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MAD DETECTIVE (Hong Kong 2007)

von Heiko Hanel

Original Titel. SUN TAAM
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. JOHNNY TO . KA-FAI WAI
Drehbuch. KA-FAI WAI . KIN YEE AU
Musik. XAVIER JAMAUX
Kamera. SIU-KEUNG CHENG
Schnitt. TINA BAZ
Darsteller. CHING-WAN LAU . ANDY ON . GORDON LAM . KELLY LIN u.a.

Review Datum. 2007-11-17
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Während man die Filme von Johnny To früher in Auftragsarbeiten und Wunschfilme, quasi Autorenkino aus Hongkong einteilen konnte, scheint er sich in den letzten zwei Jahren mit ELECTION 1 + 2 und EXILED auf das Autorenkino zu beschränken. Gut für den Zuschauer, wird dieser nicht durch eher überflüssige Arbeiten wie LOVE ON A DIET und BREAKING NEWS von der Suche nach Meisterwerken abgelenkt. Dass der Produktionsausstoß darunter etwas leidet, macht nichts. Gibt es halt nur zwei statt vier Filme pro Jahr.

Auch MAD DETECTIVE ist ein Wunschkind. Während von den anderen aktiven Alten des Hongkongfilms Tsui Hark auf visuelle Effekte, Ringo Lam auf körperliche Artistik und Andy Lau auf psychologische Komplexität setzen, konzentriert sich To auf die intelligente Variation des Gangster- und Copfilms. Und tatsächlich trotzt er dem scheinbar erschöpflichen Genre immer etwas Neues ab. MAD DETECTIVE ist eine Variation des Untergenres Thriller mit multiplen Persönlichkeiten. Den titelgebenden Polizisten spielt Ching Wan Lau (BEYOND HYPOTHERMIA, WHERE A GOOD MAN GOES). Dieser klärt Fälle durch unkonventionelle Ermittlungsverfahren, indem er sich sowohl in die Täter- als auch die Opferrolle versetzt. In einer aberwitzigen Eröffnungssequenz lässt er sich in einem geschlossenen Koffer eine Treppe hinunterwerfen, um dann nach Öffnen des Koffers festzustellen, dass der Bäcker der Täter war. Leider schneidet er sich dann zur Abschiedsfeier seines Chefs ein Ohr ab, was ihn seinen Job kostet. Natürlich braucht man ihn dann doch, nachdem ein Polizist mit seiner eigenen Waffe erschossen wurde. Ein junger Kollege kommt mit seinen Ermittlungen nicht weiter und fügt sich den Methoden, des aus dem Vorruhestand zurückgenötigten Verrückten. Dieser sieht neben seiner nicht mehr anwesenden Frau auch verschiedene wahre Ichs der anwesenden Personen in Form echter Menschen. Einer der Hauptverdächtigen hat gleich acht unterschiedliche Persönlichkeiten, darunter Dicke, Dünne, Weibliche und Männliche. Räume werden mitunter ziemlich voll, wenn Schizophrene anwesend sind. So erzählt To von durchgedrehten Ermittlungsmethoden, ohne die Kernhandlung, eine Geschichte über den Verlust von Unschuld und Moral, aus den Augen zu verlieren. Aber eigentlich gab es für Johnny To nur einen Grund, diesen Film zu drehen. Im furiosen Showdown steht der Mad Detective mehreren Tätern mit multiplen Persönlichkeiten gegenüber. Und das in einem Spiegelkabinett. Auf wen soll man da schießen? Das absurde Spektakel habe ihn mehr Drehzeit als jeder andere Film gekostet.

Während Johnny To trotz persönlicher Anwesenheit und ihm gewidmeter Retrospektive die Filmvorstellungen in Rotterdam mied, war er auf dem internationalen Filmfestival in Tokio tatsächlich anwesend und berichtete, dass er normalerweise nach Fertigstellung seiner mittlerweile über 40 Filme gut von diesen Abschied nehmen könne, um sich neuen Projekten zu widmen. MAD DETECTIVE sei eine Ausnahme, weil er immer noch über mögliche, alternative Einstellungen des Showdowns nachdenke.

Auch wenn ein alter Profi wie Johnny To das darbende Hongkongkino nicht rettet, macht er einem mit seinen virtuosen Fingerübungen doch immer noch eine überraschende Freude. Das kann John Woo nicht mehr von sich behaupten. Wer war das auch noch?











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