftigeren Unterhaltung die Hände reiben dürfte. Olaf Ittenbachs Effekte sind von wechselhafter Qualität, aber da sie nicht so ewig stehenbleiben wie in deutschem Amateurscheiß, kommen sie kurz und saftig und gut. Tatsächlich muß man eh sagen, daß Uwe Boll zwar im Grunde lausige Filme macht, man ihm aber handwerklich nicht wirklich etwas vorwerfen kann, weswegen er auch nicht als "neuer Ed Wood" gehandelt werden sollte. Der konnte nämlich wirklich nix.

Leider ist bei BLOODRAYNE urplötzlich die Luft raus. Es wird gequatscht und gevögelt und trainiert - insbesondere Lokken muß den Schwertkampf lernen, obwohl sie die vorangegangenen 40 Minuten keine Probleme mit dem Plattmachen ihrer Gegner hatte. Die Pfählungen und Enthauptungen werden seltener, und in einer absolut nutzlosen abschließenden Flashbackmontage die gorigsten Effekte nochmal in voller Länge zu zeigen, ist eine Unverschämtheit, zumal sie dann eben doch wieder aussehen wie deutscher Amateurscheiß!

Weder ist BLOODRAYNE der schlechteste Film aller Zeiten, noch ist er "ein Juwel des modernen Horrorfilms" (Yazid Benfeghoul - war der besoffen oder hat der n Hunni von Uwe zugesteckt bekommen?). BLOODRAYNE ist ein halb flotter, halb lahmer, voll goriger Quatsch - dumm wie Holz, mit herrlich miesen Leistungen bekannter Darsteller und dem Gefühl, sich trotzdem unterhalten zu haben oder eben deswegen und überhaupt ist manches so offenherzig mies, daß man es mögen mag.











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