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THE MIDNIGHT MEAT TRAIN (USA 2008)

von Peter Martin

Original Titel. THE MIDNIGHT MEAT TRAIN
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. RYUHEI KITAMURA
Drehbuch. JEFF BUHLER . CLIVE BARKER
Musik. JOHANNES KOBILKE . ROBB WILLIAMSON
Kamera. JONATHAN SELA
Schnitt. TOBY YATES
Darsteller. BRADLEY COOPER . VINNIE JONES . LESLIE BIBB . BROOKE SHIELDS u.a.

Review Datum. 2008-08-04
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Nicht jeder Film mit massenhaft Blut, zertrümmerten Schädeln und heftigen Schmerzen, die Menschen von einem mysteriösen Monster beigebracht werden, muss mit "only for gorehounds" abgeurteilt werden. Ab und zu sollte als Fazit zu solch einem Film auch einfach nur ein "verdammt gut" genügen. Aber MIDNIGHT MEAT TRAIN verdient mehr als eine Kurzbeschreibung und einen schnellen Abflug in die Videotheken.

In den USA lud der Verleih Lionsgate den Film in 100 second run-Kinos quer über das Land ab – das sind Filmtheater mit sehr niedrigen Eintrittspreisen, wo IRON MAN auch drei Monate nach dem Start noch läuft – wobei aber die Großstadtgebiete von New York, Los Angeles, Philadelphia, San Francisco und so weiter vermieden wurden. Es sieht aus, als ob die Chefetage bei Lionsgate ausgetauscht wurde und die neue Leitung keine solch starke Verbindung mit harter Horrorkost mehr wünscht.

Aber das erklärt noch nicht die weiter auf sich wartende Auswertung in Deutschland und anderen europäischen Schlüsselmärkten. So wie es momentan aussieht, müssen Europäer nach Russland oder – Ende August – nach Holland (oder im November nach Spanien) pilgern oder auf die DVD warten. Das ist schade, aber vielleicht auch unvermeidbar, da Kitamura hier sehr heftigen Stoff serviert und gleichzeitig konstant Genre-Erwartungen unterläuft.

Daß wir uns nicht missverstehen: Kitamura lässt mehr oder weniger vom ersten Bild Blut auf die Leinwand klatschen. Köpfe rollen, Augäpfel bleiben nicht in ihren Höhlen, Extremitäten werden abgetrennt. Die Gorebauer-Fraktion wird garantiert nicht enttäuscht. Dennoch ist der Film nicht nur allein seiner Todesszenen wegen sehenswert, sondern auch aufgrund der düsteren Stimmung, die schnell etabliert wird.

Die namenlose, anonyme Stadt, in welcher die Geschichte spielt, schwimmt förmlich in Schatten und Schattierungen, selbst mitten am Tag meint man die Abenddämmerung anbrechen zu sehen. Bradley Cooper, der zuvor liebenswerte Nebenrollen in den fluffigen romantischen Komödien DIE HOCHZEITS-CRASHER und ZUM AUSZIEHEN VERFÜHRT spielte, hat hier den Hauptpart als Künstler/Fotograf Leon Kauffman, der seine geliebte Stadt so ablichten will, wie sie noch nie zuvor von den Linsen seiner Kamera erfasst wurde. Jedoch kommt er eher wie einer rüber, der daran interessiert ist, sich eine Reputation als "Künstler" aufzubauen, als einer, der auch tatsächlich Kunst erschaffen will. Die Kunsthändlern Susan Hoff (Brooke Shields) meint allerdings, dass er tiefer unter der Oberfläche graben soll, wenn er je eine Ausstellung in ihrer Galerie bekommen will.

Auf der Jagd nach seinem Traum gelingt ihm bei seinem Streifzug durchs U-Bahn-Sytem ein Schnappschuss, der einen Rowdy zeigt, der eine Frau überfällt. Die Kunsthändlerin ist begeistert. Davon motiviert verfolgt er einen adrett gekleideten Mann mit einem mörderischen Gesicht, den er, nachdem er die Profession des Mannes entdeckt hat, den Schlächter nennt.
Wir Zuschauer wissen natürlich schon längst, daß der Schlächter ein Serienkiller ist, denn wir haben ihn schon seinen kleinen Metallvorschlaghammer schwingen sehen, mit dem er seine brutalen, teuflischen, kopfzertrümmernden Verbrechen ausführt.

Sobald Leon vom Geschmack des Erfolgs gekostet und die dunkle Seite der Stadt entdeckt hat, fühlt er sich weitaus mehr von der heruntergekommenen Schattenseite als von der hellen Seite der Stadt angezogen. Seiner liebevollen, unterstützenden, mit ihm wohnenden Freundin (die hinreißende Leslie Bibb) bleiben die Veränderungen nicht unbemerkt, und sie versucht ihn ins Land der Lebenden zurückzuholen, aber Leon fühlt sich auf verhängnisvolle Weise von den zunehmend bösen Sachen, denen er in diesem Nachtzug beiwohnt, angezogen.

Wie er es schon mit VERSUS, AZUMI und GODZILLA: FINAL WARS bewiesen hat, ist Kitamura ein erstklassiger Stilist. In MIDNIGHT MEAT TRAIN übt er zu einem gewissen Grad Zurückhaltung. Mit einem Screenplay von Jeff Buhler als Vorlage, der wiederum eine Kurzgeschichte von Clive Barker adaptierte, reduziert Kitamura viele Szenen auf ein Minimum an Dialog oder lässt in Form von flackernden Schatten und geschickten Kamerafahrten auch mal nur die Bilder sprechen. Ab und zu tut das ein wenig weh, besonders in einigen Actionszenen, die mit ihren hektischen Schnitt den Zuschauer ein wenig im Regen stehen lassen, aber größtenteils gelingt es Kitamura auf eindrucksvolle Art und Weise eine eigene, unterirdische Alptraum-Welt auf die Leinwand zu zaubern.

Spannung baut sich allerdings nicht im traditionellen Sinn auf, denn von Anfang an ist klar, daß hier jedem sehr schlimme Dinge passieren werden. MIDNIGHT MEAT TRAIN schwächelt an gewissen Punkten seiner Erzählung und Cooper ist seiner Rolle mitunter nicht gewachsen. Dennoch ist es selten, einer so glaubwürdig realisierten, nihilistischen Vision aus Fleisch und Blut zu begegnen, und das mag es auch gewesen sein, was viele Verleiher abgeschreckt hat.











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