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GREEN LANTERN (USA 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. GREEN LANTERN
Laufzeit in Minuten. 114

Regie. MARTIN CAMPBELL
Drehbuch. GREG BERLANTI . MICHAEL GREEN . MARC GUGGENHEIM . MICHAEL GOLDENBERG
Musik. JAMES NEWTON HOWARD
Kamera. DION BEEBE
Schnitt. STUART BAIRD
Darsteller. RYAN REYNOLDS . PETER SARSGAARD . MARK STRONG . TIM ROBBINS u.a.

Review Datum. 2011-07-05
Kinostart Deutschland. 2011-07-28

Die Green Lantern sind so etwas wie die Polizei des Universums. Sie beziehen ihre Macht aus dem gebündelten Willen aller kosmischen Bewohner und setzen sich zusammen aus Vertretern aller Rassen des Universums - lediglich die Menschen haben keinen Abgesandten in das Polizeicorps, da sie als eine noch sehr junge Spezies den übrigen Außerirdischen suspekt erscheinen. Das ändert sich jedoch als der Green Lantern Abin Sur nach einem Kampf tödlich verwundet auf der Erde notlandet und dort den Kampfpiloten Hal Jordan als seinen Nachfolger notrekrutiert.

Nach den schlechten Kritiken amerikanischer Kollegen und dem eher sub-optimalen Einspielergebnis in den USA hatte man sich ja schon auf den worst case, auf einen Fremdscham-Marathon und ein unzufriedenes "meh" vorbereitet, nur um dann im Kino sitzend festzustellen, dass das alles vollkommen unnötig war und der Film von AUFTRAG RACHE-Regisseur Martin Campbell alles ist, nur eben nicht das erwartete Desaster.

Nun kann man dieser Comicverfilmung in Zeiten eines auf allen Ebenen gelungenen IRON MAN (oder wahlweise auch HULK) natürlich vorwerfen, dass er die Wandlung seines Protagonisten zum Superhelden eher austauschbar erzählt, dass die inneren Konflikte aller seiner Charaktere zu konventionell und vorhersehbar geschildert werden, das manche Rollen schlichtweg funktionale Aspekte erfüllen und mühelos auch durch andere Wendungen hätten ersetzt werden können und dass er - also GREEN LANTERN - genau deshalb nicht in den Olymp der gegenwärtigen Comicverfilmungen aufsteigen wird, aber im Gegensatz zu z.B. THOR leistet sich GREEN LANTERN eine Geschichte, die nicht bloß eine expositorische Funktion übernimmt und damit eine überlange Einleitung zu einer ganzen Filmreihe darstellt.

Darin allerdings liegt mitunter ein ganz anderes Problem, denn GREEN LANTERN macht narrativ wirklich keine Gefangenen, sondern haut dem Zuschauer gleich in die ganze komplexe Geschichte um die Ohren und verbietet sich jedwede Nachfrage. Zwar klärt sich das ein oder andere im Verlauf der Handlung, viele Fragen aber bleiben auch nach dem Abspann unbeantwortet. Dem mit 114 Minuten nicht gerade kurzen Film hätten durchaus ein paar Minuten mehr an Exposition nicht geschadet. Das allerdings sollte man momentan nur mit Vorsicht dem Regisseur und seinen vier Drehbuchautoren vorwerfen, denn zumindest eine Szene wirkt etwas abgehackt geschnitten und damit ganz so, als ob ein Studio mal wieder auf einer Trimmung des Films bestand um später dann eine "extended version" vermarkten zu können. Zugegeben: Das ist gerade reine Mutmaßung, aber wundern täte es mich nicht.

Dass man sich trotzdem GREEN LANTERN anschauen sollte, liegt hauptsächlich an seinen Schauspielern: Zwar bleibt Mark Strong in seiner Rolle als "Polizeichef" Sinestro eher schwach und auch Tim Robbins als Senator Robert Hammond liefert keine Oscar-reife Perfomance ab, aber was auf dieser Seite fehlt, das machen Ryan Reynolds und Peter Sarsgaard locker wett. Reynolds spielt den neuen Green Lantern Hal Jordan und macht das auf eine sehr unterhaltsame Weise, die irgendwo zwischen draufgängerischem Kerl und schelmischem großen Jungen angesiedelt ist. Sein Charakter ist - dank des typischen Reynolds-Humors - eher ein Vertreter der Tony-Stark-Fraktion: nicht so bierernst und düster wie Hulk oder Batman, sondern immer selbstironisch, lässig und cool. Dem gegenüber steht Sarsgaard als Hector Hammond, Sohn des Senators und Wissenschaftler, der bei der Untersuchung der Leiche von Abin Sur durch eine weitere außerirdische Lebensform kontaminiert wird und sich zum Superschurken wandelt. Diese Rolle, die Sarsgaard äußerst überzeugend spielt, ist die eigentlich düstere und bildet das ideale Gegenstück zum verschmitzten Jordan. Einziges Manko ist hier lediglich die etwas zu kurze Auseinandersetzung zwischen Jordan und Hammond zugunsten eines weiteren Antagonisten über den an dieser Stelle aber noch nichts verraten sei.

Nicht nur das Spiel der beiden Hauptdarsteller macht den Kinobesuch lohnenswert, sondern auch die überzeugenden Effekte, die durchaus gelungen die Räumlichkeit der Modeerscheinung 3D ausnutzen, die leicht trashige, aber dadurch erst recht interessante Ästhetik der außerirdischen Welt, sowie die Tatsache, dass im Sommer des Krach-Bumm-Kinos (siehe TRANSFORMERS 3) mit dem eher kleinen, aber charmanten GREEN LANTERN ein deutlich ruhigerer, besserer und dabei nicht minder visuell eindrucksvoller Film in den Lichtspielhäusern läuft.











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