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KAPITELWAHL

CAT RUN (USA 2011)

von Alexander Karenovics

Original Titel. CAT RUN
Laufzeit in Minuten. 101

Regie. JOHN STOCKWELL
Drehbuch. NICK BALL . JOHN NIVEN
Musik. DEVIN POWERS
Kamera. JEAN-FRANCOISE HENSGENS
Schnitt. BEN CALLAHAN . JEFF MCEVOY
Darsteller. PATZ VEGA . JANET MCTEER . ALPHONSO MCAULEY . SCOTT MECHLOWICZ . CHRISTOPHER MCDONALD u.a.

Review Datum. 2012-03-01
Erscheinungsdatum. 2012-01-12
Vertrieb. UNIVERSAL

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
John Stockwell hat ein Auge für schöne Menschen in exotischen Gefilden; gut zu beobachten in TURISTAS, wenn scharfe Klingen in adrettes, kaukasisches Fleisch schneiden und dahinter die malerische Regenwaldkulisse sich so anmutig wiegt wie in einem TUI-Reisevideo. Mit schönen Menschen beginnt auch sein neuester Film, als ein hohes politisches Tier eine streng geheime Bunga Bunga-Party veranstaltet, bei der schnell alle Hüllen und Hemmungen fallen. Geladen sind neben diversen osteuropäischen Schönheiten auch ein Waffenhändler mit Schwarzmarkt-Verbindungen und Raketen-Deal in der Brieftasche. Als besagter Politiker dann bei S&M-Würgespielen das Abbruch-Codewort überhört und es so einer Kurtisane buchstäblich den Atem verschlägt, bemüht er sich um Schadensbegrenzung: seine Bodyguards eröffnen das Feuer, bald ziert ein Haufen toter Nutten die Gemächer seiner Residenz, nur eine entflieht dem Massaker: Catalina, Escort-Lady für gehobene Ansprüche eines gut betuchten Klientels (Paz Vega mit sexy spanischem Akzent), und mehr als schnöde Prostituierte: Catalina einen "Blowjob-Provider" zu nennen, sei dasselbe wie Caravaggio einen Anstreicher, so ein ergebener Stammkunde über Cat.

Wichtigste Frage: rummst es ordentlich? Schließlich haben wir alle die DVD nur wegen dem schicken Cover-Artwork gekauft, auf dem Paz Vega mit rotem Mini und Uzi im Anschlag posiert. Kleiner Dämpfer: CAT RUN ist gar kein Actionfilm, mehr eine kleine Heist-Comedy, in der allerhand schräge Vögel sich mit spitzem, mal explosivem Werkzeug ziemlich schreckliche Dinge antun, und das titelgebende High-Class-Callgirl nur eine Nebenrolle einnimmt; als Protagonisten müssen zwei semi-vertrottelte Privat-Detektive herhalten, die in jedem anderen Film bestenfalls als Sidekick für Comical Relief gesorgt hätten. Von Exposition hält das Skript nicht viel: jede neue Person bekommt ihre eigene, flashige Charakterkarte spendiert: das ist cool, das ist Tarantino-esque, das spart Zeit, schafft aber auch Distanz zur Handlung.

Irgendwann kreuzen die Wege der Möchtegern-Helden sich mit Catalinas Fluchtroute; die hat vom Ort des Verbrechens eine Festplatte mit belastenden Aufzeichnungen von Überwachungskameras mitgehen lassen und steht jetzt auf der Abschußliste; gemeinsam gilt es, codierte Daten zu entschlüsseln um damit die Übeltäter hochgehen zu lassen, möglichst bevor sie mit einer Kugel im Kopf enden. Ihnen auf den Fersen ist Janet McTeer als abtrünnige MI-6-Agentin Helen Bingham, und hier fängt die Posse an, Spaß zu machen: McTeer taucht recht plötzlich aus dem toten Winkel auf, reißt mit eiskaltem Gangster-Charisma mal eben den gesamten Film an sich und fährt mit ihm in den Sonnenuntergang; Nomen est Omen: tatsächlich erinnert ihre Präsenz an jene Helen Mirren, die wir gerne im schwachbrüstigen R.E.D. gesehen haben. Aus dem Ruder läuft CAT RUN lediglich in einigen arg expliziten Gewaltszenen, die mit kaltschnäuziger Ironie unterlegt sogar den misanthropen Zynismus in SHOOT 'EM UP abgestanden wirken lassen. Hat man sich davon erholt und der Promotion geschuldete, fehlgeleitete Erwartungen korrigiert, läuft der Rest überraschend rund: zumindest in der Originalfassung begeistern Dialoge mit flottem Wortwitz (wer schottisch kann, lacht zweimal), derweil Stockwell kräftig einen auf Guy Ritchie macht und den Zuschauer mit inszenatorischen Gimmicks bei Laune hält: Retro-Split-Screens, schnelle Ortswechsel (von Montenegro nach Luxemburg über Andorra), dazu mit lauten Woosh-Sounds untermalte Reißschwenks. Wer sowas Scheiße findet, sei hiermit gewarnt; entschuldigen muß sich für diesen Film jedoch niemand, ganz zuletzt die überragende Janet McTeer; Catalina ist das sexy Zugpferd, aber Helen Bingham steckt sie alle in den Sack.

CAT RUN ist zwar kein KISS, KISS, BANG, BANG, aber immer noch ein gut geölter, cooler Katz-und-Maus-Reißer, dessen einziges (schweres) Verbrechen darin besteht, daß er weiß, daß er cool ist, und deswegen einmal zu oft wissend in die Kamera zwinkert. Damit können wir leben.

DVD.
Bemerkenswertes Feature: je nachdem, welche Sprachfassung ausgewählt wurde, wird eine andere Version des Films abgespielt, welche zwischendurch immer wieder aufpoppende Charakterkarten in deutsch oder englisch anzeigt. Selbstverständlich existiert auch eine Synchonisation, der Originalton ist allerdings (mal wieder) zu bevorzugen: spätestens wenn Eigenheiten des schottischen Dialekts durch den Kakao gezogen werden, krümmen sich bei der gekrampften Lokalisation jedem Cineasten die Zehennägel hoch. Ausreden wie "akustische Verständlichkeit" und "schottisch" gelten diesmal nicht, da auch englische Untertitel wahlweise zugeschaltet werden können; bequemer geht's kaum.

Wer ganz viel Zeit hat (und KISS, KISS, BANG, BANG schon kennt), darf sich über einen Audiokommentar freuen, in dem Regisseur Stockwell und der Produzent des Films Anekdoten von schwankendem Unterhaltungswert zu jeder Szene beisteuern. Allen anderen sei in derselben Zeit jedoch Shane Blacks stimmungsmäßig ähnlich gepoltes Crime-Juwel als weiterbildende Maßnahme dringend empfohlen.

Eine Handvoll Trailer (und eine Wendecover ohne rotes von der Leyen-Gedächtnis-Logo) runden das hervorragende Release ab.








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