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CHAPPIE (USA 2015)

von André Becker

Original Titel. CHAPPIE
Laufzeit in Minuten. 120

Regie. NEILL BLOMKAMP
Drehbuch. NEILL BLOMKAMP . TERRI TATCHELL
Musik. HANS ZIMMER
Kamera. TRENT OPALOCH
Schnitt. JULIAN CLARKE . MARK GOLDBLATT
Darsteller. DEV PATEL . HUGH JACKMAN . SHARLTO COPLEY . YO-LANDI VISSER u.a.

Review Datum. 2015-03-05
Kinostart Deutschland. 2015-03-05

Nach dem kongenialen Überraschungshit DISTRICT 9 und der erstaunlich vielschichtig erzählten SF-Parabel ELYSIUM durfte man gespannt sein, welches Projekt der südafrikanische Newcomer und Werbefilmer Neill Blomkamp als Nächstes umsetzt. Seine Wahl fiel schließlich auf CHAPPIE, ein verspielter Genre-Hybrid, der mit einem betont lockeren Inszenierungsstil überrascht, ansonsten aber ähnlich wie Blomkamps vorherige Filme klassische Science Fiction-Themen (z.B. künstliche Intelligenz) behandelt und diese mit sozialkritischen Untertönen anreichert.

Johannesburg In der nahen Zukunft. Zur Verbrechensbekämpfung unterstützen bewaffnete Roboter die hiesige Polizei. Entwickelt wurde die dazugehörige Technologie von dem genialen Ingenieur Deon (Dev Patel), der für einen Waffenkonzern unter der Leitung der skrupellosen Michelle Bradley (Sigourney Weaver) arbeitet. Als Deon auf eine Möglichkeit stößt die Polizeiroboter mit künstlicher Intelligenz auszustatten glaubt er vor dem nächsten Durchbruch zu stehen. Seine Chefin ist allerdings wenig angetan von der Idee und untersagt es Deon weiter auf diesem Gebiet zu forschen. Tief enttäuscht fasst der Ingenieur den Entschluss einen ausrangierten Roboter (Sharlto Copley) zu stehlen, ihn neu zu programmieren und zu vermenschlichen. Auf dem Nachhauseweg wird Deon jedoch von dem Gangsterpärchen Ninja und Yo-Landi (das Rave-Rap-Duo Die Antwoord bzw. Ninja und Yo-Landi Visser) gekidnappt, die vorhaben das Wissen Deons für einen gezielten Angriff auf die südafrikanische Polizei zu nutzen. Als die beiden von seinem Plan erfahren, beschließen sie den Roboter, den sie kurzerhand Chappie taufen, nach der Neuprogrammierung unter ihre Fittiche zu nehmen und für einen Raubüberfall zu trainieren. Aus Angst vor den Konsequenzen seines Vergehens bleibt dem jungen Tüftler nichts anderes übrig als das Paar gewähren zu lassen. Eine viel größere Bedrohung ist hingegen sein Kollege Vincent Moore (Hugh Jackman). Ein cholerischer und unberechenbarer Ex-Soldat, der einen perfiden Plan entwickelt hat seinen verhassten Kollegen ins Unglück zu stürzen und dem Konzern seine neueste Erfindung unterzujubeln.

CHAPPIE ist ein angenehm leichtfüßiger Film. Es ist schon erstaunlich wie gut es Blomkamp gelingt sowohl humoristische, als auch ernsthafte Töne anzuschlagen und sein Publikum, wenn nötig, direkt ins Herz zu treffen. Und das tatsächlich ohne allzu stark auf die Tränendrüse zu drücken, oder seine Zuschauer mit Kitsch zu bombardieren. Glücklicherweise bleibt der Humor ebenfalls bemerkenswert unaufdringlich. Slapstick-Einlagen sucht man vergebens. Es sind vielmehr die leisen Momente die nachwirken. Wenn Chappie von seiner neuen Mommy Yo-Landi aus einem Kinderbuch vorgelesen wird, zieht Blomkamp diesen Moment nicht ins Lächerliche, sondern verleiht ihm eine melancholische Note, auf die man sich gerne einlässt.

Im Gegensatz zu Blomkamps vorherigen Werken sind die sozialkritischen Elemente des Films allerdings nicht sehr präsent und lediglich sehr oberflächlich ausartikuliert. Hier liegt ein klarer Kritikpunkt, denn diesbezüglich wird dann doch ein wenig Potential verschenkt. Kritische Statements (obwohl naheliegend) erlaubt sich CHAPPIE jedenfalls nur in Maßen. Zudem enttäuscht das Production-Design ein wenig, da Blomkamp sich in diesem Kontext ungeniert bei den ganz großen Klassikern (vor allem bei Paul Verhoevens ROBOCOP) bedient und kaum eigene Ideen einfließen lässt. Hinzu kommt das viele Sets sehr stark an den dreckigen Look von DISTRICT 9 erinnern. Dies betrifft vor allem die Darstellung der urbanen Slums und städtischen Randzonen, in denen sich ein Großteil der Handlung abspielt. Ein bisschen mehr Originalität hätte dem Film auf jeden Fall gut getan. Diese kleinen Wermutstropfen fallen aber nicht allzu stark ins Gewicht und trüben den Gesamteindruck nicht nachhaltig.

Besonders gut ist CHAPPIE immer dann, wenn der Film seinen Darstellern Raum zur Entfaltung ihrer jeweiligen Rollen gibt. Ninja und Yo-Landi Visser sind zwar nicht die geborenen Schauspieler, aber zweifelsohne reißt ihre Performance mit und verleiht dem Gezeigten einen zusätzlichen Reiz. Zu Höchstform läuft ebenso Hugh Jackman auf, der hier Mut zur Hässlichkeit beweist und seinen eigentlich äußerst lächerlichen Charakter mit einer geradezu stoischen Würde verkörpert. Dev Patel (SLUMDOG MILLIONÄR) als Deon bleibt hingegen trotz ordentlicher schauspielerischer Leistungen eher unscheinbar, was zweifelsohne auch daraus resultiert, dass seine Figur nicht besonders prägnant daherkommt.

Abgesehen von einer kurzen Sequenz am Anfang und dem recht ausgedehnten Showdown bietet CHAPPIE vergleichsweise wenig Action. Wenn es kracht, dann allerdings richtig, so dass die rar gesäten, visuell durchaus beeindruckend umgesetzten Actionszenen letztlich ebenfalls vollauf überzeugen können. Ein Finale wie in DISTRICT 9 sollte man jedoch nicht erwarten. Aufgrund der hohen Altersfreigabe (im Produktionsland wurde das wenig lukrative R-Rating vergeben) ist die Action hart und schnell, wenngleich sich der Regisseur sehr zurückhält und bis auf wenige Ausnahmen kaum explizite Aufnahmen gezeigt werden. Umso mehr wird dafür geflucht und das böse F-Wort benutzt.

CHAPPIE ist sicherlich kein makelloser Film. Dafür fehlt es schlichtweg an Tiefgang und echten Alleinstellungsmerkmalen. Blomkamp zeigt mit seiner toll bebilderten Mischung aus effektvoller Science Fiction, launiger Komödie, rasanter Action und berührendem Drama aber das er es glänzend versteht unterschiedliche Genres zu einer harmonischen Einheit zu verbinden und dies stets kurzweilig und mit dem nötigen Gespür für verschiedene Stimmungen. Insofern ist der Film zwar nicht ganz so sehenswert, wie Blomkamps ersten beiden Regiearbeiten, im Gesamtergebnis weiß CHAPPIE dennoch zu gefallen und verdeutlicht damit, dass man auf den Regisseur auch weiterhin zählen kann.











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