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EXTE: HAIR EXTENSIONS (Japan 2007)

von Björn Eichstädt

Original Titel. EKUSUTE
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. SION SONO
Drehbuch. SION SONO
Musik. TOMOKI HASEGAWA
Kamera. HIROO YANAGIDA
Schnitt. JUNICHI ITO
Darsteller. CHIAKI KURIYAMA . REN OSUGI . MEGUMI SATO . TSUGUMI u.a.

Review Datum. 2007-10-20
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Ein Film von Sion Sono, der sich dem Mainstream verpflichtet fühlt? So oder so ähnlich war es zumindest aus der globalen Gemeinde der Japanophilen zu hören, als erste Gerüchte über den Inhalt von EXTE die Runde machten. Das aktuelle Werk gehe weniger abstrakte Wege, sei mehr straighter J-Horror und kaum existenzialistisches Exposé. Doch wer Sonos SUICIDE CIRCLE, STRANGE CIRCUS oder NORIKO'S DINNER TABLE vor Augen hat, der ahnt, dass das alles nur die halbe Wahrheit sein kann. Und tatsächlich: Ähnlich des vielerorts vollkommen fehleingeschätzten NIGHTMARE DETECTIVE von Shinya Tsukamoto, geht Sono nur an der Oberfläche neue Wege, um sich im Detail noch tiefer in den Symbolismus und die Gesellschaftskritik früherer Werke einzugraben.

Wobei: Auch die Fassade von EXTE deutet nicht gerade auf einen verkappten Middle-of-the-Road-Kracher hin. Es sei denn, der Rezipient ist so abgebrüht, dass er auch TETSUO oder HAUSU irgendwo im optischen Nullachtfünfzehnuniversum ansiedelt. Denn die Haare, die den Plot überwuchern, die die Familie einer Friseurin im eigenen Haus und die gesamte Beauty-Industrie andernorts attackieren, sprießen so wundervoll wild und spannend in Szene gesetzt, dass es eine Freude ist. Billige CGI-Ansätze sind Sonos Ding hierbei ganz sicher nicht. Alles wirkt handgemacht und mit viel Liebe inszeniert.

Und die Geschichte? Ein Kriminalfall um eine Tote in einem Haarcontainer im Hafen, einen Leichenbeschauer, der aus dem weiter wachsenden Haar der unnatürlich Verstorbenen ein Zweitgeschäft mit mordenden Haarverlängerungen generiert und eine junge Friseurin, ihre Nichte sowie eine oberflächliche und selbstsüchtige Schwester - Stränge, die lange nebeneinander her wachsen, bevor sie sich im weiteren Verlauf schließlich zu einem Zopf verflechten. Hier liegt auch die Schwäche von EXTE - der Film ist schlicht zu lang geraten.

Doch darüber mag man mit etwas zeitlichem Abstand hinwegsehen, denn die große Stärke ist sicherlich auch in diesem Sono-Film die überbordende Metamessage, die sich spätestens dann entfaltet, wenn die Bilder langsam in der Erinnerung verblassen, die schwarzen Haare grau werden, ausfallen und den Kern des Ganzen freigeben: dann nämlich sehen wir die Toten, die der globale Schönheitswahn auf dem Gewissen hat, die Yurei, die nicht ruhen können und mit ihren immer weiter wachsenden Haaren das System speisen, das sie erst in ihre missliche Lage gebracht hat. EXTE ist mehr DAWN OF THE DEAD und weniger RINGU, er ist kein einfacher Film und auch beileibe nicht perfekt geraten. Doch Sion Sono zeigt erneut (nach dem wirklich erschreckend schwachen HAZARD), dass man mit ihm rechnen muss. Auf einen Film aus seiner Feder, der vor allem für das Mainstream-Publikum gemacht ist, wird man allerdings noch lange warten müssen.











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