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BLUBBERELLA (USA/Kanada/Deutschland 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. BLUBBERELLA
Laufzeit in Minuten. 83

Regie. UWE BOLL
Drehbuch. UWE BOLL . WILLIAM BELLI
Musik. JESSICA DE ROOIJ
Kamera. MATHIAS NEUMANN
Schnitt. JANA MUSIK
Darsteller. LINDSAY HOLLISTER . UWE BOLL . MICHAEL PARÉ . CLINT HOWARD u.a.

Review Datum. 2011-04-16
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Blubberella ist ein übergewichtiger Dhampir, eine Mischung aus Vampir und Mensch. Irgendwo im von den Nazis besetzen Osten Europas unterstützt sie einige Widerstandskämpfer bei deren Überfall auf einen Zug. Dabei tötet die wuchtige Dame den Kommandanten Ekart Brand, macht diesen aber zeitlich zu einem Vampir. Gemeinsam mit den Widerstandskämpfern muss sie daraufhin versuchen Brand und seine Schergen zu töten, bevor dieser mit Hilfe des irren Wissenschaftlers Mangler eine Armee von Nazi-Vampiren aufstellen kann.

Klingt wie die Handlung aus BLOODRAYNE: THE THIRD REICH? Richtig, ist sie ja auch. Uwe Boll hat die beiden Filme nicht nur zeitgleich gedreht, sondern beide Filme erzählen auch eine fast identische Geschichte. Während aber BLOODRAYNE: THE THIRD REICH einen düsteren Blick auf die Thematik wirft, versucht sich Boll mit BLUBBERELLA an einer parodistischen Herangehensweise, die in ihrer völligen Willkürlichkeit zuweilen entfernt an Monty Python oder Mel Brooks erinnert, auch wenn sie deren Klasse nie erreichen kann.

Viele der wirren Gags und Ideen sind eigentlich gar nicht mal so unlustig und wenn Regisseur Boll auch noch selbst innerhalb eines Traums als Hitler auftritt und sich die Zeit mit Blubberella, einem Afrikaner (gespielt von William Belli im Blackface) und einem Brettspiel vertreibt, dann ist das schon ein Heidenspaß, aber bleibt man als Zuschauer am Ende ein wenig unzufrieden zurück.
Zum einen nämlich überfordert einen die schiere Dichte an absurden Einfällen und grotesken Momenten, denn anders als Python oder Brooks nimmt sich Boll nie die Zeit einen Gag wirken zu lassen und nebenher eben noch eine Geschichte zu erzählen, sondern er überfrachtet seine Parodie so stark, dass man am Ende den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Boll macht den schwerwiegendsten Fehler, dem man im Bereich der Komödie überhaupt begehen kann: Er verwechselt Quantität mit Qualität. So haben denn dann auch etliche der eigentlich guten Gags keinen Platz zum Atmen und gehen in einem Schwall aus mittelmäßigen Witzen unter, für die sich Boll scheinbar manchmal gar zu sehr von Fips Asmussen hat inspiriere lassen.
Zum anderen ist Bolls großes Problem der Filmemacher Boll selbst. Einerseits will Boll mit Filmen wie DARFUR und AUSCHWITZ einen seriösen Ton anschlagen und sich als ernsthafter Filmemacher ins Gespräch bringen, auf der anderen Seite gibt er dann hier selbst den Klassenclown-Adolf und lässt zuvor einen seinen Schauspieler einen reichlich zynischen Gag auf Kosten deportierter Juden machen. Das passt irgendwie nicht zusammen und sorgt eher dafür, dass man Bolls vermeintlichen Anspruch bei seinen ernsten Filmen eher wie einen Marketinggag wahrnimmt. Doch nicht nur an dieser Stelle dekonstruiert sich Boll selbst: BLUBBERELLA ist ein hoch erhobener Mittelfinger in Richtung seines BLOODRAYNE-Publikums. Wenn schon der Regisseur selbst über sich und einen seiner Filme eine bitterböse Parodie dreht, wie kann er dann hingehen und den parodierten Film überhaupt noch erhobenen Hauptes an den Mann bringen wollen?

Auch wenn BLUBBERELLA inszenatorisch ebenso mittelmäßig bleibt wie BLOODRAYNE: THE THIRD REICH, so funktioniert diese komische Variante oftmals viel besser als die andere, denn während dort z.B. viele Schauspieler eher deplatziert wirkten oder wenig überzeugend waren, gehen sie in ihren komischen Versionen deutlich besser auf. Lindsay Hollister wirkt in der Titelrolle sympathischer und lebhafter als Natassia Malthe in ihrer Rolle der Rayne und besonders der transsexuelle William Belli, der in BLOODRAYNE: THE THIRD REICH den recht farblosen Schönling unter den Widerstandskämpfern gibt, darf hier eine etwas breitere Palette seines Könnens zeigen und wird vom toughen Heterotypen zur kämpferischen Tunte. Letzteres ist übrigens angenehm wenig vorführend. Zwar kann man den schwulen Charakter in BLUBBERELLA nicht gerade emanzipatorisch nennen, aber angesichts des sonst üblichen, despektierlichen Umgangs mit schwulen Charakteren in solchen Parodien kommt die Tunte in Bolls Film schon fast vorbildhaft gut weg.

Es ist schwierig ein abschließendes Urteil über diesen Film zu fällen, denn er ist untrennbar mit BLOODRAYNE: THE THIRD REICH verbunden und stellt sozusagen die zweite Seite der gleichen Medaille dar. Er ist ein interessanter Ansatz die gleiche Geschichte ganz anders zu erzählen und dennoch zeitgleich auch eine fragwürdig herablassende Selbstkritik an seinem eigenen Bruder. Deshalb - und weil er technisch eher langweilig ist - ist er als eigenständiger Film eine Katastrophe. Als zynische Reflexion über seinen Hypotext aber ist er durchaus einen Blick wert.











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