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KAPITELWAHL

SUICIDE CIRCLE (Japan 2002)

von Hasko Baumann

Original Titel. JISATSU SAAKURU
Laufzeit in Minuten. 103

Regie. SHION SONO
Drehbuch. SHION SONO
Musik. TOMOKI HASEGAWA
Kamera. KAZUTO SATO
Schnitt. MASAHIRO ONAGA
Darsteller. RYO ISHIBASHI . AKAJI MARO . MASATOSHI NAGASE . SAYA HAGIWARA u.a.

Review Datum. 2005-06-07
Erscheinungsdatum. 2005-03-23
Vertrieb. I-ON NEW MEDIA

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Das moderne Kino Japans vermittelt den Eindruck, das japanische Volk hätte fürchterliche Angst vor den Medien der Kommunikation: Das Grauen sitzt im Telefon, im Handy, im Fernseher, auf Videocassetten oder im Internet. Die Masse wird zum gleichgültigen Mob, und der Einzelne muß das Leben lassen beim Versuch der Enträtselung des Unheimlichen. Niemand kann man trauen, und die Polizei ist machtlos.

So verhält es sich auch beim SUICIDE CIRCLE, der dem DVD-Junkie mit einer schockierenden Eingangssequenz rücksichtlos die Nachos aus der Käsepampe haut. 54 fröhliche Schulmädchen lassen sich Hand in Hand vor die U-Bahn fallen. Köpfe platzen, Blut spritzt in Hektolitern und der Bahnsteig ertrinkt im Rot. Die Selbstmorde häufen sich danach, die Polizei kann als Gemeinsamkeit nur eine Sporttasche am Tatort aufgreifen, in der sich ein Ring aus Menschenhaut findet. Von einer Hackerin namens Bat wird man auf eine geheimnisvolle Website aufmerksam gemacht, auf der rote und weiße Punkte kommende Todesfälle anzukündigen scheinen. Nach einer Stunde zeigt auch SUICIDE CIRCLE die große Tugend des zeitgenössischen asiatischen Kinos: Der Film weiß zu überraschen. Irgendwo zwischen einer perversen Glam-Gang und einer penetranten Mädchencombo, deren enervierende Songs allein schon jeden normalen Menschen in den Suizid treiben könnten, liegt die Wahrheit.

In dieser kalten und tristen Welt gibt es Wärme nur im Haus des ermittelnden Inspektors Kuroda, und eben dieser Hauptfigur zieht der Film so dermaßen die Füße weg, daß es auch uns weh tut. SUICIDE CIRCLE funktioniert über weite Strecken als dichter Horrorthriller - die Sequenz, in der sich ein Haufen Schüler zum Selbstmord entschließt, ist exzellent gebaut - und hält mit allerlei Details die Spannung (etwa den kryptischen Informationen, die ein sich ständig räusperndes Kind bereithält). Die Botschaft jedoch, die er am Ende enthüllt, ist banal und schwülstig. Zu diesem naiven "Finde Dich selbst für eine bessere Welt"-Dogma paßt die hemmungslose Blutrunst, die SUICIDE CIRCLE teilweise an den Tag legt, in keinster Weise. Eine Frau, die sich beherzt nach und nach die Hand absäbelt, und Blutfontänen aus platzenden Köpfen auf Asphalt stehen im krassen Gegensatz zu Shion Sonos gesellschaftskritischen Ansätzen. Ein Sammelsurium einiger gelungener visueller und auch gut erzählter Momente, auch einiger guter Ideen, aber leider auch halbgarer Satire und nicht vollständig entwickelter Einfälle.

DVD.
Das Bild wirkt etwas grünstichig und hätte durchaus eine anamorphe Umsetzung vertragen können. Der Ton ist in Ordnung, aber nicht allzu dynamisch. Der deutsche 5.1-Mix klingt teilweise besser, aber die Synchro ist bestenfalls durchschnittlich. Die Untertitel orientieren sich nicht an ihr, was löblich ist. Als Bonus gibt es einen sehr unheimlichen Trailer, der eine Sequenz ausspielt, die überhaupt nicht im Film zu finden ist und auch nicht paßt. Dennoch gut. Erfreulich: Eine Talkrunde zum Film mit Machern und Darstellern ist ebenso enthalten wie ein Interview mit dem Regisseur, beides zwar nicht untertitelt, aber dafür komplett mit deutschem Voiceover. Eine schöne Veröffentlichung.








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