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NO ONE LIVES (USA 2012)

von André Becker

Original Titel. NO ONE LIVES
Laufzeit in Minuten. 81

Regie. RYUHEI KITAMURA
Drehbuch. DAVID COHEN
Musik. JEROME DILLON
Kamera. DANIEL PEARL
Schnitt. TOBY YATES
Darsteller. LUKE EVANS . ADELAIDE CLEMENS . LEE TERGESEN . BEAU KNAPP u.a.

Review Datum. 2014-02-05
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Ryuhei Kitamura ist ein Multitalent. Egal ob klassische Swordsplay-Action (AZUMI), düstere Science-Fiction (ALIVE), oder bretterharte Horrorfilme MIDNIGHT MEAT TRAIN, Kitamura ist ein begnadeter Regisseur, der sich in zahlreichen Genres wohlfühlt. Betrachtet man die Filmografie des Japaners wird zudem deutlich dass sich Kitamura als Filmemacher stets weiterentwickelt hat. Die Zeiten in denen der Regisseur sich eher an losen Ideen, als an Drehbüchern orientierte sind spätestens seit SKY HIGH endgültig vorbei.

Kitamuras Filme haben sich trotz steigender Budgets eine unbändige Wildheit bewahrt. Seine Werke lieben den Exzess und das ungestüme Chaos. Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten des Mainstreampublikums werden gemacht, um im nächsten Moment umso heftiger wieder gebrochen zu werden. Hervorzuheben ist diesbezüglich sicherlich die Verfilmung der Short-Story von Clive Barker MIDNIGHT MEAT TRAIN. Für den durchschnittlichen Kinogänger ungeachtet einer sehr eingängigen Erzählweise schwer zu verdauen, für Genrekenner aber eine fast konkurrenzlose Perle, die aufgrund der handwerklichen Perfektion nach wie vor als einer der besten Horrorfilme der letzten Jahre dasteht.

Viel Zeit ist seitdem vergangen. Ganze fünf Jahre nach dem Mitternachts-Fleischzug (so der deutsche Titel der Kurzgeschichte von Clive Barker) erscheint nun Kitamuras neuestes Werk NO ONE LIVES, eine vergleichsweise kleine Produktion für die WWE Studios (THE MARINE 1-3, FASTER, 12 ROUNDS). Kitamura beweist dabei erneut großes Können für die Umsetzung klassischer Genrekost. Schnell, hart und kompromisslos schreitet die Handlung voran, schnörkellos auf der formalen Ebene. Das Interessante an NO ONE LIVES ist allerdings nicht die Story, denn die ist nur sehr skizzenhaft, sondern vielmehr die Ausarbeitung der in die Geschichte involvierten Figuren.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein junges Paar gerät in die Fänge von einer brutalen Gruppe von Kriminellen und wird in eine Villa verschleppt. Die Täter- Opferverhältnisse scheinen zunächst eindeutig. Als die Frau ermordet wird entpuppt sich ihr namensloser Freund (Luke Evans) als tötungswillige Killermaschine, der seine Gegner gerne auf äußerst sadistische Weise ins Jenseits befördert. Nachdem die Entführer im Auto des Pärchens eine geknebelte und zutiefst verängstigte Frau (Adelaide Clemens) entdecken, wird ihnen klar dass sie sich mit dem Falschen angelegt haben.

Es ist bemerkenswert wie leichtfüßig es Kitamura gelingt die Wandlung der Hauptfigur vom Opfer zum personifiziertem Bösen zu inszenieren. Von der Figur des hochintelligenten, aber gleichzeitig auch hochgradig diabolischen Killers geht ein eigentümlicher Reiz aus, der vor allem daraus resultiert, dass der Täter als sehr cooler, mitunter durchaus sympathischer Typ gezeichnet wird. Einen entscheidenden Anteil daran hat definitiv Hauptdarsteller Luke Evans, der durch sein nuanciertes Spiel die Charaktereigenschaften der psychopatischen Kampfmaschine erlebbar werden lässt. Der Blick, den uns NO ONE LIVES in die Seele des Psychopathen gewährt, ist faszinierend und abstoßend zugleich, auch wenn das Skript hier (das muss fairerweise konstatiert werden) keine psychologische Tiefe zulässt.

NO ONE LIVES ist zudem ein überaus derber Film, der in der Gewaltdarstellung die Grenze zum Splatterfilm mehrfach deutlich überschreitet. Die zuweilen sehr starke Fokussierung auf graphische Gewalt kann man dem Film natürlich vorwerfen, das ändert aber nichts daran, dass Kitamura letztendlich nur die Erwartungen seines Publikums bedient. Da das Drehbuch viele Haken schlägt und der tiefschwarze Thriller darüber hinaus stets spannend bleibt und mit seinen amoralischem Figurenensemble nicht unbedingt neue, aber immerhin durchgängig konfrontative Wege beschreit, fällt das Gesamturteil unterm Strich trotz kleinerer Mängel (noch) positiv aus.

Kitamuras Film ist sicherlich nicht perfekt, einen Geniestreich sollte man insofern nicht erwarten. Als gut produzierter, stilsicherer und manchmal gar augenzwinkerndes B-Movie liefert NO ONE LIVES jedoch ordentliche Ergebnisse und im Direct-to-Dvd-Sektor lässt der Film eh einen Großteil der Konkurrenz ziemlich alt aussehen. Im Einheitsbrei der monatlichen Veröffentlichungen also eine lohnende Entdeckung, die gehobene Qualität auf Kinoniveau bietet.

NO ONE LIVES ist seit dem 02.10.2013 von Sunfilm auf DVD und Blu-ray erhältlich.











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