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HALLOWEEN (USA 2007)

von Martin Eberle

Original Titel. HALLOWEEN
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. ROB ZOMBIE
Drehbuch. ROB ZOMBIE . JOHN CARPENTER . DEBRA HILL
Musik. TYLER BATES
Kamera. PHIL PARMET
Schnitt. GLENN GARLAND
Darsteller. TYLER MANE . MALCOLM MCDOWELL . BRAD DOURIF . SHERI MOON ZOMBIE u.a.

Review Datum. 2007-10-16
Kinostart Deutschland. 2007-10-25

Kindheitsängste sind die schlimmsten Ängste, das Grauen vor der Dunkelheit, vor dem Unheilvollen, das sich in den Schränken und unter den Betten versteckt hält. Eltern können da nicht helfen. Sie machen zwar das Licht an und gucken unters Bett, aber in solchen Momenten zeigt sich das namenlose Böse einfach nicht. Erst wenn wieder das Licht aus ist und die Tür zu, kommt es wieder zum Vorschein und will dir an den Kragen.

In Nordamerika hat der Kinderschreck einen Namen: boogeyman. John Carpenter transformiert 1978 in HALLOWEEN die kindlichen Ängste in das Leben der jungen Erwachsenen. Sein boogeyman heißt Michael Myers und wie bei den Kindheitsängsten, bei denen in eine vorgeblich sichere Umgebung, das Elternhaus, die Bedrohung herein bricht, kommt das irrational Böse über das eigentlich idyllische Vorstädtchen Haddonfield. Ohne psychologisierende Erklärungsversuche schlachtet sich Myers als das personifizierte Böse durch die Teenager des Örtchens.

Fast 30 Jahre später versucht sich Rob Zombie an diesem Stoff. Sein Ansatz ist ein anderer. Er schenkt dem kleinen Michael eine 1A-White-Trash-Sozialisation. Die Mutter tanzt in der Strip-Bar, der Stiefvater ist ein ungepflegter Penner mit deutlicher Missbrauchsaffinität, die große Schwester ist ein garstiges Flittchen, das mit ihrem Freund rummacht und Michael ärgert. Kein Wunder, dass der eigentlich sympathische Fratz zum Massenmörder wird. Erst tötet er eine Ratte, dann einen Unsympathen aus der Schule, dann seine Familie (Mama und seine kleine Schwester, ein Säugling, bleiben verschont, die hat der Michael lieb).

16 Jahre später. Myers ist seit den Morden in der Klapse und spricht mit niemandem ein Wort. Aus dem schmächtigen Knaben ist ein brachialer Titan geworden (gespielt vom Wrestlerkämpfer Tyler Mane). Er ist ein Hulk unter den Psychos, 2,03 Meter groß, mit einem Bizeps, der Ralf Möllers Oberschenkel filigran erscheinen lässt. Michael verweigert sich jedem Therapieversuch. Er bastelt lieber an Pappmaché-Masken. Sein Arzt Dr. Loomis (Malcolm McDowell) gibt auf und verlässt die Klinik. Jetzt kann Michael endlich ausbrechen und auf der Suche nach seiner Schwester jede Menge Menschen meucheln.

Rob Zombie ist nicht unbedingt als Feingeist bekannt. Trotzdem ist die Konsequenz, mit der er den einfachen aber effektvollen Plot von HALLOWEEN nicht verstanden hat und deshalb schon mit dem Anfang des Films komplett gegen die Wand fährt, sehr beeindruckend. Er trivialisiert das Unfassbare, den Horror einer sich aus rationalem Kalkül komplett abgekoppelten, in ihrer brutalen Konsequenz mythisch anmutenden Schreckensfigur, die nur ihrer eigenen Logik folgt und für uns unverständlich bleiben muss. Das personifizierte Böse ist bei ihm das Produkt einer miesen, schäbigen Schul- und Familientristesse, einer fiesen Umwelt, die nicht lieb zu boogeyman ist.

Damit wird der ganze Film hinfällig. Der Schrecken des Irrationalen wird zum Amoklauf eines einzelnen, überforderten Individuums. Ein Individuum übrigens, das durch Zombies seltsame Castingentscheidung für einen Wrestlingkämpfer fortan als Hulk Hogan des Horrorfilms gelten darf. Quasi LITTLE MICHAEL IN 3-D. HALLOWEEN 2007 hat also, gerade in seinen Gewaltszenen, nicht mehr Tiefe und mystische Größe als ein weiteres Amokdrama eines weiteren sich nicht artikulieren könnenden Jungmenschen in einer weiteren amerikanischen Kleinstadt. So sind denn auch die schreckensweiten Augen Malcolm McDowells im Film zu verstehen: solche Gurken sind die Filme, in denen er momentan mitspielen muss. Der arme Mann.

Der Schrecken dürfte sich vertieft haben, nachdem McDowell den Film auf der Leinwand gesehen hat. Denn Zombie zeigt, dass er noch nicht mal das kleine Einmaleins des Horrorhandwerks versteht. Er kann nicht die Geschichte plausibel erklären (und die ist beileibe nicht der Ausbund an Komplexität!), er kann keine Figuren erklären, und er kann noch nicht mal Kameraeinstellungen logisch einbauen. Die schöne, subjektive Wackelkamera, die den Blick des Angreifers auf das Opfer darstellt? Ist schön, rein damit! Das Opfer gibt es in dem Bild gar nicht? Da ist nur der Myer-Bub, der den missliebigen Mitschüler ins Jenseits befördert? Egal! Trotzdem rein, sieht doch gut aus!

Die einzige Qualität, die Zombies HALLOWEEN vom Original abhebt: er zeigt mehr nackte Brüste. Ein zweifelhaftes Prädikat, denn die Zielgruppe, die sich daran aus ganzem Herzen erfreuen könnte, 12-16-jährige Pubertanden, darf den gar nicht sehen. Keine Jugendfreigabe gemäß §14 JuSchG FSK.

Rob Zombie kann es einfach nicht. Dieser Mann sollte Hot Dogs verkaufen oder Rasen mähen, aber keine Filme machen. HALLOWEEN 2007 ist ein Denkmal seiner Dummheit, ein Fanal seines schlichten Gemüts, ein Monument seines Unverstands. Dass er trotz seines chronischen Untalents Filme machen darf: gut für ihn. Schlecht für alle anderen.











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