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VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL (Japan 2009)

von Alexander Karenovics

Original Titel. KYUKETSU SHOJO TAI SHOJO FURANKEN
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. NAOYUKI TOMOMATSU . YOSHIHIRO NISHIMURA
Drehbuch. NAOYUKI TOMOMATSU . SHUNGIKU UCHIDA
Musik. KOU NAKAGAWA
Kamera. SHU G. MOMOSE
Schnitt. YOSHIHIRO NISHIMURA
Darsteller. YUKIE KAWAMURA . TAKUMI SAITO . ERI OTOGURO . SAYAKA KAMETANI u.a.

Review Datum. 2010-06-05
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Wer auch immer das DTV-Medium als prädestiniert für die Verbreitung von Trash erklärte, hat etwas nicht verstanden - solche Geschichten gehören auf die große Leinwand, vor einem ausverkauften Saal mit einem Publikum, welches genau diesen Film verdient.

Die hübsche Highschool-Schülerin Monami (Yukie Kawamura) ist in Jyugon Mizushima (Takumi Saito) verliebt und schenkt ihm zum Valentinstag eine selbstgemachte Schokoladenpraline. Er ahnt nicht, daß Monami eigentlich ein Vampir ist und die Praline mit ihrem eigenen Blut gefüllt hat. Die romantische Geste wirkt, und Mizushima fühlt sich ab sofort zu ihr hingezogen. Leider hat auch Oberzicke Keiko ein Auge auf ihn geworfen, und nachdem der größenwahnsinnige Papa sie nach einem tödlichen Unfall in bewährter Mary Shelley-Manier wieder zusammengeflickt hat, wird der Schulhof zum Schauplatz für den titelgebenden Showdown zwischen Vampire Girl und Frankenstein Girl - mit Mizushima als Trophäe. Und damit es nicht allzu kitschig wird, hat sich gleich der ganze Zirkus an Freak-Charakteren aus einschlägigen Mangas (die man normalerweise panisch versteckt sobald anständiger Besuch vorbeikommt) versammelt.

Die nächste japanische Gore-Welle schwappt zu uns herüber, allerdings ist hier hier der Mann ins Becken gesprungen, der mit bizarr-blutigen prosthetischen Effekten dem roten Meer erst einen Wiedererkennungswert gegeben hat. In VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL prallen die ausgefallenen Mutationen aus TOKYO GORE POLICE und der Charme einer romantischen Highschool-Komödie ungebremst aufeinander - der Sieger ist der Zuschauer, so er denn eine gewisse Affinität mitbringt.

Naoyuki Tomomatsu ist einer der beiden Regisseure am Set, und hat sich mit räudigen Low-Budget-Produktionen wie EAT THE SCHOOLGIRL bereits einen (fragwürdigen) Namen erarbeitet. Zum Glück trägt aber VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL die durchweg kreative Handschrift von Yoshihiro Nishimura, der Tom Savini des jungen japanischen Splatterkinos und seines Zeichens prosthetischer SFX- und Make-Up Experte, der auch mal gerne von Sion Sono um Rat gefragt wird, sobald es ans Eingemachte geht (man erinnere sich an das knallige Opening in SUICIDE CIRCLE oder die Kastration in LOVE EXPOSURE). Und wo sich in THE MACHINE GIRL Noboru Iguchi damit begnügt, möglichst nahe mit der Kamera an bluttriefende Torsos heranzufahren, denkt das Regie-Duo weitaus filmischer: kinetisch geschnittene Action-Szenen, einige Bilder erreichen dank atmosphärischer Ausleuchtung geradezu psychedelische Qualität, und die CGI ist auch ziemlich okay ... was gemessen am Budget die höchstmögliche Auszeichnung ist.

Was VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL in erster Linie so vergnüglich macht, ist die Ideenflut, die hier Tsunami-gleich über alle Dämme des guten Geschmacks hinwegspült. Manche Filme begnügen sich mit der Idee von Nazi-Zombies und strecken diese auf 90 Minuten, während in VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL Schulmädchen-Zombies auf höchstens zwei Seiten des Skriptes herumschlurfen. So wird unter anderem eine offizielle Highschool-Student Wrist Cut Ralley veranstaltet, und als für das blutige Duell im Namen der Liebe der Schulhof zu klein wird, verlagert sich der Zweikampf in die luftigen Höhen des Tokyo-Towers. Fans freuen sich über einen Gastauftritt von Eihi Shiina, die mit morbidem AUDITION-Charisma das rasante Machwerk kurzzeitig in den Adelsstand erhebt.

Konkurrenz für TOKYO GORE POLICE (welcher dank kluger Ausbrecher ins Avantgardistische seine Trash-Wurzeln zu transzendieren vermochte) ist dieser Film trotzdem keine. In einer guten Horrorkomödie würden uns weitgehend reale Identifikations-Figuren über den Weg laufen, in VAMPIRE GIRL VS. FRANKENSTEIN GIRL verhält sich das Gros der Charaktere dagegen wie hysterisch übersteigerte Stereotypen, und das Skript (fanatisch bestrebt, wirklich jedes Anime-Klischee und jeden Cosplay-Fetisch unterzubringen) schießt in seinem Pointen über das Ziel hinaus. Aufgrund irrwitzigen Tempos und steter grotesker Überraschungen aber immer noch Müll, den man lieber nach was Genießbarem durchwühlt, anstatt ihn anzuzünden um sich die Hände daran zu wärmen.

Bleibt die Frage, wie ich den bunt aus japanischen 70er-Jahre Schlager-Ohrwürmen zusammengewürfelten Soundtrack wieder aus meinem Kopf kriege ... oder lieber nicht.

Kanpei!











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