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JUNGLE (Australien 2017)

von André Becker

Original Titel. JUNGLE
Laufzeit in Minuten. 115

Regie. GREG MCLEAN
Drehbuch. JUSTIN MONJO
Musik. JOHNNY KLIMEK
Kamera. STEFAN DUSCIO
Schnitt. SEAN LAHIFF
Darsteller. DANIEL RADCLIFFE . THOMAS KRETSCHMANN . ALEX RUSSELL . JOEL JACKSON u.a.

Review Datum. 2017-10-29
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Nach dem grobschlächtigen DAS BELKO EXPERIMENT wagt sich der nach wie vor sehr umtriebige Regisseur Greg McLean mit JUNGLE in die Gefilde des Abenteuerfilms. Der mit Daniel Radcliffe und Thoms Kretschmann prominent besetzte Ausflug in die mörderischen Gefahren des bolivianischen Dschungels gerät trotz kleinerer dramaturgischer Schwächen zum eindrucksvollen Survival-Trip, der in seinen besten Momenten Erinnerungen an den Überlebenskampf von Leonardo DiCaprio in THE REVENANT wach werden lässt.

Radcliffe spielt darin mit großer Hingabe Yossi Ghinsberg, einen jungen Mann der Anfang der achtziger Jahre auf seiner Weltreise mit zwei Freunden den falschen Versprechungen des undurchsichtigen Reiseführers Karl (gewohnt solide gemimt von T.Kretschmann) folgt. Im Regenwald will die Truppe unentdeckte Gegenden besuchen, abseits ausgetretener Touristenpfade und voll von unberührter Schönheit. Zunächst scheint die Rechnung aufzugehen: In kleinen Dörfern wird der Männerbund mit unverstellter Gastfreundschaft begrüßt und auch sonst erweist sich der Trip als bewusstseinserweiternde Erfahrung. Ein erstes böses Omen, ein entzündeter Fuß, bleibt aber nicht folgenlos. Das Vorankommen im dichter werdenden Gestrüpp wird zunehmend mühsamer, die Stimmung bröckelt, das Vertrauen in die Ortskenntnisse von Karl schwindet. Als die Gruppe beschließt ihren Weg getrennt voneinander fortzusetzen wird ihre Reise zum Höllentrip, der ihnen auf unmissverständliche Weise vor Augen führt, dass sie die Gefahren des Dschungels sträflich unterschätzt haben.

Natürlich wird aus der schönen Lonely-Travel-Idylle die in den Anfangsminuten beschworen wird für alle Beteiligten (vor allem für Yossi) eine mörderische Odyssee, bei der es schnell nur noch um das blanke Überleben geht. Um gleich etwaige falsche Erwartungen aus dem Weg zu räumen: Die aufgezeigten zwischenmenschlichen Konflikte führen hier nicht zum Spannungstreiber, sondern ausschließlich das irgendwann den Handlungsverlauf bestimmende Szenario Mensch vs. Natur. Fortan wird JUNGLE zur Bühne für Radcliffe, der diesbezüglich zu großer Form aufläuft und aus McLeans Abenteuerfilm astreines Schauspielerkino macht.

Überhaupt zieht der Film seinen größten Reiz aus dem konsequenten Ausloten der Willensstärke seines Hauptcharakters. Wie der Dschungel Yossi immer wieder vor neue Herausforderungen stellt ist nicht nur spannungstechnisch sehr einnehmend, sondern ebenfalls mit der nötigen inszenatorischen Finesse gefilmt. Ruhige Phasen, bei der die wachsende Verzweiflung (zwischen Wahn und Wirklichkeit hin und her pendelnd) des Hauptcharakters mit Händen greifbar ist werden von psychedelisch angehauchten Aufnahmen der Flora und Fauna des Dschungels ergänzt, die kinematographisch eindrücklich eingefangen werden. Schon lange wurde eine dem Menschen feindlich gestimmte Umgebung nicht mehr so schön und gleichzeitig so bedrohlich auf Leinwand gebannt.

Unnötig sind hingegen die Rückblicke auf die Vorgeschichte von Yossi. Diese fügen sich nicht nur nicht in den Handlungsverlauf ein, die Sequenzen aus Yossis Vergangenheit wirken aufgesetzt und als Ergänzungen zur Charakterisierung der Hauptfigur, die eigentlich gar nicht nötig gewesen wären (abgesehen vielleicht von den Szenen mit seinem Großvater, die hier durchaus zweckmäßig funktionieren). Letztlich bleibt der Film im Rahmen seiner Möglichkeiten aber annähernd makellos. Während Greg McLean in WOLF CREEK das australische Outback als (potentiell) todbringende Ödnis zeigte und eher das Weite und die reduzierte Landschaft betonte ist es in JUNGLE eher das Mehr, die kaum zu überblickenden Gefahren und das undurchdringliche Dickicht, was das Setting auszeichnet. McLean bleibt allerdings in seinen Grundaussagen im Vergleich zu seinem Debüt von 2005 optimistischer und hält auch in den bedrohlichsten Momenten die Kraft des menschlichen Willens hoch.

JUNGLE ist großes Kino mit Message, das seine Stärken (hohes Tempo, tolle schauspielerische Leistungen, atemberaubende Bilder) in ein durchgängig fesselndes, körperlich fast spürbares Kräftemessen zwischen Mensch und Dschungel überführt. Sowohl für McLean als auch für Radcliffe ein lohnenswerter Genre-Ausflug, der es verdient gehabt hätte hierzulande einen regulären Kinostart zu erhalten.

Der Film ist seit dem 27.10.2017 auf DVD und Blu-ray von Splendid Film erhältlich!











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