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V/H/S: VIRAL (USA 2014)

von André Becker

Original Titel. V/H/S: VIRAL
Laufzeit in Minuten. 81

Regie. MARCEL SARMIENTO . GREGG BISHOP . NACHO VIGALONDO . JUSTIN BENSON
Drehbuch. MARCEL SARMIENTO . GREGG BISHOP . AARON MOORHEAD
Musik. JOSEPH BISHARA . KRISTOPHER CARTER
Kamera. HARRIS CHARALAMBOUS . GEORGE FEUCHT . JON D. DOMÍNGUEZ
Schnitt. PHILLIP BLACKFORD . GREGG BISHOP . VÍCTOR BERLIN
Darsteller. JUSTIN WELBORN . EMILIA ARES ZORYAN . SHANE BRADY . NICK BLANCO u.a.

Review Datum. 2015-03-07
Kinostart Deutschland. 2015-02-05

Found-Footage-Filme erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Das gilt vor allem für das Horror-Genre. In schöner Regelmäßigkeit werfen mehr oder minder talentierte Filmemacher dem Publikum die nächste Wackelkameraorgie vor die Füße. Das die überwiegende Mehrheit der Produktionen nicht viel taugt verkommt dabei fast zur Nebensache. Die jeweiligen Filme kosten meist weniger als das Catering bei einer Großproduktion und sind für die produzierenden Studios oftmals äußerst lukrative Angelegenheiten.

Dies erklärt dann auch warum lahme und gänzlich überflüssige Horror-Stories wie KATAKOMBEN oder DEVIL'S DUE - TEUFELSBURT einen regulären Kinostart bekommen. Solange nicht mit teuren Marketingmaßnahmen oder der Verpflichtung großer Stars Millionen verbraten werden, besteht kaum die Gefahr das allzu verheerende Verluste eingefahren werden. Eine hervorragende Ausgangssituation also die Kinosäle bzw. später die Kaufhäuser mit drittklassigen Schauermärchen zu beliefern.

Eine erfreuliche Ausnahme in dem Wust verzichtbarer Genre-Beiträge waren V/H/S - EINE MÖRDERISCHE SAMMLUNG und der direkte Nachfolger S-VHS. Das Konzept, die spezifische Ästhetik der Filme im Rahmen eines Episodenfilms zu verwenden und jedes Segment mit jeweils neuen Prämissen für die typische Footage-Optik zu versehen ging auf und schindete mächtig Eindruck. Obwohl sich zweifelsohne einige mittelprächtige und vereinzelte misslungene Episoden in die Zusammenstellung geschlichen hatten, blieb der Gesamteindruck bei beiden Filmen positiv. Das lag sicherlich ebenfalls daran, dass die einzelnen Geschichten von unterschiedlichen Regisseuren inszeniert wurden. Das alte Sprichwort, wonach viele Köche den Brei verderben, traf ausnahmsweise mal nicht zu. Insbesondere die Episoden von David Bruckner (THE SIGNAL), Eduardo Sánchez (BLAIR WITCH PROJECT) sowie die Tour de Force von Gareth Evans (THE RAID 1 & 2) und Timo Tjahjanto (KILLLERS) waren klare Highlights, die im Found-Footage-Genre definitiv Spuren hinterlassen haben.

Der dritte Teil V/H/S: VIRAL hat es daher schon einmal von vornherein nicht unbedingt leicht gegen die starken Vorgänger zu bestehen. Und tatsächlich ist bereits die Liste der verpflichteten Regisseure nur bedingt spannend. Marcel Sarmiento, Gregg Bishop, Nacho Vigalondo, sowie Justin Benson und Aaron Moorhead sind zwar allesamt keine Unbekannten im Horror-Genre, das Interesse bei diesen Namen hält sich aber dennoch stark in Grenzen, was vor allem daran liegt, dass sich in der Filmografie der Regisseure kaum nennenswerte Arbeiten finden lassen. Zudem fällt die Rahmenhandlung der Stories noch wesentlich diffuser als bei den ersten beiden Teilen aus.

Inszeniert wurde diese von Marcel Sarmiento, der mit dem makabren Zombiefilm DEADGIRL einen Achtungserfolg feierte und seitdem z.B. noch bei THE ABCS OF DEATH mitwirkte. Seine Episode enttäuscht allerdings allein schon deshalb, weil kaum nachvollziehbar ist, was überhaupt passiert. Eine Gruppe sensationsgeiler Teens filmt im Bestreben zu Internetstars zu werden (Achtung: Gesellschaftskritik) mittels Smartphone eine halsbrecherische Autoverfolgungsjagd zwischen der Polizei und einem mysteriösen Eiswagen. Schnell stellt sich heraus, dass mehr dahinter steckt als eine normale Verfolgungsjagd und der Wagen eine tödliche Fracht transportiert.

Sarmientos Episode VICIOUS CIRCLES ist weder besonders originell, noch außerordentlich spannend und schon gar nicht auf irgendeine Weise mitreißend. Vielmehr fragt man sich als Zuschauer permanent was das Gezeigte zu bedeuten hat und wieso das Segment als erzählerischer Rahmen der Anthologie fungiert. Zwar folgt am Ende eine Auflösung (die sogar einen Bogen zu den Vorgängern schlägt), dennoch überwiegt Ratlosigkeit angesichts der wirr aneinandergereihten und mit exzessiven Schnitten versehenen Sequenzen. Die mit Abstand schlechteste Episode des Films.

Die erste richtige Story nennt sich DANTE THE GREAT und dreht sich um einen jungen Mann, der in den Besitz eines magischen Zaubermantels kommt und dadurch zum gefeierten Künstler aufsteigt. Das Ganze hat jedoch einen entscheidenden Haken. Der Mantel braucht Menschenopfer um seine gesamte Kraft zu entfalten. Als eine Polizeieinheit den Magier stellt kommt es zu einem Blutbad. Die von Gregg Bishop (DANCE OF THE DEAD aus dem Jahr 2008) inszenierte Geschichte ist zwar reichlich gaga, aber immerhin stimmt das Tempo und dank mehrerer solider Effekte wird man kurzweilig unterhalten.

Der nächste Part stammt von Nacho Vigalondo (OPEN WINDOWS) und handelt von einem Wissenschaftler, der ein Tor in eine Parallelwelt öffnet und für kurze Zeit die Rolle seines anderen Ichs einnimmt. PARALLEL MONSTERS überzeugt durch einen effektiven Spannungsaufbau und ein paar ausgesprochen fiese Schocks. Kein wirklich großer Wurf, aber unterm Strich noch ausreichend scary und garniert mit ein paar ziemlich schrägen Ideen. Die dritte und letzte Episode namens BONESTORM ist dagegen absolut unnötig und hat außer einer Vielzahl rabiater (mäßig getrickster) und unmotivierter Splatter-Einlagen nur wenig zu bieten. Im Zentrum stehen eine Handvoll unsympathischer Skater, die in Mexiko einen drauf machen wollen und durch Zufall ins Visier eines Totenkults geraten. Die Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead tun der Anthologie mit diesem Abschnitt wahrlich keinen Gefallen. Die gesamte Machart wirkt amateurhaft, was vor allem an den lächerlichen Masken und den untalentierten Schauspielern liegt. Von Spannung oder innovativen Ansätzen fehlt eh jede Spur. Ein Tiefpunkt in der gesamten Reihe und in allen Belangen unzumutbar.

V/H/S: VIRAL ist somit im direkten Vergleich mit den ersten beiden Teilen ein deutlicher Rückschritt. Zwar wird man mit zwei ganz brauchbaren Episoden halbwegs bei der Stange gehalten, als Ausgleich für die katastrophale Rahmengeschichte und die fürchterliche letzte Story ist das aber zu wenig. Der (vorerst?) letzte Teil der Reihe ist insofern eine ausgemachte Enttäuschung und dürfte selbst bei den Fürsprechern der Anthologie wenig Anklang finden. Ob das ursprünglich geplante Segment GORGEOUS VORTEX, das in der Kinoversion fehlt, den Film aufgewertet hätte, ist fraglich, angesichts des Regisseurs Todd Lincoln (APPARITION - DUNKLE ERSCHEINUNG) aber höchst unwahrscheinlich.

Im Rahmen der Cinema Obscure-Reihe wird der Film deutschlandweit in ausgewählten Kinos auf der großen Leinwand zu sehen sein.











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