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LA HORDE (Frankreich 2009)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. LA HORDE
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. YANNICK DAHAN . BENJAMIN ROCHER
Drehbuch. ARNAUD BORDAS . YANNICK DAHAN
Musik. CHRISTOPHER LENNERTZ
Kamera. JULIEN MEURICE
Schnitt. DIMITRI AMAR
Darsteller. CLAUDE PERRON . JEAN-PIERRE MARTINS . ERIQ EBOUANEY . AURÉLIEN RECOING u.a.

Review Datum. 2010-03-25
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Denkt man an den jüngeren Horror- und Genrefilm, so spielt hier Frankreich sicherlich eine bedeutende Rolle. In den letzten Jahren waren es schließlich die Franzosen, die vor allem auf Festivals wie dem Fantasy Filmfest oder den Fantasy Filmfest Nights mit ihren Produktionen überzeugen konnten. MARTYRS, HIGH TENSION und INSIDE sind hierbei nur einige der bekanntesten Beispiele für diese Welle von Horrorfilmen, in denen die Franzosen auch immer wieder soziale und gesellschaftliche Aspekte zu reflektieren scheinen. Eine nicht gerade unbedeutende Rolle kommt aber auch der Zensur zu, denn dass einige dieser Filme auf solch eine große Resonanz treffen, liegt vor allem auch in ihrer immer drastischeren Gewaltdarstellung, die Jugendschützer natürlich ebenfalls auf den Plan ruft. Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass auch DIE HORDE in Deutschland nicht ungekürzt veröffentlich werden wird. Auch wenn die Entscheidungen der FSK beziehungsweise der SPIO meist mehr an Glücksspiel als an rationale Entscheidungen erinnern, so mag diese im Falle von DIE HORDE nicht weiter verwundern. Ein großer Teil der Schauwerte, die der Film besitzt, besteht nämlich aus den deftigen Gewaltspitzen, die für das Genre zwar normal erscheinen, hier aber doch das eine oder andere mal auf ein Maximum summiert werden.

Dies mag zum einen sicherlich daran liegen, dass sich ebenjene Gewalt vorerst nicht gegen die Untoten richtet, sondern gegen die Lebenden, die sich den Untoten jedoch schneller anschließen sollen, als es den rachsüchtigen Cops und den Gangstern, die plötzlich zusammenarbeiten müssen, lieb sein kann. Was in DIE HORDE als eine Art klassischer Rachethriller beginnt, entwickelt sich nämlich schon bald zu einer Zombiemetzelei, die man in dieser Ausprägung schon länger nicht mehr gesehen hat. Hierbei besonders interessant ist das Setting, das uns in ein verlassenes Hochhaus führt, das als Versteck von einer Gruppe von Gangstern dient, auf die es einige Cops abgesehen haben. Schon nach wenigen Minuten wird hierbei deutlich, dass es im Film keine Identifikationsfigur geben soll. Die Cops, von nichts als zerfressender Rachsucht getrieben, scheuen vor nichts zurück. Auch wenn ihre Gegenspieler anfangs noch kaltblütiger daherkommen, so dauert es nur bis zum nächsten Opfer und die Grenzen zwischen Ordnungshüter und Killer verwischen sukzessive. Das Regieduo Dahan und Rocher geht hier äußerst geschickt vor, versucht uns zu allererst jegliche Sympathien für die Figuren zu rauben, nur um dann doch zu ihnen zurückzukehren, steht der wirkliche Feind buchstäblich vor der Tür. Fast schon interessanter als das eigentliche Geschehen, das man so schon dutzende Male gesehen hat, sind vielmehr die Hintergründe der Figuren. Die Gangster bestehen allesamt aus Migranten, die Cops bestehen lediglich aus einer Frau (Claude Perron), die zudem zum Sündenbock gemacht wird. Es ist die Frau, die hier stets misstrauisch ist, die Allianz mit dem Feind auch unter den gegebenen Umständen nicht eingehen will. Bis zuletzt bleibt sie misstrauisch, was sogar so weit geht, dass auch bei ihren einstigen Kollegen keinerlei Erbarmen kennt. Es wirkt fast so, als wolle sie sich für all die verbale Verachtung, die ihr entgegengebracht wurde, rächen.

Das mag zwar etwas misogyn klingen, schlägt aber spätestens am Ende in die komplett andere Richtung um. Einmal mehr wird ein französischer Genrefilm von einer starken Frau getragen, einmal mehr ist sie es, die den Männern die Show stiehlt und die männliche Konkurrenz in nicht gerade wenigen Szenen auf die hinteren Plätze verweist. Nun ist die Heroine im Horrorfilm zwar nichts allzu Neues, aber interessant ist das doch irgendwie, zumal dies primär in französischen Produktionen wahrzunehmen ist. Und auch ein weiteres in diesen Produktionen beliebt zu scheinendes Motiv wird in DIE HORDE aufgegriffen, nämlich die gesellschaftskritische Komponente. Immer wieder werfen sich die Protagonisten rassistisch konnotierte Termini Kopf, die beiden Gangsterführer stammen offensichtlich aus Nordafrika (eine rechte Hand der beiden wird lediglich "Le Tchèque" genannt) und mit der Figur des alten Hausbewohners wird ein Veteran eingeführt, der außer dem stumpfen Töten nichts gelernt zu haben scheint. Letzterem ist zum einen natürlich die Funktion als comic relief zuzuschreiben, andererseits verkörpert er die rohe Gewalt, an der man(n) bisweilen Gefallen finden kann. Er scheint nicht mehr in der Lage zu sein, zwischen Krieg und der Realität (die wiederum auch nur einen weitren Krieg darstellt, schließlich ist die Zombieapokalypse gerade am ausbrechen) unterscheiden zu können, geht also völlig in seiner Arbeit, dem Schlachten, auf. Er ist der traumatisierte Soldat, zu dem auch die anderen werden sollen, überleben sie diesen schrecklichen Tag. Es ist ein Szenario aus Humor, Gewalt und Wahnsinn, dessen man hier Zeuge wird. Irgendwie scheint das alles ob der Umstände jedoch verständlich. Und auch wieder nicht.

So redundant DIE HORDE hier bisweilen auch sein mag - wer kreative kills sucht, der ist hier fehl am Platz -, so spannend spielt er doch vor allem mit seinem Raum. Das enge Hochhaus als Spielort und die unsichtbare Bedrohung erinnert dabei bisweilen an Klassiker wie John Carpenters DAS ENDE. Der Feind könnte überall lauern, hinter jeder Türe und auf jedem Stockwerk könnte der Tod lauern. Man kann sich den Weg also nur freischießen beziehungsweise metzeln, und auch das geht nur so lange Kampfgeist und Munition ausreichen. Bald ist die Nacht vorbei, die ganze Stadt liegt bereits in Trümmern. Die Morgenröte ist bereits angebrochen, es ist die Morgenröte Auroras - mit ihr prägt ein weiteres Schlussbild den französischen Horror.











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