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THE CABIN IN THE WOODS (USA 2011)

von Fabian Olbrich

Original Titel. THE CABIN IN THE WOODS
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. DREW GODDARD
Drehbuch. JOSS WHEDON
Musik. DAVID JULYAN
Kamera. PETER DREMING
Schnitt. LISA LASSEK
Darsteller. KRISTEN CONNOLLY . CHRIS HEMSWORTH . ANNA HUTCHISON . RICHARD JENKINS u.a.

Review Datum. 2012-08-28
Kinostart Deutschland. 2012-09-06

Was ist unten im Keller? - Im dunklen Keller der einsamen Hütte im Wald, in der plötzlich eine Luke aufspringt - "Das muss der Wind gewesen sein". Eine knarzende Holzstiege führt in die schwarze Leere - der Blick aus der Finsternis fällt zurück auf ein paar gut aussehende College-Kids. Natürlich muss einer von ihnen hinunter und das Gruselkabinett entdecken: im Zwielicht scheint generationenalter Hausrat auf, eine verstaubte Devotionaliensammlung zusammen getragen aus den Requisitenkiste dutzender Horrorfilme. Die Musik hebt an, einzelnes kommt in den Fokus: eine alte Spieluhr mit verträumt-entrückter Melodie, ein Tagebuch mit furchtbaren Eintragungen, ein vergessener Film-Projektor - die Frage ist, was den Horror freisetzen wird?

In Zeiten von torture porn - Erlebnisstandards hat es das althergebrachte Gruselfilm-Inventar schwer. Trotz Überraschungs- und Ekeleffekten sind die Schockgrenzen längst ausgereizt. Da mag ein klassischer Hüttenhorror weder locken noch schocken - die Verführungsleistung der unheimlichen Inszenierung ist längst dahin. Doch wenn das Publikum die Mechanismen längst durchschaut hat, was bietet man dann an? Warum macht man die Zuschauermanipulation nicht endlich erkennbar? Was bei Eli Roth' CABIN FEVER noch implizit durch das krude Puzzle diverser Genreanleihen durchsichtig wurde, ist in THE CABIN IN THE WOODS expliziter Gegenstand der Darstellung: der Horrorfilm als Versuchsanordnung. Nicht nur die Hütte ist Schauplatz des baldigen Gemetzels, es wird zudem ein zweites Setting eingeführt. Biedermänner in weißen Kurzarmhemden und gestreiften Krawatten (u.a. Richard Jenkins) beginnen ihre Schicht in einer Art Laboreinrichtung. Sie drücken Knöpfe, reißen Witze und beobachten unsere fünf Freunde via Bildschirm. Die Waldhütte ist ein verschaltetes und bis in den letzten Winkel überwachtes Probierstübchen. Das dolldreiste Handeln der College-Kids ist nicht Ursache konventioneller Doofheit, sondern Ergebnis des gezielten Einsatzes von Licht und Pheromonen. Die Protagonisten sind nichts weiter als Marionetten in einem Spiel höherer Macht über Leben und Tod. Endlich bekommen wir eine Antwort auf das unlogische Verhalten geschlechtsreifer Teenager in Angstsituationen, das Aufsplitten der Gruppe trotz besseren Wissens (des Zuschauers), zusammen zuhalten, ist allein Ursache von gezielter Manipulation. Die Laboreinrichtung wird zur Filmschmiede und umgekehrt.

Und es ist wahr: Zombies, Monster, Poltergeister und alle anderen Film-, Sagen- und Mythengestalten sind real! Keine Erfindung, keine Fiktion. Es kommt nur darauf an, die dunklen Mächte zu kontrollieren. Wozu aber all diese Schrecknisse und all die armen jungen Opfer seit der frühen Literaturgeschichte bis zum heutigen Tag? Es ist die Blutmühle, die am Laufen gehalten werden muss um die alten Götter zu besänftigen. Die Menschheit opfert ihre Kinder, um ein weiteren Tag zu überleben. Von der Welt der Mythen und ihrer symbolischen Opfer ist es nur ein kleiner Schritt zur heutigen Form des Kinos als ritueller Opferstätte des jungen Fleisches für das ewig gierende Publikum. Doch THE CABIN IN THE WOODS ist kein Film, der Kritik an der Zuschauerlust übt. Auch der Metahorror muss schließlich die Konventionen des Genres erfüllen, um noch Horror zu sein. So bleibt am Ende alles in Soll und Plan des filmische Opferrituals, das fester Bestandteil westlicher, vielleicht weltweiter Kultur ist. Gewalt und Tod sind überall die größten Zuschauermagneten.

Drew Goddard, der unter anderem an LOST und CLOVERFIELD mitschrieb, liefert ein Filmdebut ab, dass fast kein Horrorfan-Herz kalt lässt: Sex, Drugs und Metzelei - für jeden ist was dabei. Mit Joss Whedon als Co-Schreiber an seiner Seite, lässt er die Fanboy-Attitüde ordentlich raushängen. Die geläufigen Stereotypen und Muster werden erfüllt und zugleich gebrochen. Jede Szene, jeder Dialog ist längst bekannt aus frühester Zuschauerjugend und wird gerade deshalb noch einmal gezeigt. Der Spass, den Goddard und Whedon vom ersten Skriptentwurf bis zum Schnitt haben mussten, überträgt sich noch bis in die letzte Kinoreihe. Wir werden Zeuge eines dieser rätselhaften Phänomene, bei denen das Fansein der Macher zufällig den Geschmack der Produzenten und Investoren getroffen haben muss und ein Resultat herausspringt, das wie EVIL DEAD mit Zahnpasta-Lächeln und 30 Mio. Dollar Budget aussieht. Obwohl THE CABIN IN THE WOODS bereits 2009 abgedreht wurde, gelangte der Film erst 2011 in den Verleih und im September 2012 in die deutschen Kinos. Nach Whedons gelungener Marvel-Produktion MARVEL'S THE AVANGERS und Chris Hemsworth' Erfolg als neuer Action-Held (THOR, MARVEL'S THE AVANGERS, SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN) kommt nun auch dieser Schenkelklopfer auf die Leinwand, der weniger verkopft ist als es zunächst scheinen mag.











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