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TRANSFORMERS - DIE RACHE (USA 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN
Laufzeit in Minuten. 147

Regie. MICHAEL BAY
Drehbuch. EHREN KRUGER . ROBERT ORCI . ALEX KURTZMAN
Musik. STEVEN JABLONSKY
Kamera. BEN SERESIN
Schnitt. ROGER BARTON . JOEL NEGRON . PAUL RUBELL . TOM MULDOON
Darsteller. SHIA LABEOUF . MEGAN FOX . JOSH DUHAMEL . JOHN TURTURRO u.a.

Review Datum. 2009-06-22
Kinostart Deutschland. 2009-06-24

Previously on TRANSFORMERS: eine außerirdische Rasse von humanoiden Robotern gerät in den Bürgerkrieg. Währenddessen steht Sam Witwicky auf Mikaela, aber Mikaela nicht auf Sam. Bis er sich einen Camaro holt. Doch wird Sam gemeinsam mit Optimus Prime den bösen Megatron aufhalten können? Ist der letzte Würfel schon gefallen? So oder so ähnlich trug sich die Handlung in Michael Bays Spielzeugverfilmung (man muss sich das erneut auf der Zunge zergehen lassen: Spiel-Zeug-Ver-Filmung!) von vor zwei Jahren zu. Wobei es richtig formuliert heißen müsste: trug sich die "Handlung" (…) zu. Immerhin spielte die Materialschlacht ordentlich Schotter in die Kasse. Wobei die Kosten dank freundlicher Unterstützung des US Militärs sowie der zahlreichen Sponsoren für die Produzenten gering ausgefallen sein dürften. Selbstredend, dass in Hollywood eine Fortsetzung nicht auf sich warten lassen würde. Doch wie will man einen Film wie TRANSFORMERS noch steigern?

Zwei Jahre sind nicht nur produktionstechnisch vergangen. Auch in der Welt von Michael Bay. Optimus Prime und einige seiner Autobots bilden gemeinsam mit Captain Lennox (Josh Duhamel) und Tech Sergeant Epps (Tyrese Gibson) das militärische Sonderkommando NEST. Die verbliebenen Decepticons rund um Starscream müssen aufgespürt und eliminiert werden. Normalisiert hat sich dagegen das Leben von Hauptfigur Sam Witwicky (Shia LaBeouf). Er geht nicht nur demnächst zur Uni, sondern ist immer noch mit der kessen Mikaela (Megan Fox) zusammen. Allerdings hadert das Paar damit, sich auch nach zwei Jahren noch nicht ihre Liebe eingestehen zu können. Sams Kumpel Bumblebee hat mit seinen Gefühlsbekundungen da weitaus weniger Probleme. Aber trotz der Vernichtung des Allsparks ist der Kuchen zwischen den Decepticons und den Autobots noch nicht gegessen. Eine mysteriöse Maschine und eine mysteriöse Matrix sollen einem mysteriösen Überlebenden einer Transformer-Herrenrasse helfen, unser Universum auszulöschen.

Von seiner Aufmachung her steht TRANSFORMERS – DIE RACHE ganz in der Tradition seines Vorgängers. Die Transformers selbst dürfen sich wieder aufführen wie kleine Kinder und furzen gerne mal Flammen, wenn sie nicht Scheibenwischerflüssigkeit heulen oder wie geile Hunde an Megan Fox' Bein kopulieren. Dem infantilen Humor werden im Film keine Grenzen gesetzt, egal ob es eine bekiffte Mrs. Witwicky betrifft oder die Autobots Mudflap und Skids. Zwei schusselige Zwillinge, die sich im Dissen üben. Ob das erneut der Einschlag des familienfreundlichen Steven Spielberg ist, sei dahingestellt. Die Marschroute des Filmes ist jedoch klar. Mit viel pompöser Action und dümmlichem Humor die wahrscheinliche Zielgruppe (Kinder bis zu zwölf Jahren) anzusprechen. Sicherlich speziell die Kids, die keinen wirklichen Bock auf Edward und Co. aus dem drögen TWILIGHT -Universum haben.

Den Hauptteil des Filmes nimmt jedoch, wie zu erwarten war, die Action ein. Und mit Action ist nichts anderes gemeint, als Roboter, die sich gegenseitig auf die Zwölf zimmern. Doch dass Michael Bay den Unterschied zwischen Ideen und Spezialeffekten nicht kennt, deckte bereits SOUTH PARK auf. Im Gegensatz zum Vorgänger wissen allerdings nicht einmal die Spezialeffekte sonderlich zu überzeugen. Die meiste Zeit präsentiert uns der Master of Disaster ein Kuddelmuddel aus Altschrott und Metall, welches sich unübersichtlich durch China, Ägypten oder Waldlandschaften prügelt. Dabei wirken die Animationen der Transformers nur selten wirklich überzeugend. Denn meist ist das gebotene Bild ohnehin dasselbe, sodass Bay nicht einmal mit einer Variation der Kämpfe aufzuwarten weiß. Deren Choreographie ist dabei derart ermüdend und langweilig, wie man es zuvor wohl selten im Kino gesehen hat. Immerhin wissen die Auseinandersetzungen durch ihre wenig nachvollziehbare Struktur zu erstaunen, wenn Optimus Prime es einerseits mit drei Gegnern spielend gleichzeitig aufnimmt, um kurz darauf plötzlich den Arsch (oder Tank?) vollzukriegen.

Und wenn die Transformers sich nicht kloppen – und sie tun dies die überwiegende Zeit des Filmes -, schwadronieren sie in plumpen Dialogen über Cybertron, die Primes, den vertriebenen The Fallen und darüber, dass sich Mensch und Transformer so unähnlich nicht sind. In einer besonders idiotischen Szene darf Gibson dann auch ins Mikro säuseln: "Wenn Gott uns nach seinem Abbild erschaffen hat, wer hat dann [die Transformer] erschaffen?". Ohnehin verursachen die Dialoge von Kruger, Ehri und Kurtzman unentwegt Ohrenbluten. Da wird mit vollen Händen aus dem Potpourri von Actionfilm-Einzeilern wild um sich geschmissen. Von "I'm too old for this shit" bis hin zu dem Klassiker "Not on my watch” ist alles vertreten. Doch die Höhepunkte stellen stets die unromantischen Drucksereien von LaBeouf und Fox dar, deren Figuren auch nach zwei Jahren Beziehung (!) nicht im Stande sind, sich die Liebe zu gestehen. Man will gar nicht drüber nachdenken, wie lange ihr Gespräch über das Kriegen von Kindern dauern dürfte.

Neben all dem kindischen Humor und der nicht enden wollenden Materialschlacht vergnügt sich Bay bei sich bietenden Gelegenheiten dadurch, sich selbst zu zitieren. Besonders seine BAD BOYS-Filme scheinen es dem Kalifornier angetan zu haben. Mehrere Kameraeinstellungen aus den beiden Cop-Filmen finden ihren Weg in TRANSFORMERS – DIE RACHE. Einen aus Bumblebee aussteigenden Shia schenkt der Regisseur seinem Publikum sogar zweimal aus der Untersicht. Aber auch Reminiszenzen zu ARMAGEDDON lassen sich entdecken. Letztlich ist die Fortsetzung des Actionvehikels von 2007 nochmals eine Steigerung zu allem, was schon den Vorgänger ausgezeichnet hat. Kein Inhalt, viel sinnlose Action, blasse Schauspieler und Kindergartenhumor. Außer dass Bay hier mehr davon aufzuwarten versteht. Für Fans des Regisseurs und/oder Vorgängers sicherlich ein Fest, für Zuschauer die einen "Film" erwarten, wohl die falsche Adresse.











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