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KAPITELWAHL

FALL 39 (USA 2007)

von Robert Zetzsche

Original Titel. CASE 39
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. CHRISTIAN ALVART
Drehbuch. RAY WRIGHT
Musik. MICHL BRITSCH
Kamera. HAGEN BOGDANSKI
Schnitt. MARK GOLDBLATT
Darsteller. RENÉE ZELLWEGER . JODELLE FERLAND . BRADLEY COOPER . IAN MCSHANE u.a.

Review Datum. 2010-08-25
Erscheinungsdatum. 2010-07-29
Vertrieb. PARAMOUNT

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . TÜRKISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
In den DVD-Extras fasst Jodelle Ferland, die 11-Jährige Hauptdarstellerin von FALL 39, die Prämisse des Films ganz gut zusammen: "It's, like, this cute little girl, and everyone thinks "awww, what a cute little girl”,and then they suddenly see it that I'm, like, really creepy and then it's even more scary because it's cute AND scary”. Das ist nichts grundsätzlich Verkehrtes - die sprichwörtliche Unschuld junger Mädchen mit dem abgrundtief Bösen, Diabolischen in Verbindung zu setzen, funktionierte in alten Tagen (DAS DORF DER VERDAMMTEN) genauso wie in jüngerer Vergangenheit (THE RING, ORPHAN oder AUDITION). FALL 39 kann aber leider nur knapp 40 Minuten lang überzeugen, bis der Film nach und nach aus den Augen verliert, was eigentlich Horror ist.

38 Fälle mit Kindesmissbrauchsfällen hat Emily Jenkins (Renée Zellweger) schon auf ihrem Schreibtisch liegen, als ihr Chef Liliths Akte auf den Tisch legt. Nachbarn berichten, die Eltern würden das Kind vernachlässigen. Beim ersten Gespräch verhalten diese sich merkwürdig, Emily ahnt also Böses und gibt dem Mädchen ihre Telefonnummer - "wenn du einmal Angst haben solltest, ruf mich an". Ein, zwei Schnitte später fährt Emily nach einem beunruhigenden Anruf zu Liliths Elternhaus und kann nur knapp verhindern, dass das Kind im Ofen verbrannt wird. Die Eltern kommen in eine Nervenanstalt, Lilith überredet Emily, sie bei sich aufzunehmen, um nicht ins Heim zu müssen. Kurz danach bringt ein Junge aus Liliths Therapie-Gruppe in brutaler Manier mitten in der Nacht seine Eltern um. Weil der Junge kurz vor der Tat einen Anruf aus Emilys Haus erhielt, gerät Lilith in Verdacht, mit ihr in Zusammenhang zu stehen.

Bis zu diesem Punkt ist FALL 39 ein vielversprechendes Werk. Renée Zellweger nimmt man die überaus emotionale Social Workerin ab, die die oft traurigen Schicksale, mit denen sie täglich zu tun hat, nur schwer schlucken kann. Auch Lilith ist dank Jodelle Ferland nicht so platt und zweidimensional, wie man es erwarten würde. Kurz darauf lässt uns (der übrigens deutsche) Regisseur Christian Alvart aber beobachten, was bei so einem Telefonat geschieht, als Emilys Freund und Liliths Betreuer Doug (Bradley Cooper, den man mittlerweile aus THE HANGOVER und aktuell THE A-TEAM kennt) nachts einen Anruf von Lilith erhält. Eine unverständliche, männliche Stimme tönt aus der Ohrmuschel und lässt kurz die Hoffnung wachwerden, Lilith habe ähnlich manipulative Kräfte über die menschliche Psyche wie der enigmatische Mesmer in Kiyoshi Kurosawas Meisterwerk CURE. Stattdessen dreht Doug im Badezimmer durch, weil er überall billigst aussehende CGI-Wespen aus seinem Körper schlüpfen sieht, und bringt sich um.

Ab sofort kennt das Skript dann kein Halten und keine Vernunft mehr. Das eigentlich Erschütternde an FALL 39 ist weniger, wie schnell der Film eine Qualitätswende durchmacht, sondern wie nonchalant und unironisch, beinahe trivial Christian Alvart nun Emily zur Erkenntnis kommen lässt, sie müsse das Kind - immerhin der Teufel höchstpersönlich oder zumindest eindeutig böse - so schnell wie möglich im Schlaf umbringen: ein kurzes Gespräch mit den völlig paranoiden Eltern sowie zwei kleine Bemerkungen Liliths reichen aus. Doch anstatt diese wahnwitzige Überzeugung einer gestressten Frau zu nutzen, um tatsächlich Horror zu erzeugen, den Zuschauer beispielsweise mit der Frage zu erschüttern, wie leicht Realitätswahrnehmungen ins Irrationale driften können, unterstützt der Film Emilys These bis zu dem Punkt, an dem gar keine Fragen mehr offen sind und - CGI-Plastikmüll sei dank - sich das Mädchen tatsächlich als eine Art Beelzebub entpuppt, der Türen eintritt und Krallen an den Fingern hat. Dass der Film letztendlich damit endet, dass Emily nach kurzem Gerangel das Böse im Hafen ersäuft, kann man dann nur konsequent nennen. Weil dem Film nach und nach jegliche Ambivalenz abgeht, schafft es Alvart nicht, den Horror die Leinwand transzendieren zu lassen. Was dann bleibt, ist ein mäßig interessanter Film mit schwer nachvollziehbaren Entscheidungen.

DVD.
Technisch ist die DVD einwandfrei - FALL 39 bietet optisch zwar nichts Besonderes, das aber immerhin klar und scharf. Auch unter mieser Tonqualität muss niemand leiden - selbst die deutsche Synchro-Fassung ist durchaus genießbar. In Sachen Extras stattete man die DVD mit einigen Behind-The-Scene-Filmchen aus, die sich vor allem auf Make-Up und CGI konzentrieren und die Schauspieler mit unspannenden Lobbekundungen auf Kollegen und Regisseur zitieren. Rund wird's durch einige Szenen, die es nicht in die finale Fassung geschafft haben.








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