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GAMER (USA 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. GAMER
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. MARK NEVELDINE . BRIAN TAYLOR
Drehbuch. BRIAN TAYLOR . MARK NEVELDINE
Musik. GEOFF ZANELLI . ROBB WILLIAMSON
Kamera. EKKEHART POLLACK
Schnitt. PETER AMUNDSON . FERNANDO VILENA . DOOBIE WHITE
Darsteller. GERARD BUTLER . AMBER VALETTA . MICHAEL C. HALL . ALISON LOHMAN u.a.

Review Datum. 2010-01-07
Kinostart Deutschland. 2010-01-07

Seinerzeit galt CRANK als frisch, abgedreht und den meisten auch als sympathisch. Etwas, dass auch bei seiner Fortsetzung in diesem Jahr noch der Fall war. Das Regie-Duo Neveldine/Taylor gab sich schön der Anarchie preis und drehte wie es lustig war. Egal ob Godzilla-Hommage oder redundante Sexszenen. So viel Mut zur fehlenden cinematical correctness verdient ein Lob. Man konnte gespannt sein, ob die Beiden auch abseits von CRANK etwas Taugliches auf die Beine stellen könnten und ihre RUNNING MAN-Interpretation GAMER sollte dies nun verifizieren. Vorab kann bereits konstatiert werden, dass der dritte Film des Duos nur so überschwappt vor Referenzen und dabei sowohl Pluspunkte sammelt, wie auch Schwachstellen hat.

GAMER spielt natürlich in der Zukunft, aber nicht in einer allzu fernen. Hier bestimmt das Web den Alltag der Menschen. Oder besser gesagt: Ken Castle (Michael C. Hall) bestimmt den Alltag der Menschen. Als Programmierer hat er das Spiel Society herausgebracht. Eine real life Version von Second Life wenn man so will. Echte Menschen lassen sich dafür bezahlen, um zu Spielfiguren zu werden. Nanopartikel im Gehirn sorgen dafür, dass zahlende User einen Menschen als Avatar aktivieren können, um mit diesem fortan mit anderen Avataren zu interagieren. Entscheidend für den Film ist jedoch vielmehr Castles letzte Erfindung: Slayers. Zum Tode verurteilte Sträflinge dienen hier als Figuren in einem real life Third-Person-Shooter. Schafft es einer der Häftlinge, bzw. sein User, 30 Gefechte zu überstehen, winkt dem Sträfling die Freiheit.

Protagonist dieser Dystopie ist nun Kable (Gerard Butler), der eigentlich John Tillman heißt. Sein 17-jähriger User Simon (Logan Lerman) hat Kable erfolgreich durch 29 Gefechte gelotst, weshalb Castle und Co. vor einem Problem stehen. Schließlich ist nicht geplant, dass verurteilte Mörder wieder laufen gelassen werden. Und Kable selbst würde auch lieber nicht gesteuert werden bzw. Teil eines großen virtuellen Games sein. "These are real humans, fucker", schleudert er seinem persönlichen Gamer während eines Gefechts entgegen, als einer von Kables Freunden und Insassen als Kanonenfutter herhalten muss. Mit Hilfe des Hackers und Menschenrechtsaktivisten Humanz Brother (Ludacris) gelingt es Kable schließlich, aus Castles System auszubrechen. Simon lässt ihm seinen eigenen Geist, während Kable versucht, einerseits Castles Auftragskiller Hackman (Terry Crews) zu entkommen und gleichzeitig seine Frau Angie (Amber Valetta) und Tochter wiederzufinden.

Im Laufe des Filmes finden sich nun zahlreiche Zitate an gegenwärtige Genrekollegen wie HITMAN, aber allen voran natürlich Querverweise zu RUNNING MAN und ROLLERBALL. Die fortschreitende Integration des Internets in den menschlichen Alltag fangen Neveldine/Taylor sehr gelungen ein. Besonders gut sind die Szenen gelungen, in denen Angies User - sie hat sich nach Kables Urteil aus Geldgründen Society als Avatar zur Verfügung gestellt - innerhalb des Spiels auf einen anderen Avatar/Gamer trifft. Die Freizügigkeit, mit seinen "Spielfiguren" zu verfahren wie man möchte - egal ob dies zu Sex oder Gewaltakten führt -, wird hier transferiert auf das wahre Leben. Grundsätzlich verarbeiten die Regisseure in GAMER durchaus gelungen zum einen die Killerspieldebatte, zum anderen jedoch das Verlieren einiger Gesellschaftsmitglieder in diese virtuelle Welt. So ist Angies Gamer ein übergewichtiger, verschwitzter Fettsack, der an Cartman aus der SOUTH-PARK-Folge Make Love, Not Warcraft erinnert.

Davon losgelöst kann man GAMER auch unter dem TOY STORY-Aspekt betrachten. Was wäre, wenn unsere alltäglichen Figuren wie zum Beispiel aus Second Life, Gears of War oder Medal of Honor tatsächlich ein Bewusstsein hätten? Die Macher konterkarieren diese Loslösung - die in diesem Moment extrem der Killerspieldebatte zuspielt - in einer Szene, in der Angies Gamer im Aufzug Hackman dazu animiert, zwei andere Avatare zu töten. Was bedeuten diese ihm schon, sind es für ihn doch bloße Spielfiguren? Allerdings widmen sich Neveldine/Taylor nur oberflächlich dieser Bewusstseins-Thematik. Ihre oftmals gelungenen Versuche verlieren sich jedoch gerade im Finale, wenn sich der Konflikt zwischen Kable und Castle seinem Ende nähert. Hier werden unnötig Verbindungen geschaffen, die das dramatische Konstrukt enger verknüpfen sollen. Dabei hätte es dessen nicht wirklich bedurft. Man merkt es den Regisseuren in diesen Momenten an, dass das Erzählen einer Geschichte bei ihnen nicht im Vordergrund steht. Was GAMER letztlich wie schon CRANK und CRANK 2: HIGH VOLTAGE zu einem frischen und sympathischen Filmchen macht, das aber nach der ersten Sichtung irgendwie ohne Mehrwert bleibt.











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