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STAR TREK INTO DARKNESS (USA 2013)

von Benjamin Hahn

Original Titel. STAR TREK INTO DARKNESS
Laufzeit in Minuten. 130

Regie. J.J. ABRAMS
Drehbuch. ALEX KURTZMAN . ROBERTO ORCI . DAMON LINDELOFF
Musik. MICHAEL GIACCHINO
Kamera. DANIEL MINDEL
Schnitt. MARYANN BRANDON . MARY JO MARKEY
Darsteller. CHRIS PINE . ZACHARY QUINTO . PETER WELLER . BENEDICT CUMBERBATCH u.a.

Review Datum. 2013-05-01
Kinostart Deutschland. 2013-05-09

Michael Bay und J.J. Abrams teilen sich etwas. Nein, es sind jetzt weder die Drehbuchautoren Alex Kurztman und Roberto Orci, noch die hibbeligen Schnitte in Actionszenen gemeint (zumal sich Abrams da im direkten Vergleich mit Bay auch SEHR zurückhält), sondern die Vorliebe für visuell auffälliges, aber reichlich unnötiges. Bei Bay sind es Sonnenuntergänge, gepaart mit Hubschraubern. J.J. Abrams orgasmiert derweil ziemlich eindeutig bei lens flares. Ständig spiegelt sich mindestens eine Lichtquelle im Objektiv der Kamera, meistens aber sind es gleich mehrere. Und zwar immer und überall. In modernen, von computergenerierten Einstellungen getragenen Filmen macht die Verwendung dieses "Fehlers" zwar durchaus Sinn, denn sie verleiht den nicht real gedrehten, sondern von Programmierern erzeugten Bildern so etwas wie Authentizität. Doch Abrams erhebt sie zum Stilmittel, dass er so toll findet, dass er sich manchmal darin zu verlieren scheint. So kleistert er die Leinwand so voll mit lens flares, dass es irgendwann fast ins Lächerliche kippt, weil ein gutes Fünftel der Leinwand nur aus diesem Effekt besteht. Man kann sich allerdings damit arrangieren. Und hat man das erst einmal geschafft, wird man feststellen, dass es ansonsten eigentlich nur erfreuliches über STAR TREK INTO DARKNESS zu sagen gibt.

Gut, die Dramaturgie kratzt immer wieder an der HOBBIT-Problematik der ständigen Bedrohung und ebenso ständigen Rettung in letzter Sekunde. Und auch manch ein emotionaler Moment kriegt den Zuschauer nicht so ganz, weil die Wendung hin zum positiven Ausgang so offensichtlich ist, dass das selbst Kleinkinder verstehen dürften. Für den Film ergibt sich daraus gelegentlich das Problem von Längen, die jedoch ganz gut mit Schauwerten kompensiert werden können. Ansonsten aber ist J.J. Abrams ein erstaunlich tadelloser Film gelungen, der wohl noch deutlicher als sein Vorgänger markiert, dass es sich bei der aktuellen Filmreihe mitnichten um Remakes der bisherigen Filme handelt, sondern um eine Neuerzählung der Reihe mit signifikanten Änderungen gegenüber der Originalreihe und -serie.

Das betrifft vor allem den Bösewicht in STAR TREK INTO DARKNESS, gespielt von Benedict Cumberbatch. Denn ihn, dessen Identität eigentlich alle kennen und dessen Name hier trotzdem nicht genannt werden soll, gab es auch schon in der Originalserie. Nur anders. Deutlich anders. Das geht jedoch vollkommen in Ordnung, denn Orci, Kurztman und der dritte Drehbuchautor, Damon Lindeloff, haben sich bei der Konzeption ihres Bösewichts an den ersten, aber nie umgesetzten Entwürfen von Carey Elbers für die Originalserie orientiert. Captain Kirks Widersacher ist nun brutaler und aggressiver als zuvor - und damit auch gefährlicher. Doch mit dieser Neukonzeptionierung der Figur will man sich nicht alleine von der Originalserie abheben und die sich geradezu aufdrängenden Vergleiche vermeiden. Stattdessen ist die neue, radikale Gewissenlosigkeit des Bösewichts die Basis für das eigentliche Thema des Films: Terrorismus.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein popkultureller Unterhaltungsfilm an diesem Thema versucht, man denke da nur an THE DARK KNIGHT. Es ist auch angesichts der philosophischen und moralischen Diskurse, die das gesamte STAR TREK-Franchise prägen, nicht verwunderlich, dass Abrams Film sich an einem so brisanten Thema abarbeitet. Aber es ist für einen aktuellen US-amerikanischen Mainstreamfilm schon ein wenig erstaunlich, mit welchen Bildern und welchen Wendungen er sich wie positioniert. Denn obwohl der Film mit Bildern operiert, die im kollektiven Gedächtnis des 21. Jahrhunderts für den Terrorismus par excellence stehen, gelingt es ihm, die Motivation des Bösen noch so weit nachvollziehbar zu machen, dass den Film eine liberale Botschaft durchziehen kann. Vielleicht wäre es ein wenig übertrieben, würde man STAR TREK INTO DARKNESS gleich als einen politischen Film bezeichnen. Aber zumindest muss man anerkennen, dass er keineswegs nur ein banaler Sci-Fi-Actioner ist, sondern unter der bunten, lauten Kawumm-Oberfläche noch eine zwar nur knappe, aber trotzdem kluge Reflexion des Weltgeschehens schlummert.

Insofern fällt dann auch das Fazit positiv aus: Sollte man auf jeden Fall gesehen haben! Weil das 3D allerdings nur sehr subtil genutzt wird und auch nicht als handlungstragendes Element fungiert, darf man ruhig auch auf eine 2D-Vorstellung ausweichen.











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