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COWBOYS & ALIENS (USA 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. COWBOYS & ALIENS
Laufzeit in Minuten. 123

Regie. JON FAVREAU
Drehbuch. ROBERTO ORCI . ALEX KURTZMAN . DAMON LINDELOF . MARK FERGUS
Musik. HARRY GREGSON-WILLIAMS
Kamera. MATTHEW LIBATIQUE
Schnitt. DAN LEBENTAL . JIM MAY
Darsteller. DANIEL CRAIG . HARRISON FORD . OLIVIA WILDE . SAM ROCKWELL u.a.

Review Datum. 2011-08-04
Kinostart Deutschland. 2011-08-25

Daniel Craig und Harrison Ford in einer von Steven Spielberg produzierten und von IRON MAN-Regisseur Jon Favreau gedrehten Verfilmung einer Graphic Novel, in der es um nichts anderes geht als Cowboys, die gegen Aliens kämpfen - mal ganz ehrlich: Wer hat da nicht jizz in the pants? Angesichts der daraus folgenden Erwartungshaltung ist es aber leider eher unwahrscheinlich, dass man nicht mit einer gewissen Enttäuschung aus dem Kino geht - und genauso kommt es dann auch. COWBOYS & ALIENS ist ein guter Film, aber kein überragender; ein charmanter Unterhaltungsstreifen, aber gemessen am Werk seines eigenen Regisseurs eher im oberen Mittelfeld als an der Spitze zu verorten.

Dass er dieses Mal den Olymp des Unterhaltungskinos nicht erklimmen kann, hat Favreau hauptsächlich seinen fünf (sic!) Drehbuchautoren zu verdanken, unter denen zwei Namen besonders deutlich hervorstechen: Roberto Orci und Alex Kurtzman heißen die beiden und obwohl das Duo mit STAR TREK ein gar nicht mal so schlechtes Drehbuch schrieb, kann es sich bis heute nicht für seine Ausfälle TRANSFORMERS und TRANSFORMERS - DIE RACHE rehabilitieren. Auch nicht mit dem vorliegenden Film. Stattdessen wiederholt das Duo (in Zusammenarbeit mit den anderen Autoren) ähnliche Fehler wie bei den beiden TRANSFORMERS-Filmen, allen voran das Ungleichgewicht zwischen den Menschen einerseits und den Außerirdischen andererseits: Während die beiden Spielzeug-Adaptionen der beiden Autoren erschreckend selten ihre Titelhelden in den Mittelpunkt ihres Interesses stellten, dominiert in COWBOYS & ALIENS der Western-Anteil ungünstig gegenüber dem Science-Fiction-Anteil. COWBOYS & SOME ALIENS wäre wohl der ehrlichere Titel gewesen. Das wäre im Grunde nicht weiter tragisch, würde der Western-Anteil nicht größtenteils aus einer Ansammlung von Klischees und Genre-Konventionen bestehen. Gleiches gilt übrigens auch für den Science-Fiction-Anteil, der nicht minder stereotypisch daherkommt. Die Autoren (und auch Favreau) haben hier immenses Glück, dass sich beide Anteile wenigstens noch zu einem ansatzweise harmonischen Ganzen fügen lassen und nicht zu sehr zerfasern.

Und sie haben das Glück, dass sie so verdammt gute Schauspieler an Bord haben: Ähnlich wie Robert Downey Jr. einfach perfekt in die Rolle des Tony Stark passt, scheint die Rolle des Jake Lonergan einem Daniel Craig auf den Leib maßgeschneidert zu sein: Wie er hier den coolen, aber nicht gefühlskalten Cowboy und Outlaw spielt (und dabei manchmal an seinen James Bond erinnert), ist eindrucksvoll und verdammt unterhaltsam. Ihm zur Seite steht ein großartig knurriger und düsterer Harrison Ford, der trotz seines Alters in solchen eher Action-lastigen Rollen immer noch zu überzeugen weiß. Nur Olivia Wilde, neuerdings offenbar gebucht auf die geheimnisvolle Schönheit, bleibt - selbst nach einem ziemlich kruden Twist um ihre Rolle - ein wenig blass und farblos und wird zum reinen Sidekick degradiert. Darin liegt übrigens das nächste Problem dieses Films: Er interessiert sich kein Stück für seine Charaktere. Wir erfahren zwar hier und da was psychologisierendes, aber im Endeffekt bleiben die Charaktere in diesem Film doch eher flach und sind - bis auf die beiden von Craig und Ford gespielten Cowboys - ziemlich austauschbar. Das macht diese Charaktere zwar nicht weniger sympathisch, denn der Cast gibt sich hier erfolgreich Mühe selbst diese flachen Charaktere noch mit Leben zu füllen, aber angesichts der Besetzung hinter der Kamera, darf man als Zuschauer einfach mehr erwarten als ein paar charismatische Pappkameraden.

Auch in Sachen Design hat man sich nicht allzu viele Gedanken gemacht: So sind zwar die Aliens selbst eigenständige Kreationen, dennoch aber kann man mitunter die entsprechenden Vorbilder ausmachen. Weniger Mühe beim Inspirationsraten muss man sich indes bei dem Mutterschiff der Aliens geben, das ziemlich eindeutig Designs von H.R. Giger "aufgreift". Wer also auf eine Ästhetik jenseits der heute so üblichen gehofft, vielleicht sogar ein der Handlung angemessenes Steampunk-Design erwartet hatte, der wird hier eindeutig enttäuscht werden.

Dennoch kann man mit COWBOYS & ALIENS seinen Spaß haben: Der Film ist einigermaßen flott erzählt, abwechslungsreich, mitunter liebevoll inszeniert, stellenweise angenehm komisch ohne sich dabei in peinlichen oder unpassenden comic relief-Momenten zu ergehen, voller handgemachter Action und wunderbar fotografierten Einstellungen und gesegnet mit einem Konzept, das trotz seiner anfänglichen Widersprüchlichkeit ziemlich gut aufgeht. Sicher hätte man angesichts von Cast und Crew durchaus mehr erwarten können, aber all seine Makel machen aus COWBOYS & ALIENS noch lange keinen schlechten Film. So stellt sich am Ende zwar eine Enttäuschung ein, die sich jedoch deutlich in Grenzen hält und die man für die zwei recht unterhaltsamen Stunden durchaus in Kauf nehmen kann. Gibt schlechtere Sommer-Blockbuster.











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