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KAPITELWAHL

ELEPHANT WHITE (USA 2011)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. ELEPHANT WHITE
Laufzeit in Minuten. 87

Regie. PRACHYA PINKAEW
Drehbuch. KEVIN BERNHARDT
Musik. ROBERT FOLK
Kamera. WADE MULLER
Schnitt. DAVID M. RICHARDSON
Darsteller. DJIMON HOUNSOU . KEVIN BACON . JIRANTANIN PITAKPORNTRAKUL . WEERAPRAWAT WONGPUAPAN u.a.

Review Datum. 2012-04-29
Erscheinungsdatum. 2011-10-21
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DTS/DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
In ONG-BAK ist in einer Straßenszene ein Graffiti zu lesen mit der Botschaft: "Hi Speilberg let do it together!" Damit wollte Regisseur Prachya Pinkaew vermutlich unterstreichen, dass er sprachlich bestens gerüstet ist, einen handelsüblichen Hollywood-Blockbuster zu stemmen. Sein US-Debüt ist nun doch eine Nummer kleiner ausgefallen und von einem thailändischen Film allenfalls in der Wahl der Hauptdarsteller zu unterscheiden. Gott sei Dank.

Djimon Hounsou () gibt den Auftragsmörder Church, der in Bangkok einige Gangster töten soll, die die Tochter seines Auftraggebers auf dem Gewissen haben. Dabei gerät er in die Schusslinie zweier Banden, lacht sich eine minderjährige Begleiterin an (Jirantanin Pitakporntrakul) und entdeckt sein Gewissen. Mithilfe des Waren- und Informationsangebots des befreundeten Waffenhändlers Jimmy (Kevin Bacon) will er einem Menschenhändlerring das Handwerk legen.

Reden wir über den Elefanten im Raum: Die Besetzung. Djimon Hounsou ist nicht zu übersehen mit seiner brummigen Präsenz, das ist gut so. Kevin Bacon ist nicht zu überhören, und das ist gar nicht gut. Ich liebe Kevin Bacon, wohlgemerkt, bin ja auch nur ein Mensch. Er wird mit zunehmendem Alter immer schmieriger und wunderbarer. Als britischer Waffenhändler ist er trotzdem halbwegs fehlbesetzt. Es ist die britische Hälfte, die Sorgen bereitet. Bacon mag schmierig, sympathisch und talentiert sein, aber er ist keine Meryl Streep. Akzente, Dialekte und Fremdsprachen gehören nicht zu seinen Talenten. War das schlecht auswendig gelernte Nazideutsch in X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG schon recht grauenhaft, so ist seine Parodie eines britischen Akzents in ELEPHANT WHITE noch eine Spur schlimmer. Was ist das überhaupt für eine seltsame Besetzungspolitik in letzter Zeit? Wird jetzt immer Kevin Bacon gerufen, wenn Christopher Waltz oder Rhys Ifans gerade keine Zeit haben?

Das DVD-Marketing von ELEPHANT WHITE scheint verzweifelt. Ist "Von den Machern von THE EXPENDABLES" wirklich etwas, was man groß rumerzählen sollte? Welche Macher das genau sein sollen, ist außerdem nicht ganz klar. Vermutlich irgendwelche Ko-Exekutiv-Produzenten ehrenhalber aus der hinteren Reihe. Das Videomarkt-Zitat "Genug Action für zwei Filme!" ist ebenso fragwürdig. Was für zwei Filme? Rosamunde-Pilcher-Filme? Dann vielleicht. Aber die Action-Reduktion ist gar nicht das Problem des Films, wenn es denn überhaupt ein (nennenswertes) Problem gibt. Pinkaew hat mit ONG-BAK, und CHOCOLATE - ...SÜSS UND TÖDLICH dem Action-Kino gleich dreimal gezeigt, an welcher Messlatte der Hammer hängt. Mehr hat er nicht nötig, da müssen andere jetzt erst mal rankommen. Es gibt in ELEPHANT WHITE hübsch choreografierte Schießereien und Knochenbrechereien, aber das interessiert zumindest den Regisseur nur am Rande. Es ist programmatisch für den ganzen Film, dass sich eine der hübschesten Schießereien als Traumsequenz entpuppt. Hier ist nichts, was und wie es scheint. Was ein Action-Film zu sein vorgibt, ist eigentlich eine Mischung aus spirituellem Männer-Drama à la BAD LIEUTENANT oder GHOST DOG - DER WEG DES SAMURAI und buddhistischer Rekrutierungspropaganda, mit ein bisschen Geballer im Hongkong-Stil als Zuckerle. Scheitert der Film an dieser Mischung? Natürlich! Macht das was? Nein! Nun gut: Jein. Oder vielleicht doch. Will sagen: Mir machte es nichts. Oder wenig. ELEPHANT WHITE ist psychologisch und spirituell zu simpel gestrickt, und die Action ist zu flüchtig, um darüber hinwegzutäuschen. Dennoch ist der Film in seinem Scheitern interessanter als die meisten Action-Filme von der Stange in ihrem Gelingen. Simpel gestrickt oder nicht, die Botschaft ist charmant ehrlich. Schießereien sind im Heroic Bloodshed immer eine persönliche Sache, aber selten waren sie in der Inszenierung persönlicher als hier. Je näher man der Figur kommt, desto näher kommt die Figur ihren Gegnern, also ihren Dämonen, also ihrem Schicksal. Es ist kein Zufall, dass sich die Dramaturgie von kühl distanzierten Scharfschüssen zu schweißtreibendem Nahkampf entwickelt. Und es ist erst recht kein Zufall, dass das ganz große Finale verweigert wird, denn Gewalt ist dann schon längst keine Lösung mehr. Der Film hat es erkannt, auch wenn der Zuschauer noch nicht so weit ist. Das mag nicht komplett befriedigen. Nicht beim ersten Ansehen, und nicht beim zweiten. Aber allein die Tatsache, dass man sich den Film ohne weiteres ein zweites Mal ansehen mag, zeigt schon, dass ebenso viel richtig wie falsch gemacht wurde. Yin und Yang sind im Einklang.

DVD.
Kurzdokus und Interviewschnipsel sind das übliche gegenseitige Schulterklopfen aller Beteiligten, dafür liegt der Film technisch in ausgezeichneter Qualität vor. Die deutsche Synchro ist keine Meisterleistung, aber immerhin muss man nicht Kevin Bacon hören, wie er jedes Mal das gesamte britische Volk beleidigt, wenn er den Mund aufmacht.








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