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SEED (Kanada 2007)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. SEED
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. UWE BOLL
Drehbuch. UWE BOLL
Musik. JESSICA DE ROOIJ
Kamera. MATHIAS NEUMANN
Schnitt. KAREN PORTER
Darsteller. WILL SANDERSON . RALF MOELLER . MICHAEL PARÉ . JODELLE FERLAND u.a.

Review Datum. 2007-11-07
Kinostart Deutschland. 2007-11-22

Wie schön. Trotz nicht enden wollender Bahnstreiks, Ausnahmezustand in Pakistan und immer raffgieriger werdender Politiker sorgt der feingeistige Autorenfilmer und Entrepreneur Uwe Boll für ein kleines Funkeln in dieser kalten düsteren Welt. Er hat einen guten Film gedreht. Gut? Na ja, sagen wir es mal so: Wer sich durch das bisherige Köchelverzeichnis des in aller Welt innig gehassten, allerdings kommerziell durchaus erfolgreichen Gurken-Züchters gearbeitet hat, wird hier große Augen machen.
Das Boll lange nicht der schlechteste Regisseur der Welt ist hat Kollege Baumann in seiner Review zu POSTAL ja schon klargestellt, allerdings drängt sich nach der Ansicht von SEED ein wenig der Verdacht auf, dass Bolls größter Stolperstein auf den Weg zu einem wirklich guten Film Boll selber ist.

Und das ist in diesem Fall schade, denn der Allrounder lässt in seiner neusten Produktion durchaus Talent durchschimmern, beweist Stilwillen und liefert einen Film ab, der ein wenig wie der kleine böse (und sehenswertere) Bruder von Zombies HALLOWEEN anmutet. In farblich nahezu ausgewaschenen unruhigen, aber niemals verwackelten Düster-Bildern wird hier eine Geschichte um den Serienkiller Max Seed (dessen Aussehen etwas an den Hauptprotagonisten des Videospiels MANHUNT erinnert) aufgerollt, der den elektrischen Stuhl überlebt und laut geltendem Recht deswegen eigentlich freikommen müsste, aber stattdessen von der feigen Anstaltsleitung lebendig begraben wird, was aber nichts bringt: Seed buddelt sich aus und tut was ein echter Killer so tut: Er killt sich durch die Besetzung des Films bis er endlich auf den Cop trifft, der für seine Inhaftierung einst verantwortlich war. Jetzt steht nicht nur Rache auf den Plan, sondern auch Boll wartet mit einem überraschendem, recht fiesen Ende auf, was angesichts der ziemlichen Vorhersehbarkeit des bisherigen Geschehens ziemlich unerwartet kommt.
Respekt, Uwe!

Gesenkte Daumen gibt's aber für die relative Spannungslosigkeit des Ganzen. Sicher, man bleibt bei der Stange, gruselt sich vielleicht sogar ein bisschen (der komplette Abschnitt in dem Seed in einem finsteren Haus Polizisten killt hat mehr Druck als die letzten drei SAW-Sequels), aber da der Film größtenteils von unsymphatischen Muffelköppen bevölkert wird, ist alles in allem ziemlich Wurst, wer da so gemeuchelt wird. Erst nach einer guten Stunde unternimmt SEED einen kurzen, zaghaften Versuch einen Charakter zu etablieren, dem Zuschauer nahe zu bringen, was aber wirkungslos verpufft.
SEED will nämlich nicht nur irgendein Horrorfilm sein, sondern der krasseste Scheiß überhaupt. Und hier stolpert Boll. Die Kooperation mit der Tierschutzbehörde PETA (Seed guckt in den ersten Minuten offenbar echte "Tiersnuff"-Videos) - die an den Einnahmen von Bolls Film beteiligt werden - ist in diesem Umfeld ein schlechter Scherz und gegen Ende gehen dem Meister - nach diversen "kleineren" Geschmacklosigkeiten - endgültig die Gäule durch: In einer fünfminütigen (in statischer Halbtotalen gefilmten) Sequenz zertrümmert Seed einer wimmernden Frau mit einem Hammer den Schädel. Eine Szene wie diese sorgt bei einer gewissen Klientel mit Sicherheit für stramme Ruten, steht aber - anders als die vergleichbare Kopfnuss in IRRÉVERSIBLE z.B. - vollkommen isoliert im Raum und lässt vermuten, dass Boll seinen Fähigkeiten selber nicht so ganz traut und lieber auf Nummer sicher geht. Irgendwie schade.

So erntet man keine guten Kritiken, lieber Uwe, da kannste noch so viele Nasen platthauen...











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