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X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (USA/Kanada/Australien 2009)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. X-MEN ORIGINS: WOLVERINE
Laufzeit in Minuten. 107

Regie. GAVIN HOOD
Drehbuch. DAVID BENIOFF . SKIP WOODS
Musik. HARRY GREGSON-WILLIAMS
Kamera. DONALD MCALPINE
Schnitt. NICOLAS DE TOTH . MEGAN GILL
Darsteller. HUGH JACKMAN . LIEV SCHREIBER . DANNY HUSTON . RYAN REYNOLDS u.a.

Review Datum. 2009-04-27
Kinostart Deutschland. 2009-04-29

"Your country needs you!" - "I'm Canadian."

Was gab es nicht wieder für ein Geplänkel um den Film, da war er gerade mal frisch im Kasten. Eine Kopie des Workprints schaffte es in die Tauschbörsen des Internets, ein Fox-eigener-Mitarbeiter besprach den Film, woraufhin ihn das Studio raus warf, da seine Besprechung wohl auf ebenjener Raubkopie basierte. Und zu guter letzt geißelte man uns Journalisten auch noch mit einer Sperrfrist - an und für sich nichts Ungewöhnliches für solche Blockbuster -, nur verbat sie uns auch noch jede Form der privaten Meinungsäußerung (soll heißen: weder durfte man über den Film twittern, noch seine eigene Meinung (!) an Dritte weitergeben. Vorschnell urteilten viele, dass dies weniger mit der weiteren Verbreitung der illegalen Kopie, als vielmehr mit der Angst vor schlechten Kritiken zu tun hätte (was der Verleih natürlich abstritt). Und in der Tat, angesichts des Ergebnisses einmal mehr nur heiße Luft. X-MEN ORIGINS: WOLVERINE ist lange nicht die ersehnte Wiedergutmachung des mit dem dritten Teil doch angeschlagenen Franchise, sondern lediglich eine weitere, x-beliebige austauschbare Comicadaption. Das erste Spin-Off ist leider eine überladene, von Aktion zu Aktion springende Angelegenheit ohne Herzblut.

So gar nicht in den Rest des Filmes einreihen, will sich der Vorspann samt der Creditsequenz. Egal ob Bürgerkrieg, Erster und Zweiter Weltkrieg oder Vietnam - Logan (Hugh Jackman) und Victor (Liev Schreiber) stehen stets Seite an Seite und kämpfen gemeinsam gegen den Feind, optisch erstaunlich ansprechend und in kürzester Zeit hat man die vermeintliche Beziehung zwischen den beiden plausibel abgehandelt. Doch ist der Vorspann erst einmal vorbei, geht das, was man in der englisch-amerikanischen Umgangssprache 'clusterfuck' nennt, los, nämlich ein wildes Durcheinander von Handlungssequenzen, die auch nach fast zwei Stunden leider kein kohärentes Ganzes ergeben. So wird das Team zu Beginn mit all den Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder vorgestellt, nur dass es wenige Minuten später zu Teilen komplett untergeht und nicht mal mehr erwähnt wird (allen voran Ryan Reynolds als Deadpool, der nach seiner kurzen Einführung zu Beginn komplett verschwindet und erst im Finale wieder aus dem Hut gezaubert wird). Doch damit nicht genug, denn anstelle einer mystischen Einführung rund um den Charakter Wolverine, wird mehr Wert auf Action gelegt, die stets den Regeln eines Sequel folgt und dementsprechend immer versucht höher, schneller und weiter zu wirken - was irgendwann nur noch anbiedert.

Und so tappt dann auch X-MEN ORIGINS: WOLVERINE schließlich in die typische Comicverfilmungsfalle, denn man kann buchstäblich eine Station nach der anderen abhaken. Das love interest darf da natürlich nicht fehlen, eines, dem viel zu viel Zeit eingeräumt wird und das mit entsprechendem Pathos ausstaffiert wird. Ebenso verhält es sich mit einem unnötigen Exkurs, der als comic relief beginnt und als pathetische Moraldidaxe endet, die nicht von ungefähr an SPIDER-MAN erinnert. Blöd nur, dass die Tiefe, die Letzteren auszeichnete - allen voran die der Charaktere - hier nahezu komplett fehlt. Dass Victor alias Sabretooth schon immer mehr triebgesteuert war als sein Bruder, ist nicht Neues, aber seine Motive bleiben dennoch relativ im Dunkel - wie auch jene der weiteren Protagonisten. Tödlich vor allem für jene, die von den Comics nicht allzu viel Ahnung haben (was eine gute Comicverfilmung jedoch ausmerzen sollte). Natürlich gibt es auch den einen oder andern Querverweis auf die Vor- beziehungsweise Nachfolgerfilme (z.B. Cyclops), und am Ende gibt es dann auch noch einen Auftritt von Professor Xavier (Patrick Stewart), aber kaum einer der Mit- und Gegenspieler Wolverines kommt über die Darstellung seiner Fähigkeiten hinaus. Zu alledem wird dann auch noch getrickst, dass man es deutlich sieht, woher diese Tricks stammen, was absolut nicht mehr zeitgemäß ist.

Es ist vor allem auch Harry Gregson-Williams' Score zu verdanken, dass X-MEN ORIGINS: WOLVERINE nicht auf ganzer Strecke versagt, denn seine Musik ist dann doch viel zu atmosphärisch und schön, als dass sie die aneinander gereihten (Action-)Szenen nur noch weiter zerstört. Und wenn man sich gleiches dann auch noch von dem ebenfalls heiß diskutierten Abspann (genauer gesagt der Szene nach den Credits) erhofft, der ja mit einigen Cameos aufwarten soll und auch noch Opfer von Last-Minute-Änderungen wurde, dann wird man leider nur ein weiteres Mal enttäuscht; denn sowohl die Szene während des Abspanns als auch jene nach dem Abspann ist wenig spektakulär. Vielmehr schlägt die eine die (un)nötige Brücke zu den anderen Filmen, wohingegen die andere eher als Gag daherkommt, wie er in solchen Szenen nicht gerade untypisch ist. Wer überzogene Comication schätzt, der wird auch mit X-MEN ORIGINS: WOLVERINE etwas anfangen können. Wer aber Fan der Comics ist und sich eine würdige Adaption à la X-MEN 2 wünschte, der wird enttäuscht sein. Vielleicht hätte man spätestens hier einfach wieder auf Bryan Singer warten sollen, statt Regie-'Neuling' Gavin Hood zu verpflichten. Ein Film, der im Vorfeld viel Aufsehen erregt, nur um dann wie eine Seifenblase zu platzen.











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