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ON THE EDGE (Hong Kong 2006)

von Matthias Mahr

Original Titel. HAK BAK DO
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. HERMANN YAU
Drehbuch. HERMANN YAU
Musik. BROTHER HUNG
Kamera. PUCCINI YU KWOK-BING
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. NICK CHEUNG . ANTHONY WONG . RAIN LI . DEREK TSANG u.a.

Review Datum. 2007-08-05
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Spätestens seit INFERNAL AFFAIRS schießen in Hongkong die Copfilme mit Undercoveragenten förmlich aus dem Boden. 2006 kamen - sieht man vom mitproduzierten DEPARTED ab - wieder zwei neue Vertreter dazu, OPERATION UNDERCOVER und eben dieser Film. Da ist es schon schwer, aus der Menge hervorzustechen. ON THE EDGE versucht dies zunächst mit nonlinearer Erzählweise, was nett ist, aber nur bedingt aufgeht. Da wird beim Einstieg zwischen Szenen und Zeiten herumgewirbelt, dass einem, wenn man auf die im Maschinengewehrrhythmus losgelassenen Untertitel angewiesen ist, schon fast schwindlig wird. Der Film drückt mächtig aufs Tempo wenn's an die Verhaftung des Gangsterbosses Don Dark (sic!, Francis Ng) geht und schindet damit auch Eindruck. So verwirrend, wie vermutlich gewollt, ist das dann doch nicht und so bleibt bei aller Konfusion auch eine Einstellung hängen, die man am Papier eigentlich rasch wieder vergessen sollte, damit sich am Ende der große Aha-Effekt einstellt.

Wirklich überraschend aber, dass HAK BAK DO den Wiedereinstieg des jahrelang im Untergrund lebenden Cops (Nick Cheung) in den Polizeialltag ins Zentrum rückt. So hebt sich dieser Polizeithriller thematisch doch deutlich von anderen Vertretern des Subgenres Undercovercop ab und illustriert glaubwürdig, wie problematisch dieser Umgewöhnungsprozess sein kann. Noch ungewöhnlicher, wie abrupt Herman Yau die mal eingeschlagene Erzählform und den temporeichen Actionweg wieder aufgibt. Stattdessen folgt eine bedrückend gemächliche Milieustudie mit fast ruhiger, sehr stimmungsvoller Kameraführung, die Bewegung lediglich mittels sanfter Dollybewegung und ab und an mal einem langsamen Zoom ins Bild bringt. Die nächtliche Aura der Unterwelt Hongkongs wird akzentuiert, ohne dass wirklich ein Film noir daraus wird. Film bleu wäre die treffendere Bezeichnung, nicht wegen der fast mehr das Gelb betonenden Farbgestaltung und schon gar nicht wegen der Musik, sondern aufgrund der tieftraurigen Grundierung, die der Geschichte unterlegt ist. Hier und da wird mal ein Witzchen eingestreut, einmal ein Auto abgefackelt, aber das ändert kaum was an der Gestaltung, die nicht gerade klassisch nach Hongkongkino schreit.

Und dann dreht sich im Finale alles wieder in die Gegenrichtung: Eine flotte Autojagd, die zwar so spektakulär wahrlich nicht ist, im Kontrast zum Vorangegangenen aber mächtig Druck macht, gefolgt von einem wirklich großartig integrierten Stunt, der einem fast das Herz stehen lassen lässt.
Der Film bleibt traurig, der Held tragisch, und das weiß man ja eigentlich schon von Beginn. Dennoch verkehrt ON THE EDGE das klassische Konstrukt von Einführung – Hauptteil – Schluss exakt ins Gegenteil. Und das funktioniert, obwohl sicher nicht das, was sich viele von dem Film erwarten, ausgesprochen gut.











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