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WOLVERINE: WEG DES KRIEGERS (USA/Australien 2013)

von Sven Taucke

Original Titel. THE WOLVERINE
Laufzeit in Minuten. 126

Regie. JAMES MANGOLD
Drehbuch. MARK BOMBACK . SCOTT FRANK . CHRISTOPHER MCQUARRIE
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. ROSS EMERY
Schnitt. MICHAEL MCCUSKER
Darsteller. HUGH JACKMAN . RILA FUKUSHIMA . SVETLANA KHODCHENKOVA . TAO OKAMOTO u.a.

Review Datum. 2013-07-23
Kinostart Deutschland. 2013-07-25

Dass im Superheldenkino mittlerweile ganze Metropolen verwüstet werden, ist vermutlich die geradezu zwangsläufige Entwicklung in einem Genre, welches die Entfesselung exzessiver Kräfte zum Thema hat. WOLVERINE: WEG DES KRIEGERS nimmt den entgegengesetzten Weg, fort von millionenfachen Kollateralschäden hin zu zielgerichteter Aktion. Folgerichtig endet James Mangolds Film nicht mit einer ausgiebig inszenierten Zerstörung einer Stadt, sondern zeigt diese nur ganz kurz zu Beginn. Der Atombombenabwurf auf Nagasaki im zweiten Weltkrieg ist hier der Ausgangspunkt. Wolverine, gerade noch eingesperrt in einem Erdloch, rettet einen japanischen Soldaten vor dem radioaktiven Blitz. Dabei offenbart er seine Kräfte: Unverwundbarkeit (Wunden und Verletzungen heilen sofort) und übermenschliche Stärke, bildlich gemacht durch Stahlklauen. Das ist der Prolog.

Eine Einstellung später sind wir in der Gegenwart. Wolverine sieht um kein Jahr gealtert aus, aber verletzt ist er doch. Er leidet wie ein Tier am Verlust seiner Geliebten Jean Grey (Famke Janssen), was einen der wenigen Bezugspunkte zu den bisherigen Filmen mit Wolverine darstellt. Das sind seit dem Jahr 2000 immerhin drei X-Men-Filme, der misslungene Solofilm X-MEN ORIGINS: WOLVERINE sowie ein Gastautritt in X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG. Mangolds Film kann gut für sich alleine stehen und muss den X-Men-Kosmos nicht allzu sehr bemühen. In X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND starb jedenfalls Jean Grey, und nun sucht sie Wolverine im Schlaf heim. Nur noch mit ihr, seinem Grizzly-Nachbarn und dem Schnaps-Verkäufer aus dem nachbarlichen Dorf kommuniziert der zum vollbärtigen Einsiedler gewordene Ex-Superheld. Ansonsten gilt für ihn: "Jeder, den ich liebe, muss sterben". Also besser Abstand halten.

Funktioniert aber natürlich nicht. Die Schwertkämpferin und scheinbare Gelegenheitswahrsagerin Yukio (Rila Fukushima) findet Wolverine im Auftrage des Mannes, dem er einst in Nagasaki das Leben rettete. Yashida (Hal Yamanouchi) hat es zum steinreichen und einflussreichen Industriellen gebracht, liegt nun im Sterben und will sich noch einmal bei Wolverine bedanken. Es dauert nicht lange, bis Yukio den Mutanten überredet hat, sie wenigstens kurz nach Japan zu begleiten. Kaum dort angekommen, überschlagen sich schon die Ereignisse. Wolverine muss Mariko (Tao Okamoto), die schöne Enkeltochter von Yashida, vor allerlei Finsterlinge beschützen. Es folgt neben einer Liebelei all das, was man von einem guten Superheldenfilm erwarten kann: fiese Schurken, Mutanten, jede Menge Haue sowie eine kleine Prise Humor. Und natürlich die Machenschaften von Yakuzakartellen und Ninja-Bruderschaften - eben womit wir rechnen können, wenn die westliche Popkultur einen Abstecher nach Japan unternimmt. Es ist ein bisschen wie damals, als James Bond in MAN LEBT NUR ZWEIMAL Fernost besuchte, inklusive der Lichter des nächtlichen Tokio und der vermeintlichen Idylle auf dem Land.

Wolverine bekommt am exotischen Schauplatz jedenfalls gewaltige Probleme, die irgendwie auch immer mit Frauen zu tun haben. Jean Grey besucht ihn immer noch im Schlaf, die Mutantin Viper (Svetlana Khodchenkova) will ihm die Kräfte rauben, während Yukio sich selbst zu Wolverines Bodyguard ernennt. Zurecht, denn der gar nicht strahlende Held ist irgendwann tatsächlich ziemlich angeschlagen. Schließlich ist da Mariko, die sich nicht in das Klischee des wehrlosen Opfers fügen will. Es ist ein bunter weiblicher Reigen, der den Helden töten, retten oder ihm einfach an die Wäsche will. Falls Akademiker Geschlechterverhältnisse im modernen Kino untersuchen wollen, so finden sie hier reichlich Stoff dazu.

Frauen hin, Frauen her: Im Mittelpunkt steht Wolverine, der Mann, der mit dem Animalischen in sich ringt und immer wieder neu lernen muss, mit seinen Fähigkeiten umzugehen und zu leben. Jackman, der den Film auch mitproduziert hat, und sein Regisseur Mangold inszenieren den Mutanten dabei fast wie einen zerrissenen Westernhelden. Kein Wunder, denn als Referenzpunkt nannte Mangold unter anderem Clint Eastwoods DER TEXANER. Auf den sich derzeit in Mode befindenden bierernsten Heldenpathos wird bei diesem Japan-Trip dankenswerter Weise verzichtet. Mangolds Werk reicht es, als bodenständiger Actionfilm einfach gut zu unterhalten und ist mit 126 Minuten dafür auch keinen Augenblick zu lang geraten. Nach Bryan Singers X-MEN und X-MEN 2 ist WOLVERINE: WEG DES KRIEGERS der bislang gelungenste Film aus diesem Teil des Superhelden-Universum.











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