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KAPITELWAHL

DOCTOR STRANGE (USA 2016)

von Hasko Baumann

Original Titel. DOCTOR STRANGE
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. SCOTT DERRICKSON
Drehbuch. SCOTT DERRICKSON . JON SPAIHTS
Musik. MICHAEL GIACCHINO
Kamera. BEN DAVIS
Schnitt. SABRINA PLISCO . WYATT SMITH
Darsteller. BENEDICT CUMBERBATCH . TILDA SWINTON . RACHEL MCADAMS . MADS MIKKELSEN u.a.

Review Datum. 2017-03-24
Erscheinungsdatum. 2017-03-09
Vertrieb. WALT DISNEY

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Die Masse an auf Marvel Comics basierenden Filmen und Fernsehserien gleicht einer haushohen Flutwelle, die alles andere aus dem Weg zu spülen droht. Kaum eine Figur, die nicht das Licht der Kamera erblicken darf; wer hätte vor vierzig Jahren jemals mit einer TV-Serie von Power Man & Iron Fist gerechnet, geschweige denn mit jeweils einer? Ein noch größeres Rätsel als dieser immense Popularitätsschub, der vermutlich mit quasi alternativloser Dauerpenetration angefeuert wird, ist die Frage, wann die Leute den ganzen Shit eigentlich gucken. Ich zumindest verliere langsam schon bei Marvels Kino-Output den Überblick, und so ging zum Beispiel die Leinwandadaption von Megamagier Doctor Strange zunächst ungesehen an mir vorbei.

Doctor Strange. Der Magier. 1975 brachte der legendäre Williams Verlag den Superzauberer Stephen Strange nach Deutschland, wo ihm jedoch kein Erfolg beschieden war und es nach nur 12 Ausgaben schon wieder Abschied nehmen hieß. So war ihm fortan in sämtlichen deutschen Marvel-Zeiten (und derer sind einige gekommen und gegangen) eher ein Schattendasein beschieden, obwohl er im Superheldenuniversum fraglos zu den mächtigsten und ungewöhnlichsten Figuren gehört. Schon ganz zu Anfang verpasste Zeichner Steve Ditko Dr. Strange einen geradezu surrealen Look mit Abenteuern voller okkulter Fantastik. Dem Zauberer hätte eine Verfilmung in den 70er Jahren als bunter LSD-Trip mit absurden Alptraumszenarien sicherlich gut zu Gesicht gestanden, aber im heutigen MCU ist für derlei künstlerische Verstiegenheiten selbstredend kein Platz.

Horror-Routinier Scott Derrickson (SINISTER) hat sich die Marvel-Direktiven ganz genau angehört und wendet exakt die Formel an, die auch schon ANT-MAN und den ersten IRON MAN zu vergnüglichem Unterhaltungskino machte: Stephen Strange ist hier so eitel wie Tony Stark und so sarkastisch wie Scott Lang; ein schnippischer, smarter und maximal selbstsüchtiger Unsympath, dessen Hochmut selbstverständlich vor dem Fall kommt. Strange verliert bei einem Autounfall die Kontrolle über seine Hände und sieht damit auch seine Karriere als unfehlbarer Top-Chirurg jäh vernichtet. Als er erkennt, daß Heilung auf normalem Wege unerreichbar ist, wendet er sich an die geheimnisvolle "Älteste" in den bewußtseinserweiternden Guru-Tempeln von Kathmandu. Diese gibt ihm zwar nicht seine flinken Finger zurück, bringt ihm aber das Ausloten seines magischen Potenzials bei und macht ihn schlußendlich zum verantwortungsvollen Beschützer der Menschheit.

Obwohl sich der Film eng an die Vorlage hält, was Stranges persönliche Geschichte und seinen Wandel angeht, erinnert er weitestgehend eher an die Hemdsärmeligkeit seiner oben genannten Film-Brüder im Geiste als an den phantastischen Irrsinn der Comics. Und tatsächlich funktioniert die Mischung aus Effektkino und durchaus gewitztem Humor, die seine Kollegen so erfolgreich machte, hier ein weiteres Mal. DOCTOR STRANGE macht großen Spaß. Der Film setzt seine Digitaleffekte ausnahmsweise weniger für Zerstörungsorgien als vielmehr für irritierende Dimensionsverschiebungen und die Aufhebung von Zeit und Raum ein und erschlägt damit nicht seine spielfreudigen Akteure. Benedict Cumberbatch muß hier die Brücke bauen vom arroganten Superarzt zum magischen Superhero mit Mösenbart und rotem Cape - und macht das wirklich ganz vorzüglich. Ihm zur Seite stehen Schwergewichte wie Chiwetel Ejiofor und Mads Mikkelsen, die aber tatsächlich hauptsächlich genau das tun: An der Seite stehen. Der zweite Trumpf des Films ist Tilda Swinton als glatzköpfige Ausbilderin, die mit ihrem Alien-Look und dem starren Blick immer so wirkt, als würde sie auf Abholung zu ihrem Heimatplaneten warten. Ganz wunderbar. Die Affirmative-Action-Crowd, die gegen die Besetzung der Nicht-Asiatin Swinton in der Rolle wetterte, hat sich übrigens nicht daran gestört, daß es sich im Comic um einen tibetischen alten Mann handelte.

Viel eher dürften sich Comic-Fans an der Interpretation von Mordo stören, den Ejofor hier als edlen Kämpfer und nicht als knallharten Widersacher spielt, oder auch am etwas putzigen Auftritt von Oberdämon Dormammu, der in den Heften doch um einiges bedrohlicher nach der Erde greift. Das sind aber alles Petitessen angesichts so ansprechend und herzlich gemachten Entertainments, das tatsächlich mit einigen originellen Ideen aufwarten kann und die bei Marvel obligatorische Städtezerstörung am Ende einfach gegen die Uhr dreht. Toll. Aber nochmal fallen wir auf diese Erfolgsformel nicht mehr rein.

DVD.
Technisch überzeugt die Scheibe erwartungsgemäß, besonders der Ton haut die Wurst vom Teller. Die deutsche Synchronisation ist zwar wieder mal völlig leblos abgemischt, erhält aber erstaunlich viel Witz des Originals am Leben.








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