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WO HU (Hong Kong 2006)

von Jan Zeleny

Original Titel. NGOR FU
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. MARCO MAK . WANG GUANGLI
Drehbuch. WONG JING . TANG TUT HEI
Musik. MARCO WEN
Kamera. LAI YIU FAI
Schnitt. AZRAEL CHUNG
Darsteller. ERIC TSANG . FRANCIS NG . JORDAN CHAN . SONIJA KWOK u.a.

Review Datum. 2007-08-05
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Während Filmemacher wie Johnnie To oder Derek Yee sich stetig und erfolgreich bemühen, dem Hong Kong-Kino neue Impulse zu verleihen, belässt es der berühmt-berüchtigte Wong Jing in den letzten Jahren ausschliesslich dabei, die Erfolge seiner Kollegen abzuwarten und dann umgehend die entsprechenden Verballhornungen und cash-ins nachzuliefern. Und nachdem To im letzten Jahr mit seiner bislang in dieser Konsequenz nicht gesehenen Darstellung der Triaden als eiskaltem Haifischbecken in seinen beiden ELECTION-Filmen für Furore sorgte, lässt uns Jing jetzt an, nun ja, "seiner" Sicht der Dinge teilhaben...

Die zugrundeliegende, unverhohlen absurde Idee von WO HU ist, dass sich die Polizei aufgrund unzufriedenstellender Resultate ihrer bisherigen Bemühungen, Spitzel in die Reihen der Triaden zu schleusen, kurzerhand entscheidet, den Einsatz zu erhöhen: Statt vereinzelter Undercoveragenten plant man nun gleich bis zu tausend Cops abzustellen, die verdeckt in den Strassen Mong Koks und Tsim Sha Tsuis arbeiten sollen. Stellt sich bloss die Frage, wer da noch Strafzettel schreiben und illegalen Strassenküchen zu Leibe rücken soll?

Den Triaden jedenfalls ist es ihrerseits wiederum daran gelegen, sämtliche "Insider" auszumerzen, und so entfaltet sich das spätestens seit INFERNAL AFFAIRS hinlänglich bekannte und ausgereizte Katz-und-Maus-Spiel. Die Kapos der Triaden, Jim (völlig fehlbesetzt: Knuddelbär Eric Tsang), Walter (karikiert sich selbst: Francis Ng) und Fei (Kaspertheater: Jordan Chan), sind bemüht, nicht die Aufmerksamkeit der Ordnungsmacht auf sich zu ziehen – kein leichtes Unterfangen, da selbstverständlich diverse interne Konflikte am Schwelen sind. Auf der anderen Seite steht einsam Inspektor Wai (blass: Miu Kiu-Wai), ein scheinbar aufrechter Cop, der - ach was! - die Brüder hinter Gittern sehen will.

Nach einer soliden Ouvertüre beginnt WO HU leider schnell auseinanderzufallen. Unentschlossen taumelt die Handlung zwischen hartem Triadenthriller, luftiger Komödie und seichter Romanze umher und ergeht sich abseits einer knappen handvoll kraftvoller Szenen verstärkt in blanker Geschwätzigkeit. Hastig aus allen Himmelsrichtungen zusammengeräuberte Szenen werden notdürftig zusammengetackert, und spätestens wenn sich zarte Bande zwischen der ehemaligen Miss Hong Kong, Sonija Kwok, und ausgerechnet, um Buddhas Willen, Eric Tsang entspinnen, schwant einem Schlimmes. Insbesondere dieser Handlungsfaden ist dermassen durchschaubar und mit dem Schmalzhammer inszeniert, dass die betont tragische Auflösung bestenfalls für ungläubiges Gekicher zu sorgen vermag. Besonders unschön wird die lustlose und uninspirierte Machart auch in einer Verhörszene deutlich, in der Inspektor Wai Jim allen Ernstes mittels der Behauptung verunsichern möchte, der zuvor verhörte Fei hätte ihm "jede Menge Sachen" erzählt. Genial geht anders.

Im Gegensatz zu seinen zahlreichen Vorlagen ist WO HU zu keinem Zeitpunkt am Heraufbeschwören von Ambivalenz gelegen. Stattdessen ergeht sich der Film mit fortschreitender Laufzeit zunehmend in der weitgehend unreflektierten Darstellung der Gangster als menschelnde Sympathen, während der vermeintlich aufrechte Wai selbst ein oder zwei Leichen im Keller hat. Diese reaktionäre Glorifizierung hat dazu geführt, dass der Film für das chinesische Festland um zwei Minuten gekürzt wurde. Man darf getrost davon ausgehen, dass u. a. Teile einer komplett ironiefreien Szene, in der sich Jim und Walter gegenseitig versichern dürfen, dass sie ja gar nicht die schlechten Menschen sind, zu denen sie von allen gemacht werden, der Schere zum Opfer gefallen sind. "Zu Recht," ist man beinahe geneigt zu sagen...

WO HU hat zwar durchaus zwei oder drei gelungene Momente zu bieten, die den Zuschauer kurzzeitig aus seiner Lethargie zu reissen vermögen; ob das aber Grund ist, sich durch 102 Minuten unzeitgemässen und holprigen Epigonentums zu quälen, soll jeder seiner Schmerzgrenze und Affinität zum Hong Kong-Film gemäss selbst entscheiden.











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