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I AM OMEGA (USA 2007)

von Hasko Baumann

Original Titel. I AM OMEGA
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. GRIFF FURST
Drehbuch. GEOFF MEED
Musik. DAVID RAIKLEN
Kamera. ALEXANDER YELLEN
Schnitt. DANNY MALDONADO
Darsteller. MARK DACASCOS . GEOF MEED . JENNIFER LEE WIGGINS . MATTHEW BOLTON u.a.

Review Datum. 2008-04-08
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Gut nachgemacht ist besser als schlecht erfunden. Die streitbare Gültigkeit dieser Maxime außer Acht lassen, sollte man sie für die wunderbare Welt des B- und C-Films überhaupt erst einmal umdichten: Billig nachgemacht ist besser als teuer erfunden. Besser ist es dabei vor allem für die Produzenten der schamlosen Kopien großer Erfolgsfilme, denn mit kleinem Produktionsvolumen und irreführenden, weil dem Vorbild ähnlichen Titeln nähert man sich dem naiven Videothekenzuschauer und läßt ihn sich "vergreifen". Die neue Nummer 1 dieser in den letzten Jahren leider etwas vernachlässigsten hohen Kunst des Ideenklaus heißt Asylum. Diese Produktionsfirma bedient mit Kleinstbudgets den DVD-Markt und erfreut durch Dreistigkeit: Statt TRANSFORMERS gibt's die TRANSMORPHERS, statt ALIEN VS PREDATOR halt ALIEN VS HUNTER und statt WAR OF THE WORLDS... äh, WAR OF THE WORLDS. Das erinnert in den mittelschweren Fällen an Roger Corman, in den schlimmeren an Troma, und im besten Fall wähnt man sich wieder im Italien der 80er; also dem Mekka der Rip-Off Meisterschaft.

Letzteres ist glücklicherweise der Fall bei I AM OMEGA, der ruckzuck zum Start des Will Smith-Blockbusters I AM LEGEND auf die Piste geschickt wurde. Mark Dacascos, einst vielversprechendster Knüppel aus dem Sack im internationalen Haudraufgeschäft, wurde als mehr oder minder zugkräftiger Name für die Hauptrolle gewonnen. Dacascos hat sich letzthin als wild überagierender "Chairman" der amerikanischen Kochshow IRON CHEF ein bißchen zum Horst gemacht und kaspert auch hier als vermeintlich letzter Mensch auf Erden ganz in der trying too hard to be serious-Tradition des jungen Bruce Campbell. Als Anker für ein äußerst dünnes Handlungskonstrukt macht er sich dennoch recht ordentlich.

Das "kreative Team" hinter I AM OMEGA setzt beim Zuschauer keck die Kenntnis des Will Smith-Films, der Romanvorlage oder eben der alten Verfilmung mit Charlton Heston voraus. Zu keiner Sekunde wird erklärt, warum Dacascos offenbar allein auf unserem Planeten wandelt. Das kleine Budget verbietet die urbane Festung seines großen Vorbilds - der Held von I AM OMEGA verschanzt sich in einem kleinen Haus im Nirgendwo. Dort wird er wieder und wieder, egal ob Tag oder Nacht, von verseuchten Ex-Menschen angegriffen. Längst abgegessen von diesem tristen Dasein, befördert er die fiesen Monster recht beiläufig ins Jenseits. Dabei wird hier und da ganz zünftig Herz und Hirn im Sand verteilt. Was I AM OMEGA aber tatsächlich in Teilen interessanter macht als der letztlich recht stromlinienförmige Will Smith-Knaller, ist die fast vollends gestörte Persönlichkeit der Dacascos-Figur. Verbittert vom Verlust seiner Frau und dank der Einsamkeit am Rand des Irrsinns, hat er nur noch das Töten, am Besten im ganz großen Stil, im Sinn. Die Halluzinationen, die ihn quälen, verleihen dem Film zu durchaus eindringlichen Szenen. Insbesondere die Konsequenz der Figurenzeichnung erstaunt: Weder reagiert er auf den Hilferuf einer Frau, noch will er sich auf ein Gespräch mit plötzlich auftauchenden Besuchern seiner Farm einlassen. Dacascos will gar keinen Kontakt mehr mit anderen Menschen haben.

So vermittelt sich der Eindruck, daß Regisseur Griff Furst ungeachtet der streng monetären Motivation seiner Produzenten den Willen hatte, einen guten Film abzuliefern. Zwar ist I AM OMEGA in Teilen so mies geschnitten wie ein Amateurvideo - man meint manchmal noch die Regieanweisung zu hören, wenn sich Dacascos in die Rolle begibt - und unfaßbar miserable, bei Tag gedrehte Nachtaufnahmen erinnern an Italograupen wie PROVINZ OHNE GESETZ. Daß man die Lichtstimmung so sehr versemmelt, bis man im Nachhinein ein fahrendes Auto mit einem Kreisausschnitt aufhellen muß, habe ich noch nie gesehen. Die Action stimmt aber größtenteils, und wenn Dacascos sich in die Stadt aufmacht, kommt selbst in den budgetbedingt sehr eng gefaßten Bildern ein Gefühl der Bedrohung und Einsamkeit auf. Nicht jeder Trash muß Müll sein, und ich nehme den guten Willen für die Tat.











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