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KAPITELWAHL

VALERIE AND HER WEEK OF WONDERS (Tschechien 1970)

von Björn Eichstädt

Original Titel. VALERIE A TÝDEN DIVU
Laufzeit in Minuten. 73

Regie. JAROMIL JIRES
Drehbuch. JAROMIL JIRES . ESTER KRUMBACHOVÁ . JIRÍ MUSIL
Musik. LUBOS FISER . JAN KLUSÁK
Kamera. JAN CURÍK
Schnitt. JOSEF VALUSIAK
Darsteller. JAROSLAVA SCHALLEROVÁ . HELENA ANÝZOVÁ . PETR KOPRIVA . JIRÍ PRYMEK u.a.

Review Datum. 2008-05-05
Erscheinungsdatum. 2004-01-13
Vertrieb. FACETS VIDEO

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. TSCHECHISCH (DD 2.0)
Untertitel. ENGLISCH
Norm. NTSC
Regional Code. 1

FILM.
Brandneu ist diese DVD beileibe nicht, wurde sie doch bereits im Jahr 2004 beim US-amerikanischen Label Facets veröffentlicht. Und doch lohnt sich eine genauere Betrachtung; denn VALERIE AND HER WEEK OF WONDERS ist ein hierzulande kaum bekanntes Juwel der osteuropäischen Genrefilmkunst der Zeit hinter dem eisernen Vorhang, ein trance-artiges, poetisches Wunderwerk der tschechischen Neuen Welle, die Ende der 60er und Anfang der 70er als Folge des Prager Frühlings über unsere Nachbarn im Osten schwappte und wunderbare Regisseure wie etwa Milos Forman hervorbrachte, ein Film, der Fantasie, Politik, Surrealismus, Horror und Coming-of-Age-Drama in einzigartiger visueller Art und Weise zu verbinden versteht.

Da ist Valerie, 13 Jahre alt und an der Grenze zum Frausein. Die Kräfte der Sexualität erwachen, als die Menstruation einsetzt und eine Zeit heranbricht, die das Leben für immer verändert. Die Umwelt reagiert auf das junge Geschöpf, auf die Unschuld der erblühenden erotischen Kraft mit der Demaskierung ihrer Abgründe. Aus netten Großmüttern werden wollüstige Gespielinnen düsterer Vampire, der jugendliche Freund wird zur potenziell inzestuösen Jugendsünde. All das, was zuvor harmlos erschien ist auf einmal eine Bedrohung, eine Liebesfalle, in die das Mädchen stolpern könnte, wenn es nicht selbst die unverbrauchten Kräfte des erblühenden Eros in sich tragen würde. Wie Yasmine Dame in Juan Luis Buñuels RENDEZVOUS ZUM FRÖHLICHEN TOD ist Valerie potenzielles Opfer und Verführerin ihrer Peiniger zugleich. Wie Jennifer Connelly in DIE REISE INS LABYRINTH verirrt sie sich in den verworrenen Gängen auf dem Weg zum Erwachsensein und wird doch gleichzeitig zur Bedrohung der älteren Generation - reißt sie ihr doch die braven Masken von ihren hässlichen Fratzen.

VALERIE AND HER WEEK OF WONDERS erzeugt über die komplette Laufzeit einen nichtnarrativen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Dass es sich beim Gezeigten um die Erlebnisse einer Woche handelt, kann man nur dem Titel entnehmen. Was eigentlich passiert, das bleibt bis zum Ende im Dunkeln. Valerie stirbt, sie wird auf dem Scheiterhaufen von einem Priester verbrannt, und schließlich ist sie wieder da, in all ihrer jungen Frische. Eindrücke ziehen über den Bildschirm, Bilder entstehen und vergehen, tschechische Märchenfilme und Gothic Horror tanzen miteinander Ringelreien. Und die Unschuld des jungen Mädchens, deren Reifeprozess teilweise an die Darstellung in INNOCENCE von Lucile Hadzihalovic erinnert, strahlt über den Bildschirm, dass es eine wahre Freude ist. Denn obwohl das neue Zeitalter der Pubertät voller Albträume zu sein scheint, ist es das Leben danach, auf das diese Zeit der Dunkelheit vorbereitet. VALERIE AND HER WEEK OF WONDERS ist ein Film, dem man sich ergeben muss. Dann erst strahlt er in all seiner verwunschenen Schönheit.

DVD.
Zum Glück gibt es überhaupt eine DVD dieses Films. So muss wohl der zweite Teil dieser Kritik eingeleitet werden. Denn die Veröffentlichung von Facets weist für den high-tech-verwöhnten Filmfan schon einige gravierende Mängel auf. Die Qualität des 4:3-Bildes ist als eher bescheiden zu bezeichnen, wirkt es in seiner Optik doch eher wie das einer aufgemotzten VHS-Aufzeichnung. Auch der Klang, sieht man einmal von der wundervollen Musik ab, die sich halluzinierend in die Hörgänge des Rezipienten schraubt, ist nicht das, was der 5.1-Fanatiker des 21. Jahrhunderts erwartet. Und die englischen Untertitel, die dem Verständnis des tschechischen Originals zuträglich sind, haben sich fest in das Bild von VALERIE AND HER WEEK OF WONDERS eingebrannt. Abschalten und die Bilder fließen lassen: Fehlanzeige.

Technisch ist das also alles andere als erste Sahne. Und auch die Extras - ein paar Bilder - sind nun wirklich nicht das, was man sich bei einem derart spannenden Werk erhofft. Selbst das dickliche Booklet, das mit seinem Selbermitdemfotokopiererkopiert-Look aus der Zeit der Kinoaufführung des Films stammen könnte, bringt wenig erhellendes. Ein paar Absätze zur Karriere des Regisseurs, und das war es dann auch schon. Von der Umsetzung her Enttäuschung pur also, bei all der Freude, die die schiere Existenz dieses Silberlings beim Zuschauer auslöst.











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