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SPRING BREAKERS (USA 2013)

von André Becker

Original Titel. SPRING BREAKERS
Laufzeit in Minuten. 92

Regie. HARMONY KORINE
Drehbuch. HARMONY KORINE
Musik. CLIFF MARTINEZ . SKRILLEX
Kamera. BENOIT DEBIE
Schnitt. DOUGLAS CRISE
Darsteller. JAMES FRANCO . VANESSA HUDGENS . RACHEL KORINE . SELENA GOMEZ u.a.

Review Datum. 2013-03-20
Kinostart Deutschland. 2013-03-21

Nach mehreren kontrovers diskutierten, aber nichtsdestotrotz grandiosen Drehbüchern (KIDS, KEN PARK) nimmt Harmony Korine mit SPRING BREAKERS nach dem experimentellen No-Budget-Film TRASH HUMPERS erneut höchstpersönlich auf dem Regiestuhl Platz. Korine kehrt inhaltlich zurück zu den Wurzeln und fokussiert sich ein weiteres Mal auf die Darstellung der (überzeichneten) Lebensrealität einer hedonistischen Generation. Bereits im Vorfeld sorgte vor allem der Cast, allen voran der Disney-Darling Selena Gomez, für leichtes Stirnrunzeln bei Fans und Kritikern. Es kann jedoch Entwarnung gegeben werden: Zumindest die Besetzung macht alles richtig und fällt nicht negativ ins Gewicht.

Angeödet vom ereignislosen Campusleben erscheint für die vier Freundinnen Faith (Selena Gomez), Candy (Vanessa Hudgens), Brit (Ashley Benson) und Cotty (Rachel Korine) der alljährliche Spring Break in Florida als verheißungsvolles Großereignis. Obwohl sie das ganze Jahr über eisern gespart haben reicht das mühsam zusammen gekratzte Geld jedoch nicht aus, um die Reise ins sonnige Florida zu finanzieren. Ohne das Wissen von Faith überfallen Candy, Brit und Cotty ausgestattet mit Wasserpistolen kurzerhand wild entschlossen einen Schnellimbiss. Das erbeutete Geld reicht glücklicherweise für den Trip und auch Faith kann nach anfänglichen Zweifeln überzeugt werden ihre Reise anzutreten. Angekommen in Florida genießen die vier zunächst das ausschweifende Partyleben. Alkohol und Drogenkonsum sind an der Tagesordnung und das Quartett driftet immer stärker in das exzessive Partyleben ab. Als die Polizei die Freundinnen bei einer Drogenrazzia festnimmt ist allerdings erst einmal Katerstimmung angesagt. Während sich die jungen Frauen fragen, wie sie die festgesetzte Kaution bezahlen sollen, naht schon Rettung in Form des undurchschaubaren Dealers und Rappers Al, genannt Alien, (kaum wiederzuerkennen: James Franco). Der leicht zwielichtige und durchgeknallte Kriminelle holt die Mädels aus der Haft und nimmt sie unter seine Fittiche. Für die Freundinnen beginnt damit eine Odyssee, die ihr Leben nachhaltig verändern wird.

SPRING BREAKERS ist ein rauschhafter und (meist) erfrischend unmoralischer Sex & Crimecocktail, der mit seiner drastischen und fast gänzlich kommentarlosen Darstellung von Drogenkonsum und Exzessen aller Art das Bild einer partysüchtigen Girl-Clique am Scheideweg zeichnet. Der Film weiß hierbei in erster Linie auf der visuellen und akustischen Ebene (Musik: Cliff Martinez und Skrillex) zu gefallen und oszilliert als ungezügelter Bilderrausch irgendwo zwischen Thriller, Drama und Zeitportrait. Das sich die mitunter erstaunlich unzugängliche Produktion nicht wirklich ernst nimmt und einige Figuren in ihrer Überzeichnung fast schon als Parodie daherkommen tut dem Film auf jeden Fall gut und ist als klarer Pluspunkt zu verbuchen.

Der Film zeigt hierbei in grellen Bildern wie sich eine Gruppe (vermeintlich) normaler College-Studentinnen zunehmend enthemmter in eine alsbald verschwommene Parallelwelt voller Drogen, Sex und später auch Gewalt stürzt und von dieser quasi aufgesogen werden. Dass die jungen Frauen dadurch ihren Alltag komplett hinter sich lassen deutet der Film nur in wenigen Sequenzen an. Hier liegt eine weitere Stärke von SPRING BREAKERS, denn der Film entscheidet sich nur selten für die, im Hollywood-Kino gerne mal geschwungene, klebrige Moralkeule. Grundsätzlich fungiert der titelgebende Spring Break für die Gruppe als Ventil das nur ein längst überfälliges Verhalten zutage fördert. Die Frage nach dem Warum für all die Eskapismusbestrebungen will Korine daher gar nicht beantworten. Der Spring Break ist somit vielmehr der Hebel, der einen anderorts gültigen Wertekanon in seiner Gänze ad absurdum führt und die Akzeptanz neuer Normen unvermeidbar macht.

Leider kann sich Korine, der auch das Drehbuch schrieb, oftmals nicht zwischen Anspruch und der Bedienung niederer Instinkte entscheiden. SPRING BREAKERS beabsichtigt sicherlich nicht ein tiefschürfendes Drama zu sein, aber die Anflüge eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht unter den Tisch fallen zu lassen sind eher kontraproduktiv. Wenn, dann funktioniert der Film als wüster Adrenalinrausch, der nicht immer originell oder aufschlussreich, aber immer kurzweilig eine Geschichte voll von delinquenter Energie und Promiskuität auf sein Publikum loslässt. Überdies punktet der Film auch mit starken Frauenrollen, die in der besten Szene das Selbstverständnis männlicher Sexualität außer Kraft setzen. Das SPRING BREAKERS seine weiblichen Figuren stets mit einem voyeuristischen und dezidiert männlichen Blick einfängt bleibt ein etwas fader Beigeschmack. Auch die eine oder andere Einstellung zugedröhnter halbnackter Strandschönheiten ist überflüssig und schadet ein wenig den sonst sehr sauber und progressiv ausformulierten Geschlechterrollen.

Insgesamt muss sich Korines Nabelschau also auch mit einigen Unzulänglichkeiten herumschlagen, die geradewegs dazu einladen die Stoßrichtung des Films misszuverstehen und das Werk in die Schmuddelecke zu verbannen. Alles in allem ist SPRING BREAKERS ein hyperdynamisches Spektakel, in dem die Milieu- und Zeitgeistkritik zwar nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, aber unter der Oberfläche umso heller brodelt.











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