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INTO A DREAM (Japan 2005)

von Björn Eichstädt

Original Titel. YUME NO NAKA E
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. SION SONO
Drehbuch. SION SONO
Musik. TOMOHIDE HARADA
Kamera. HIROO YANAGIDA
Schnitt. JUNICHI ITO
Darsteller. TETSUSHI TANAKA . YUNA NATSUNO . JUN MURAKAMI . JO ODAGIRI u.a.

Review Datum. 2007-06-13
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Realität und Traum, das sind die Verhandlungsmassen im gegenwärtigen Kino. Wohin man auch blickt, das Verdrängte, das im Kopf Partitionierte, spielt derzeit eine gewaltige Rolle, so als sei der alte Freud der Gruft entsprungen und aktueller denn je, als wäre das Unbewusste im neokapitalistischen Zeitalter die ausschließlich zersetzende Schicht unter den blinkenden Warenauslagen.

Ob David Lynch in INLAND EMPIRE, Shinya Tsukamoto in NIGHTMARE DETECTIVE oder auch PERFECT BLUE-Regisseur Satoshi Kon in seinem neuesten Film PAPRIKA: Die Frage nach dem Seite-an-Seite von Außen und Innen dröhnt unüberhörbar auf den Filmfestivals der Welt. Sion Sono, bekannt vor allem als Macher von SUICIDE CIRCLE hat sie bereits 2005 in seinem DV-Film INTO A DREAM gestellt. Und nicht nur die Produktionstechnik erinnert frappierend an David Lynchs aktuelles Werk.

Der Schauspieler Mutsugoro Suzuki steht am Wendepunkt. Zu lange schon entflieht er in stets identischen Soap Operas dem Realen, kompensiert er mit immer neuen sexuellen Eskapaden die ausstehende Auseinandersetzung mit seiner Freundin und schichtet das Chaos Stück für Stück links und rechts des vermeintlich einfachsten Weges. Nachdenken schafft erst eine Geschlechtskrankheit, die das Verdrängungsgebäude wanken lässt und die aufgeschobene, aber dringend notwendige Reflexion als schmerzenden Juckreiz in den Vordergrund rückt. Wann wurde er der, der er nicht ist? Welche Wege wären noch möglich gewesen, in einer von Stimulanz überströmten Welt, in der die fehlende Kraft zur eigenen Entscheidung in einem immer gleichen "ja" zum kleinsten gemeinsamen Reizmuster mündet, in der das Ich zum Franchise wird, in der die Fassade nur im Suff zu bersten scheint?

Auf vielen Ebenen, die Traum und Wirklichkeit nebeneinander stellen, verhandelt Sion Sono wieder einmal das Verdrängte in der Überflussgesellschaft, das zuviel an allem, durch das das System zusammen bricht. Möglichkeiten über Möglichkeiten, die Karriere zum Terroristen ebenso wie die zum konservativen Familienmenschen oder zum Star. Wer sich treiben lässt, Entscheidungen nicht als temporär final akzeptiert, wer sich der eigenen Rolle nicht bewusst wird und sie als gewählte Option begreift, der kann am Hadern zerbrechen. Ein langgezogener Schrei in der Nacht, eine Flucht aus dem Wahnsinn, die Hauptdarsteller Tetsushi Tanaka in die Nähe von Laura Dern rückt, in einer schauspielerischen Leistung, die dem Chaos einen ekstatischen Rahmen bietet. INTO A DREAM ist ein weiterer Beweis für Sion Sonos Ausnahmetalent, das auch seine Schauspieler an die Grenzen treibt.











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