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KAPITELWAHL

DIE SCIENCE FICTION PROPHETEN (USA 2012)

von Sven Taucke

Original Titel. PROPHETS OF SCIENCE FICTION
Laufzeit in Minuten. 336

Regie. DECLAN WHITEBLOOM
Drehbuch. SIMON BROWN . KEVIN TAVOLARO
Musik. SCOTT GREER . JOEL J. RICHARD
Kamera. ANDREW PARKHURST
Schnitt. JOSEPH LORENZETTI
Darsteller. RIDLEY SCOTT . KIM STANLEY ROBINSON . DAVID BRIN . PAUL VERHOEVEN u.a.

Review Datum. 2013-10-26
Erscheinungsdatum. 2013-04-26
Vertrieb. POLYBAND/WVG MEDIEN

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Von Mary Shelley bis George Lucas: Eine neue achtteilige Dokumentarreihe stellt berühmte Science-Fiction-Autoren vor. Das weckt Neugier - schon weil das Projekt von ALIEN- und BLADE RUNNER-Regisseur Ridley Scott mitproduziert wurde.
Aber um es gleich klar zu machen: Diese vom Discovery Channel hergestellten Filme mit jeweils rund vierzig Minuten Länge sind alles andere als Filmkunst. Jeder, der schon mal beim Zappen bei den sogenannten Nachrichtensendern hängen geblieben ist, kennt die Discovery-Dokumentationen mit gehetztem Erzähler, einem Wuusch!-Geräusch bei jedem Schnitt, eingestreuten Spielszenen und kurzen Experten-Statements, die nicht länger als zwei Sätze sein dürfen. Meist geht es um Autos, Flugzeuge oder Naturkatastrophen - Hauptsache es macht Krach. Genauso so eine Reihe ist DIE SCIENCE-FICTION-PROPHETEN (Im Titel ohne Bindestriche).
Vorgestellt werden die allgemein bekannten Klassiker: Mary Shelley, die Frau, die mit FRANKENSTEIN den ersten Science-Fiction-Roman verfasste. Jules Verne (20.000 MEILEN UNTER DEM MEER) und H.G Wells (DIE ZEITMASCHINE), die beide gerne als Vater der Science Fiction bezeichnet werden.

Vier Folgen sind Vertretern der englischsprachigen Science Fiction aus der Mitte des 20. Jahrhunderts gewidmet: Isaac Asimov, dessen Robotergesetze zum Standartrepertoire wurden. Robert A. Heinlein, der gleichermaßen Militarismus und Libertarismus predigte. Arthur C. Clarke, der die Vorlage zu Stanley Kubricks 2001 schrieb. Dem BLADE RUNNER-Autoren Philip K. Dick, dessen Geschichten um unterschiedliche Realitäten, Parallelwelten und künstliches Leben in den letzten Jahren vermehrt den Weg auf die Leinwand fanden. In der letzten Folge geht es um den STAR-WARS-Erfinder George Lucas.

Die acht Folgen beleuchten jeweils zu etwa einem Drittel Leben, Werk sowie - Science wird hier groß geschrieben - den angeblichen Einfluss der Autoren auf die technische Entwicklung. Darauf bezieht sich, man ahnt es, auch das Wort "Propheten" im Titel. Allerdings wirkt dies zum Teil gewaltig konstruiert und wird im Falle George Lucas regelrecht zur Farce.

Wenn es hingegen um die Schriftsteller und ihre Werke geht, hat die Reihe durchaus Potenzial. Das liegt nicht zuletzt an Autoren wie Kim Stanley Robinson oder David Brin sowie den Filmemachern Paul Verhoeven und Ridley Scott himself, die hörenswerte, aber sehr kurzgefasste Kommentare beisteuern. Kritische Betrachtungen gibt es, allerdings darf diese nicht allzu harsch ausfallen. Paul Verhoeven verfilmte Dick (TOTAL RECALL) und Heinlein (STARSHIP TROOPERS), wird jedoch nur zu Dick befragt. Die ehrliche Meinung des Holländers über Heinleins Kriegspropaganda wäre wohl doch zu viel des Guten gewesen … Nicht umsonst hatte der linke Provokateur Verhoeven STARSHIP TROOPERS als gnadenlose Satire verfilmt und Heinleins Vorlage so ad absurdum geführt.

Trotz ihrer Mängel ist die Reihe durchaus empfehlenswert, wenn man sich einen Eindruck von den jeweiligen Autoren machen will. Wer TOTAL RECALL oder BLADE RUNNER gesehen hat und sich fragt, wer sich das wohl ausgedacht hat - hier ist er richtig.

Die Reihe hat nicht den Anspruch, die gesamte Geschichte des Genres zu beleuchten. Im Mittelpunkt stehen einzelne, berühmte Autoren die bestimmte Impulse gegeben haben. Dass dies vor allem solche sind, bei denen sich Hollywood ausgiebig bedient hat, darf schon wegen Ridley Scott nicht überraschen. Es gibt keine Porträts von George Orwell, Aldous Huxley, Stanislaw Lem oder den Strugazki-Brüdern. Auch nicht vom Cyberpunk-Papa William Gibson, dessen seherischer Blick auf die Entwicklung virtueller Welten nicht nur die Science Fiction nachhaltig prägte.

Dass stattdessen ausgerechnet George Lucas und STAR WARS eine Folge gewidmet ist, erscheint skurril und ist sicherlich Marketinggründen geschuldet. In die Reihe passt er jedenfalls nicht. Weder ist Lucas Schriftsteller, noch hat er dem Genre irgendetwas wirklich Neues geschenkt. Space Operas wie STAR WARS waren schon in den dreißiger und vierziger Jahre allgegenwärtig. Lucas Verdienst liegt vielmehr darin, dass moderne Blockbusterkino entscheidend mitentwickelt zu haben. Parallel dazu hat sich die Science Fiction indes nicht gut entwickeln können. Im Kino steht das Genre heute zumeist für austauschbare Action im immergleichen Look. So unterhaltsam sie auch sein mögen, inhaltlich haben die Blockbuster nicht mehr zu bieten die Science-Fiction-Literatur vor fünfzig oder sechzig Jahren. In den Buchhandlungen wurden die Science-Fiction-Titel weitgehend von infantiler Fantasy-Literatur verdrängt. Innovative und anspruchsvolle Beiträge finden zunehmend in der Nische statt, Fragen nach der Zukunft werden in den erfolgreichen Science-Fiction-Produkten kaum mehr diskutiert. Vielleicht, weil wir längst in einer Science-Fiction-Welt leben, in der kaum noch wer an eine Zukunft glauben mag. Vielleicht auch ganz profan, weil das lohnende Geschäft mit dem Eskapismus alles andere ausschließt. George Lucas ist wie kein Zweiter Wegbereiter dieser Entwicklung. Ein Prophet des Marketing und der Special Effects.

DVD.
Die Reihe kommt in einer Box mit zwei DVDs. Bild und Ton sind vollkommen okay, Untertitel werden keine spendiert. Zumindest beim vorliegenden Exemplar ist allerdings ein Produktionsfehler passiert. Die Namenseinblendungen fehlen völlig. So muss man raten, wer da gerade was erklärt ... Punktabzug!








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