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TOKYO GORE POLICE (Japan 2008)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. TOKYO ZANKOKU KEISATSU
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. YOSHIHIRO NISHIMURA
Drehbuch. KENGO KAJI . SAYAKO NAKOSHI . YOSHIHIRO NISHIMURA
Musik. KOH NAKAGAWA
Kamera. SHU G.MOMOSE
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. EIHI SHIINA . ITSUJI ITAO . YUKIHIDE BENNY. JIJI BU u.a.

Review Datum. 2008-12-16
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Tokio in der nahen Zukunft: Maschinell mutierte Menschen machen die Stadt unsicher. Aber die Polizei, inzwischen privatisiert, kommerzialisiert und wenig zimperlich, macht sie gerne alle tot. Besonders fanatisch ist Polizistin Ruka, die nicht gut auf Verbrecher zu sprechen ist, seit einer ihren Vater umgebracht hat. Als sie schließlich den Ober-Mutanten stellt, eröffnet der ihr, dass die Polizei, für die sie sich so aufopfert, für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Stimmt das? Kämpfte Ruka jahrelang auf der falschen Seite? Wird sie wechseln?

TOKYO GORE POLICE ist nach THE MACHINE GIRL der zweite japanische Splatter-Film, der im Auftrag des amerikanischen DVD-Labels Tokyo Shock entstand, um in erster Linie westlichen Japan-Geeks zu gefallen. Deshalb musste alles rein, was alle außer Japaner für typisch japanisch halten: Schwertkämpfe, Blutfontänen, Fetischsex, Harakiri, Kimono, Ninja, Neonfassaden, übergroße weiße Mädchensocken (an Frauen über 30), Menschmaschinen, Maschinenmenschen, und unmittelbar hinter dem Tokyo Tower ragt natürlich riesengroß der Fuji in die Nacht (Erdplattenverschiebung?). Regisseur Yoshihiro Nishimura hat merklich Spaß an der Spielerei mit den Fremdwahrnehmung-Klischees seines Landes und seiner Kultur. Darüberhinaus merkt man seinem Film an, dass er ein Intimus von Sion Sono ist, für den er u. a. die Ekeleffekte in SUICIDE CIRCLE und STRANGE CIRCUS machte. Offenbar hat er bei Sonos Filmen nicht nur stumpf seine Arbeit erledigt, sondern auch die künstlerische Herangehensweise an rabiate Stoffe verinnerlicht. Er durchsetzt TOKYO GORE POLICE mit makabren Werbespots (z. B. für besonders niedliche Pulsadernschneider), Polizei-Image-Spots und aufklärerischen Videomahnungen ("Stoppt Seppuku! Seppuku ist Selbstmord!"). Eine überdrehte Kunstblondine in der Kommunikationszentrale der Polizei fungiert als eine Art griechischer Chor, der die Handlung zusammenfasst und kommentiert. Mit diesen erzählerischen Kunstgriffen hat TOKYO GORE POLICE neben den Grand-Guignol-Spektakeln von Sion Sono auch eine gewisse Ähnlichkeit mit den Science-Fiction-Filmen von Paul Verhoeven, wenn auch auf deutlich niedrigerem Budget.

Das bisschen Geld, das Nishimura zur Verfügung stand, hat er gut angelegt. Die HD-Produktion ist optisch überraschend atmosphärisch geraten, sehr viel edler als THE MACHINE GIRL. Auch Hauptdarstellerin Eihi Shiina trägt durch ihre bloße Anwesenheit zum edlen Look bei. Die AUDITION-Ikone braucht für ihre Rolle keine Lee-Strasberg-Ausbildung, sie muss vor allem erhaben mit einer Kettensäge schreiten können, und da macht ihr niemand was vor. Die Splatter-Effekte schwanken zwischen Homemovie-Charme und einwandfreiem Profi-Handwerk. Gemein ist ihnen, dass so gut wie nie der Splatter-Autopilot fährt, sondern man nach fast jeder Szene denkt: Sowas hab ich ja noch nie gesehen.

Es wäre sicherlich falsch, TOKYO GORE POLICE zu einer hochbrisanten, messerscharfen Sozial- und Mediensatire schönzureden. Mindestens genauso falsch ist es aber, ihn als tumben Gröl-Spaß ohne Substanz abzutun. Der Film changiert mit seiner konfliktbeladenen Heldin und seinem schwarzen Humor irgendwo dazwischen und bleibt dadurch länger im Gedächtnis als ein ordinärer Partyfilm. Es darf gegrölt werden, aber man muss sich nicht schämen, wenn man aufpasst.











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