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CONAN (USA 2011)

von Marc Zeller

Original Titel. CONAN THE BARBARIAN
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. MARCUS NISPEL
Drehbuch. THOMAS DEAN DONNELLY . JOSHUA OPPENHEIMER . SEAN HOOD . ROBERT E. HOWARD
Musik. TYLER BATES
Kamera. THOMAS KLOSS
Schnitt. KEN BLACKWELL
Darsteller. JASON MOMOA . STEPHEN LANG . RACHEL NICHOLS . RON PERLMAN u.a.

Review Datum. 2011-09-01
Kinostart Deutschland. 2011-09-08

Manche Filme sieht man nicht kommen. Sie schleichen sich an und treffen einen unvermittelt, mit voller Wucht. Etwa weil sie die Dinge erfrischend anders anpacken, weil sie originell und smart sind oder weil sie den Sieg mit einem kreativen Homerun einfahren. CONAN gehört nicht zu diesen Filmen. Sondern zu denen, die man 50 Meter gegen den Wind riechen kann, selbst wenn man eine Nasenklammer aufsetzt. Es bedarf nur zweier Worte, um zu wissen, was Sache ist: Das eine ist zugleich der Titel; das andere der Name Nispel, der auch auf MICHAEL BAY'S (ja, der TRANSFORMERS-Verbrecher) TEXAS CHAINSAW MASSACRE prangt. So manchem wird das für einen hemmungslosen Verriss genügen.

Gehen wir stattdessen ein bisschen zurück in der Zeit. Zurück bis zu dem Punkt, an dem Actionhelden noch jemandem ordentlich auf die Zwölf geben konnten, ohne hinterher von Selbstzweifeln gequält zum Psychiater rennen zu müssen. Zu dem Punkt, an dem man den Satz "Das ist Unterhaltung pur!" noch guten Gewissen schreiben konnte, ohne das dumpfe Gefühl, man sollte jetzt eine bestimmt klingende Schimpftirade über den Verfall der gesellschaftlichen Werte und den Niedergang des Medium Films hinterherschicken. Okay, Stopp, das genügt. Wo sind wir? Das Jahr: 1982. Wenig überraschend: Das Filmplakat, das an der nächsten Ecke hängt, zeigt ein Schwert und den Titel CONAN DER BARBAR.

Natürlich schließt sich der Kreis hier nicht ganz zufällig: CONAN ist CONAN, auch knapp dreißig Jahre nach der Erstverfilmung des Stoffes durch John Milius. Der von Robert E. Howard in den 1930er Jahren erdachte Charakter bleibt in Marcus Nispels Reboot ein muskelbepackter Haudrauf, der erst zuschlägt oder reinsticht und dann Fragen stellt. Der gebürtige Hesse erzählt in seiner Version eine alternative Geschichte um den muskelbepackten Helden, die der Story des Schwarzenegger-Vehikels nur noch in Ansätzen gleicht.

Conan (Jason GAME OF THRONES Momoa) wächst im Dorf unter der Obhut seines strengen Vaters Corin (Ron HELLBOY Perlman) auf und erlernt bereits in frühester Jugend den Umgang mit dem Schwert. Als die gesamte Dorfgemeinschaft mitsamt seinem Vater von den Truppen des nach Macht gierenden Kriegers Khalar Zym (Stephen Lang) dahingemeuchelt wird, schwört der junge Conan Rache. Als Erwachsener macht er sich auf die Suche nach dem Mann, der seinen Vater ermordete - doch er hat es dank Khalar Zyms Hexentochter nun nicht mehr nur mit ausgebildeten Kämpfern, sondern auch mit übernatürlichen Kräften zu tun...

Auch wenn die Schauplätze imposanter, die Gegner mächtiger und die Herausforderungen größer geworden sind - an der Grundformel des Barbarentrashs, der nun zum potentiellen Blockbuster aufgepumpt wird, hat sich so gut wie nichts geändert: Zwei Sidekicks (wie im Original ein Mann und einer Frau) werden im Laufe der ohnehin nebensächlichen Handlung hinzukommen; im Vordergrund jedoch steht nach wie vor die Heldenverehrung und das ehrvolle Gemetzel vor atemberaubender Kulisse. Diplomatie ist in Hyboria selbstverständlich ein Fremdwort, ebenso übrigens weiterhin die Emanzipationsbewegung, sodass die weiblichen Charaktere auch im Neu-CONAN weitestgehend als Untergebene porträtiert werden, die im Heu und anderswo ihren Zweck erfüllen dürfen.

Das kann man beschissen finden, völlig unzeitgemäß, eine zum Himmel schreiende Frechheit und mehr als nur reaktionär. Man kann aber - und das sei jedem empfohlen, der auch nur eine Minute Spaß im Kino haben will - auch die auf (böse, böse?) Unterhaltung getrimmte Show genießen und immerhin lobend kontemplieren, dass Conan heute von einem Hawaiianer gespielt wird und kein Afroamerikaner mehr den abgrundtief grausamen Gewaltherrscher geben muss.

Wenn man sich für letztere Möglichkeit entscheidet, kann man Marcus Nispel in seinem Element beobachten: Anders als bei seiner Ausgabe des Kettensägenmassakers muss der ehemalige Musikvideo- und Werberegisseur in diesem Fall seine gelackte Hochglanzoptik nicht über ein raues Terrorkino-Gerüst stülpen, sondern darf genau da weitermachen, wo Milius seinerzeit aufhörte: Bei der Stilisierung eines comichaften Superhelden der Fantasy-Antike, der man Überzeichnung ebenso wenig vorwerfen darf wie einer Nicholas Sparks-Verfilmung den Hang zur romantischen Schmonzette.

Tyler Bates' theatralischer Schlachtenscore untermalt mehr als trefflich das blutige Hauen und Stechen, die entschlossenen Kriegerposen und die schicken Landschaftsaufnahmen. Herzstück des effektvollen Spektakels sind natürlich die in Schweiß und rotem Lebenssaft schwimmenden Actionsequenzen, in denen nicht nur zielsicher geworfene Gegenstände und berstende Holzhütten vor Thomas Kloss' Kamera vorbeifliegen, sondern auch die eine oder andere menschliche Extremität.

Wer DER HERR DER RINGE für die einzig legitime Fantasy hält, wird CONAN vermutlich als abstoßend und viel zu flach empfinden - und dabei ignorieren, dass dieser heroisch-blutrote Pudel in seinem Kern vieles richtig macht und seiner Intention völlig gerecht wird. Denn allen Fragwürdigkeiten zum Trotz ist Nispels Neuadaption genau der Heldenactioner, der 300 gerne gewesen und KAMPF DER TITANEN fast geworden wäre.











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