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THE GREEN HORNET (USA 2011)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. THE GREEN HORNET
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. MICHEL GONDRY
Drehbuch. SETH ROGEN . EVAN GOLBERG
Musik. JAMES NEWTON HOWARD
Kamera. JOHN SCHWARTZMAN
Schnitt. MICHAEL TRONICK
Darsteller. SETH ROGEN . JAY CHOU . CHRISTOPH WALTZ . CAMERON DIAZ u.a.

Review Datum. 2011-01-12
Kinostart Deutschland. 2011-01-13

Vor der Veröffentlichung von THE GREEN HORNET steht eine lange Entwicklungs- und Produktionsgeschichte und eine Reihe von möglichen Beteiligten, darunter Regisseur und Autor Kevin Smith, Darsteller wie Mark Wahlberg, Vince Vaughn und Nicolas Cage, die in ihrer Abwegigkeit nur von den tatsächlichen Beteiligten übertroffen wird: Seth Rogen, der auch die Hauptrolle spielt, und sein Partner Evan Goldberg, schrieben das Drehbuch für den Big-Budget-Superheldenfilm - für gewöhnlich erzählen ihre Drehbücher eher von Losern, die Comics lesen, als von deren Helden. Regie führte Michel Gondry, der nicht unbedingt als Action-Spezialist gehandelt wird, bekämpfen muss Seth Rogen Oscar-Preisträger Christoph Waltz als Unterweltboss Chudnofsky. Die Trailer waren dann auch völlig nichtssagend und es ist eine große Überraschung, wie gut THE GREEN HORNET letztlich funktioniert.

Rogen spielt Britt Reid, der nach dem Tod seines Vaters (Tom Wilkinson) dessen Tageszeitung The Daily Sentinel übernehmen soll, eigentlich aber nichts anderes will, als feiern, Frauen abschleppen, rumhängen - bis er Kato (Jay Chou) kennenlernt, einen Angestellten seines Vaters, der mit seinen Erfindungen MacGyver alt aussehen lässt und schon als Kind lernen musste, sich mit akrobatischer Kampfkunst zur Wehr zu setzen. Als Green Hornet und dessen namenloser Sidekick posieren die beiden, unterstützt von Britt Reids neuer Sekretärin Lenore Chase (Cameron Diaz), als Verbrecher, um so an die echten Ganoven heranzukommen und für Gerechtigkeit zu sorgen. So bekommen sie bald auch die Aufmerksamkeit von Chudnofsky, der LAs Unterwelt kontrolliert und Green Hornet als Konkurrenten sieht, den er aus dem Weg räumen muss.

Es kommt Rogen und Goldberg zu Gute, dass die Vorlage, ursprünglich eine Radioserie, später eine Comicreihe, zwar bekannt ist, aber wohl bei den wenigsten einen ähnlichen Status genießt wie wirklich ikonische Helden vom Schlage eines Superman oder Spider-Man. Die beiden biegen sich die Story so zurecht, dass sie in ihr typisches Schema passt und die aus ihren früheren Filmen bekannten Themen und Figuren aufgreift. So muss Rogen letztlich dann doch keinen Actionhelden spielen, sondern ist genau der nichtsnutzige, aber liebenswerte Stoner, den er eigentlich immer spielt. Das macht er wie immer gut, sein Britt Reid ist wie alle seine Figuren recht idiotisch, aber eben auch einfach zu mögen, was auch Katos - mit Jay Chou ideal besetzt - etwas zweifelhafte Entscheidung, ihn zu unterstützen, ein wenig nachvollziehbarer macht. Der Humor der Autoren, aber auch die Wärme, die sie den Beziehungen ihrer Hauptfiguren verleihen, sind auch in THE GREEN HORNET präsent. Besonders stark ist der Film demnach auch in den Szenen, in denen Reid und Kato sich unterhalten und kennenlernen, in denen eher der Alkohol als echter Heldenmut den Ausschlag für die nächtliche Verbrecherjagd gibt und die jeder dramatischen Origin-Story à la BATMAN BEGINS vorzuziehen sind.

Danach allerdings offenbart der Film Schwächen: Sein größtes Problem ist wohl, dass Chudnofsky nie wirklich als der Super-Villain daherkommt, als der er bezeichnet wird. Waltz spielt ihn wie eine Karikatur seiner INGLOURIOUS BASTERDS-Rolle und ist so auch durchaus unterhaltsam, es fehlen allerdings die Szenen, die zeigen, dass Chudnofsky über LAs Gangs hinaus irgendeinen Einfluss hat. Er handelt mit Drogen und sprengt am Anfang einen Nachtclub in die Luft - aber wie eine unmittelbare Bedrohung, die über das "normale" Verbrechen, mit dem jede Großstadt nun mal zu kämpfen hat, hinausgeht, wirkt er nie. Im weiteren Verlauf des Films wird sein Plan geringfügig komplexer, das ändert aber nichts daran, dass man sich in den ersten zwei Dritteln des Films unweigerlich fragt, ob Reid und Kato indem sie Chudnofsky provozieren nicht mehr Schaden anrichten, als sie verhindern.

Zum Glück rettet Michel Gondry den Film in dieser recht ziellosen, beinahe langweiligen Phase vor dem Untergang. Dass ausgerechnet er den James Camerons und Michael Bays dieser Welt vorführt, wie man heutzutage ganz ohne unübersichtliche Wackelkamera und viel zu hektische Schnitte Action inszenieren kann (und dass er es gerade in den Actionszenen schafft, diesem Blockbuster seine eigene visuelle Handschrift zu verleihen und, obwohl nachträglich konvertiert, sogar den grundsätzlich überflüssigen 3D-Effekt besser zu nutzen weiß als jeder Realfilm-Regisseur vor ihm), hätte so wohl kaum jemand erwartet, ist aber umso erfreulicher. Am Ende belohnt er den Zuschauer dann auch mit einem wirklich spannenden, spektakulären Finale.

THE GREEN HORNET hat also seine zähen Momente und an der Story hätten Rogen und Goldberg gerne noch ein wenig arbeiten können (Kevin Smith macht es in seiner Comicvariante, die auf seinem Drehbuchentwurf basiert, ein ganzes Stück besser), doch dank der guten Dialoge, der runden Charaktere und ihrer glaubhaften Beziehung und vor allem jeder Menge Selbstironie beweisen sie zusammen mit Gondry, dass auch im schablonenhaften Genre des Superhelden-Blockbusters Platz für Kreativität und unverbrauchte (auch visuelle) Ideen ist.











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