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RED RIDING: 1980 (Großbritannien 2009)

von Lutz Granert

Original Titel. RED RIDING: IN THE YEAR OF OUR LORD 1980
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. JAMES MARSH
Drehbuch. TONY GRISONI
Musik. DICKON HINCHLIFFE
Kamera. IGOR MARTINOVIC
Schnitt. JINX GODFREY
Darsteller. WARREN CLARKE . PADDY CONSIDINE . MAXINE PEAKE . DAVID MORRISSEY u.a.

Review Datum. 2010-05-13
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Nachdem im ersten Teil der Trilogie, RED RIDING: 1974 bereits ein umtriebiger Reporter die korrupten Verflechtungen der Stadtobersten im Kontext der Yorkshire Ripper-Morde aufdeckte, wird RED RIDING: 1980 nun aus Sicht eines biederen Polizisten erzählt. Wie im ersten Teil der Trilogie interessieren dabei weniger die Fragen nach der Psychologie und Identität des Täters, vielmehr das Leben der Hauptfigur. Das Wechselspiel zwischen Tathergang und der sich langsam vortastenden Ermittlung, die beinahe schon klassischen Suspense-Zutaten für gute Killerthriller (man erinnere sich nur an David Finchers meisterhaften ZODIAC - DIE SPUR DES KILLERS), spielen weniger eine Rolle als das menschliche Drama des Ermittlers, der als hilfloser Saubermann die krummen Machenschaften seiner Kollegen aufdeckt. Das ist zwar originell, schafft aber Probleme, wenn diese Figur nicht vermag, den Film zu tragen.

Peter Hunter (Paddy Considine) wird mit den Ermittlungen im langjährigen Fall des Yorkshire-Rippers betraut, an dem sich die frustrierte lokale Polizei bislang die Zähne ausgebissen hat. Aus diesem Grund ist die Arbeitsatmosphäre alles andere als entspannt. Jede der beiden Parteien innerhalb der Polizei will den Fall, in dem zunehmend Widersprüche auftreten, lösen. Doch es kristallisiert sich heraus, dass eines der vermeintlichen Opfer des Yorkshire-Rippers diesem gar nicht zuzurechnen ist. Die Lösung dieses Rätsels lässt Peter Korruption innerhalb der Polizei aufdecken und bringt ihn in Lebensgefahr.

Bis es soweit ist, muss sich der Zuschauer durch ein komplex geflochtenes Netz aus Handlungssträngen und einer Vielzahl von Figuren kämpfen, wobei leicht der Überblick verloren gehen kann. So hatte der ansonsten moralisch unangreifbar erscheinende Hunter eine Affäre mit Kollegin Helen (Maxine Peake) oder auch zwei angeschossene Polizisten sind in den fraglichen Mordfall involviert. Der Bezug zum ersten Teil bleibt lange Zeit vage, wird aber am erhellenden Ende umso raffinierter hergestellt, weswegen ein Einsichtslaut des Publikums ("Aha!") wohl nach vorhergehendem Kampf durch all die zähen und dialoglastigen Ermittlungen obligatorisch sein dürfte.

Ungleich des Vorgängers wird dabei die Tristesse der Vorstadt durch ständige Pub-Besuche und einem allgegenwärtigen Grauschleier über den ausgewaschenen Farben nicht überbetont. Dies scheint mit der veränderten Fokussetzung vom durch die düsteren Machenschaften sämtlicher Gesellschaftsschichten kriechenden Journalisten hin zum Polizisten, der die Ermittlungen leitet und im neutral-objektiven Kern eines zwielichtigen Konglomerats steht, einherzugehen. Zu einer wirklichen Identifikationsfigur taugt dieser unnahbare, nur spärlich mit Eigenschaften ausgestattete Charakter jedoch zu keinem Zeitpunkt. Aus diesem Grund wirkt der gesamte RED RIDING: 1980 auch so dröge. Die unaufdringliche Inszenierung, die auch in der musikalischen Untermalung nur allzu oft leise Töne anschlägt, verstärkt diesen emotionslosen Eindruck noch.

Nur ein einziges Mal, beim temporeichen Finale, gelingt es dem Film, nicht vollkommen kalt zu lassen: Als der gefasste Yorkshire-Ripper in einem Verhör minutiös beschreibt, wie er eine Prostituierte langsam zu Tode quälte. Diese nicht mit den entsprechenden brutalen Bildern illustrierte, sondern einzig akustisch über seine Ausführungen funktionierende Szenenfolge lässt durch seine Bilder, die er im Kopf entstehen lässt, frösteln. Zumindest für kurze Zeit entsteht dabei der Eindruck von großem Kino, bis wieder das solide TV-Niveau die Oberhand gewinnt.

RED RIDING: 1983 ist seit dem 15.04.2010 von Kinowelt als Teil der RED RIDING TRILOGY erhältlich.











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