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KAPITELWAHL

ROBO-GEISHA (Japan 2009)

von Alexander Karenovics

Original Titel. ROBO-GEISHA
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. NOBORU IGUCHI
Drehbuch. NOBORU IGUCHI
Musik. YASUHIKO FUKUDA
Kamera. YASUTAKA NAGANO
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. AYA KIGUCHI . HITOMI HASEBE . TAKUMI SAITO . CAY IZUMI u.a.

Review Datum. 2011-04-06
Erscheinungsdatum. 2010-07-30
Vertrieb. I-ON NEW MEDIA

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . JAPANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
ROBO-GEISHA ist einer von den Filmen, bei denen gemeinhin ein Blick auf's Cover-Artwork genügt um sicher zu gehen, was einen erwartet: Schlüpfer, Blut und Humor der infantilen, mal fragwürdigen Sorte. Daß es auch hier Qualitätsunterschiede gibt, daran mag der geneigte Filmfreund, der nur "gute" Filme schaut, gar nicht denken. Eines vorweg: einen zweiten TOKYO GORE POLICE bekommt man mit ROBO GEISHA nicht. Nichtmal einen würdigen MACHINE GIRL-Ersatz.

Zur Erinnerung: THE MACHINE GIRL hatte Yakuzas und eine geradlinige Rache-Story, TOKYO GORE POLICE biederte sich mit einem BLADE RUNNER-esquem Zukunfts-Szenario an, während dessen glorreichster Momente sich Andy Warhol und Paul Verhoeven die Hände schüttelten, VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL war im Kern eine simple Boy-meets-Girl Highschool-Romanze (mit rotgefärbten Hormonen, wohlgemerkt). ROBO GEISHA gibt sich dagegen selbst für eine alternative Realität zu beliebig - ein bißchen von allem, was an Klischees in westlichen Köpfen stattfindet wenn das Wort "Japan" fällt: Geishas, Samurais, Schulmädchen, Mechas, Kirschblüten. Labskaus halt. Und schon bei der Variante ohne Soja-Soße darf man darüber streiten, ob das nun eine Delikatesse oder Körperverletzung ist. Und die Bösen wollen eine Bombe in den Fuji-Yama schmeißen um so Japan zu einen, oder so ähnlich. Nein, eigentlich ganz genauso. Realität ade, say Hello to Insanity.

Wenn das Tempo stimmt, kann sowas durchaus Spaß machen, und entsprechend rasant ist der Einstieg geraten. In den Action-Szenen überrascht Noboru Iguchi mit Fokus auf Choreographien anstatt Häcksel-Phantasien. Wenn dann dochmal das Blut sprüht, geschieht das ausschließlich digital und sieht dementsprechend schäbig aus. Wenn im Finale ein riesiger Roboter behäbig durch die Innenstadt pflügt, möchte man als Fan von Gamera & Co. eigentlich frohlocken, nur um enttäuscht festzuststellen, daß da ausschließlich digitale Häuser kaputt gehen. Und zwar nicht Bruckheimer-digital sondern Playstation-digital. Das ist angesichts der durchweg kreativ-grotesken Mutationen, welche SFX-Creator Yoshihiro Nishimura aus Knetmasse und Gummi detailverliebt zurechtgeschnibbelt hat, unverzeihlich.

Noboru Iguchi mag Ärsche. Desweiteren ist er ein Fan von ungewöhnlichen Waffenmodellen. Je freakiger und phallischer, desto besser. Am liebsten ist ihm eine Kombination aus beidem: bei dem Arsenal, welches hier in 100 Minuten entweder in Hinterteile gerammt oder aus selbigen herausgeschossen kommt, werden nostalgische Erinnerungen an die eigene anale Phase wach; Herr Iguchi steckt anscheinend noch mittendrin. Das hört sich wahrscheinlich amüsanter an als es letztendlich ist, vor allem da ROBO-GEISHA zwischenzeitlich immer wieder mit Längen zu kämpfen hat; die Geschichte um zwei verfeindete Schwestern, die im selben Lager zu Assassinen ausgebildet werden, fesselt nicht - zu beliebig das Setting, zuviel Willkür an der Effekte-Front, zuviel digitaler Mist - in TOKYO GORE POLICE hatte der Wahnsinn noch Methode; und wenn man gerade denkt, geschmackloser geht nicht, hagelt's Zoten über Säure und Mageninhalte. Das ist dann auch nicht mehr witzig, bloß ekelig. Aber von jemandem wie Noboru Iguchi Stilgefühl zu erwarten, ist in etwa wie Quentin Tarantino aufzufordern, weniger zu reden: zwecklos. Kleiner Tip: tief durchatmen und entweder abschalten oder auf das mit allerlei schrägem Schabernack gespickte Duell zwischen Samurais und Schulmädchen zu warten.

Im Endeffekt kann als bislang einziger Lichtblick in Iguchis Filmographie lediglich THE MACHINE GIRL bestehen, was allerdings mehr über den übrigen Output aussagt als über das Mädchen mit dem Gatling-Arm. Mit dem Reboot des 70er-Jahre Kinderzimmer-Helden KARATE ROBO ZARBOGAR steht demnächst sein erster auf 2.35:1 Format gedrehter Film an, mit deutlich größerem Augenmerk auf Familie und Massengeschmack: mehr Action, weniger Gedärm und Kotze. Das ist zweifellos ein Schritt nach vorne, fragt sich nur, in welche Richtung. Und während manch einer vielleicht gerade zum Vertrauenshändler für jugendgefährdende Medien marschiert und sich TOKYO GORE POLICE unter die Achsel klemmt, steht der Rest hilflos daneben, schüttelt den Kopf und ist einfach nur fassungslos, was ja auch irgendwie okay und nachvollziehbar ist - ist man als Fan ja zuweilen selbst.

DVD.
Das deutsche Release ist gewissermaßen ein Novum: Erstmalig haben unsere Jugend WATCHMEN blutrünstigen japanischen Horror-Trash ohne Beanstandungen mit einer FSK-16 durchgewinkt. Hilft aber alles nix; der zugehörige Trailer ist trotzdem erst ab 18 freigegeben, daher auch das rote Siegel. Verstehe das wer will, dem Verkauf vielleicht sogar förderlich. Bild und Ton sind okay - Benchmarking-Ansprüche an so einen Film wird wohl niemand stellen. Wer ROBO-GEISHA im Original schauen möchte, muß sich leider mit geschwätzigen Dubtitles zufrieden geben, die der deutschen Krankheit anheim gefallen sind, unbedingt witziger sein zu wollen als das Original. Im Bonus-Material finden sich lediglich ein paar Trailer.








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