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KAPITELWAHL

LÈVRES DE SANG (Frankreich 1975)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. LÈVRES DE SANG
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. JEAN ROLLIN
Drehbuch. JEAN-LOUP PHILIPPE . JEAN ROLLIN
Musik. DIDIER WILLIAM LEPAUW
Kamera. JEAN-FRANCOIS ROBIN
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. JEAN-LOUP PHILIPPE . ANNIE BELLE . NATHALIE PERREY . MARTINE GRIMAUD u.a.

Review Datum. 2006-04-08
Erscheinungsdatum. 2005-12-01
Vertrieb. ENCORE

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. FRANZÖSISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . NIEDERLÄNDISCH . ITALIENISCH . SPANISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Manchmal möchte ich gerne die Zeit einfach anhalten und mit Befriedigung bemerken, wie sich nichts verändert. Die Haarpracht bleibt, die Wampe wächst nicht, Tokio Hotel hat's nie gegeben und im Kino werden wieder Filme angesehen und nicht gegessen, telefoniert oder mit dem Nachbarn über die aktuellen Sex-Erlebnisse schwadroniert.

Doch leider ist alles einem stetigen Fluss unterworfen, der Zustand der Zeitlosigkeit lässt sich wohl am ehesten noch auf Film einfangen. Womit wir bei Jean Rollin wären.
Der fing Ende der 60er an sich seinen Mikrokosmos aus nackten, weiblichen Vampiren, düsteren Schlössern, maroden Gräbern, Sado-Maso-Schick und arty ausgeleuchteten Sets zusammenzubrauen und hielt an dieser Formel mehr oder weniger während seiner kompletten Karriere fest. Wenn das Geld mal knapp war, drehte man halt einen Porno oder es gab z.B. gorige Zugeständnisse an den Zeitgeist (THE GRAPES OF DEATH und LADY DRACULA; was dementsprechend auch reichlich fehl am Platz wirkt), aber grundsätzlich verwehren sich Rollins Filme jeglichem Einfluss der Moderne und bleiben auch dank ihrer oft traumähnlichen Inszenierung Unikate im Horrorfilm (falls man hierzu überhaupt noch Horrorfilm sagen kann).

So auch 1975: In Italien wütete der Giallo und Tobe Hooper hatte ein Jahr vorher Leatherface auf die Jagd geschickt: Rollin juckt's nicht und schraubt mit Mini-Budget LÈVRES DE SANG zusammen und schon in den ersten Minuten wird klar wo wir sind: Ein düsteres Schloss, ein kleiner Bub und ein geiles Weib (was macht eigentlich Annie Belle heute?), das ein düsteres Geheimnis in sich trägt. Jahre später ist aus dem Jungen ein staatlicher Mann geworden, der auf einem Gemälde das Schloss wieder erkennt, was Erinnerungen hervorruft. Er macht sich auf, die Frau aus seiner Kindheit zu suchen und das zugehörige Geheimnis zu lüften.

Gesprochen wurde bei Jean Rollin schon immer eher wenig, so auch hier. Vielmehr zählt mal wieder eins: Stimmung, Stimmung und nochmals Stimmung. Die Suche unseres Helden -der auch auch leichtes Problem mit seiner Mutter hat- nach der Frau seiner Träume führt durch allerlei mal wieder superb gestalteten Sets und auch die nur spärlich in verschiedenfarbige Tücher gehüllten Vampir-Ladies lassen nicht lange auf sich warten.

LÈVRES DE SANG ist ein waschechter Rollin, das heißt: Fans werden den Film schon in mindestens 4.000 Varianten auf und unter dem Altar stehen haben, Neu-Einsteiger sollten mal 'n Blick riskieren, sich aber bewusst sein, dass hier was komplett anderes ins Haus steht.

DVD.
Das dicke, todschick aussehende, ausklappbare Digi-Pack im Schuber macht zwar ordentlich was her, aber beim näheren Hinsehen stellt sich einem doch die Frage, ob man den qualitativ zwar hochwertigen, aber quantitativ eher wenigen Inhalt wirklich auf 3 DVDs hat verteilen müssen. Auf der ersten DVD finden sich -nebst einer Einführung vom Meister persönlich- der Film in Spitzenqualität und eine staatliche Anzahl an sehr gut lesbaren Untertiteln.
Auf der zweiten DVD gibt's den Kurzfilm CETTE PLAGE QUI ME SUIT, indem Rollin über seine spezielle Verbindung zu seinem Lieblingsdrehort, dem Strand von Pourville, erzählt. Des Weiteren finden sich Interviews mit Jean-Loup Phillippe, Nathalie Perry, Serge Rollin und einer etwas unterkühlt wirkenden Cathy Tricot (wohl besser bekannt unter ihrem wirklichen Namen Catherine Castel). Bei den Interviews fällt vor allem die ab und an etwas merkwürdige Untertitelung auf, bei der auch der falsche Satzanfang des öfters nach Worten ringenden Interviewers untertitelt wird. Schlimm ist das aber nicht. Das Schlusslicht auf dieser DVD bildet eine umfangreiche Bildergalerie mit Bildern aus dem Film und von den Dreharbeiten.
Auf der dritten DVD findet sich ein Audiokommentar, in dem Rollin 33min lang Szenen des Films kommentiert, der Kurzfilm LES AMOURS JAUNES und Trailer zu LES DÉMONIAQUES, REQUIEM POUR UN VAMPIRE und natürlich LÉVRES DE SANG.
Dem Pack liegt auch noch ein kleines 64 Seiten starkes Booklet bei, indem Jean Rollin Wissenswertes zu LÈVRES DE SANG und LES AMOURS JAUNES zum Besten gibt. Viel Info des Büchleins gibt's zwar auch im Audiokommentar, aber die gedruckte Form hat trotzdem ihre Berechtigung denn Jeans Französisch-Englisch ist auf die Dauer etwas ermüdend.

Auch wenn das Set etwas aufgeplustert wirkt (und dementsprechend auch nicht gerade billig ist) wage ich mal die Behauptung, dass was Besseres nicht kommen wird. Im Regal sieht's schick aus, der Inhalt ist top und wurde zusammen mit dem Meister persönlich erstellt.











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