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OHNE LIMIT (USA 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. LIMITLESS
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. NEIL BURGER
Drehbuch. LESLIE DIXON
Musik. PAUL LEONARD-MORGAN
Kamera. JO WILLIAMS
Schnitt. NAOMI GERAGHTY
Darsteller. BRADLEY COOPER . ABBIE CORNISH . ROBERT DE NIRO . ANNA FRIEL u.a.

Review Datum. 2011-03-18
Kinostart Deutschland. 2011-04-07

Wenn Du mit ihnen umzugehen weißt, dann sind Drogen ganz toll und machen Dich vom Tellerwäscher zum Millionär. Das ist - in einem Satz zusammengefasst - die Moral von OHNE LIMIT, dem neuen, auf einer Romanvorlage von Alan Glynn basierenden Film des THE ILLUSIONIST-Regisseurs Neil Burger.
Bradley Cooper (HANGOVER, THE MIDNIGHT MEAT TRAIN) spielt hier den ausgebrannten New Yorker Autoren Eddie Morra, der gerade in einer tiefen Lebenskrise steckt. In dieser Situation trifft er zufällig auf seinen Ex-Schwager Vernon, der ihm eine Probe der neuen Wunderdroge NZT überlässt. Angesichts der Versprechungen von gesteigerter Leistungsfähigkeit und ungewohnter Kreativität nimmt Eddie die Droge, die dann auch sofort die gewünschte Wirkung hat: mühte er sich monatelang am ersten Satz seines Manuskripts ab, schreibt er nun innerhalb weniger Stunden einen Großteils seines Romans einfach so runter. Außerdem macht er sich noch schick, räumt seine Wohnung auf und geht mit der Frau seines Vermieters ins Bett. Irgendwie nicht überraschend, dass er nach Abebben der Wirkung umgehend zu Vernon fährt um sich dort Nachschub zu holen.

Mit dieser Entscheidung nimmt das Drama seinen Lauf. Oder könnte es zumindest. Denn obwohl sich OHNE LIMIT im weiteren Verlauf zu einem Thriller mit wilden Verfolgungsjagden und semi-blutigen Gewalttaten entwickelt, ergibt sich aus der eigentlichen Drogen-Thematik kein wirkliches Drama im Sinne eines REQUIEM FOR A DREAM. Zwar kann man dem Film nicht den Vorwurf machen, den körperlichen Verfall durch Drogenkonsum gänzlich außer Acht zu lassen, aber OHNE LIMIT will seinen Zuschauern weismachen, dass es eine Art gutes Handling für Drogen gibt. Während um Eddie herum die NZT-Junkies wie die Fliegen sterben, begreift er - das aber auch durchaus in einem sehr schmerzhaften Prozess - wie er mit der Droge umzugehen hat ohne sich dabei selbst zu zerstören. Jegliche Kritik an seinem Verhalten verhallt ungehört und wird vom Film schnell vergessen. Dank der Drogen gelingt Eddie der soziale Aufstieg vom abgehalfterten Autoren zum heimlichen Star der Finanzbranche (sic!). Wen kümmern da schon die Nebenwirkungen, sind sie ja am Ende doch ohnehin beherrschbar...
Dass der Film diese Sicht auf den Drogenkonsum ziemlich ernst meint, stellt er auf visueller Ebene unter Beweis: Immer wenn Eddie seine Trips schmeisst, dann wird die Welt um ihn herum farbenfroh, lebendig, pulsierend und die Kamera mit ihren verfremdeten Bildern rast in hipper Videoclip-Ästhetik durch das exakte Gegenteil der Tristesse von Eddies cleaner Welt. Das ist recht schön anzuschauen, unterhaltsam und samt Industrial- und Indie-Rock-lastigem Soundtrack sehr zielgruppenorientiert, aber eben auch brandgefährlich: OHNE LIMIT ist keine Ode an die Drogen, spielt aber ihre Gefährlichkeit auf fast verantwortungslose Weise herab.

Gerade diese Fahrlässigkeit ärgert, denn ansonsten gibt es an diesem Film nicht übermäßig viel auszusetzen. Sicher, die Charaktere bleiben weitgehend austauschbar und die Story (und mit ihr die grundlegende Prämisse der Fähigkeiten der Droge) ist in ihrem Happy End-Drang schon zuweilen schmerzhaft konstruiert, aber nichtsdestotrotz ist OHNE LIMIT ein grundsolider, okay gespielter und gut inszenierter Thriller, den man sich durchaus mal Anschauen kann.











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