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THE EXPENDABLES 2 (USA 2012)

von Hasko Baumann

Original Titel. THE EXPENDABLES 2
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. SIMON WEST
Drehbuch. RICHARD WENK . SYLVESTER STALLONE
Musik. BRIAN TYLER
Kamera. SHELLY JOHNSON
Schnitt. TODD E. MILLER
Darsteller. SYLVESTER STALLONE . JASON STATHAM . JEAN-CLAUDE VAN DAMME . DOLPH LUNDGREN u.a.

Review Datum. 2012-08-09
Kinostart Deutschland. 2012-08-30

Mir ist kürzlich mal aufgefallen, daß mir als Heranwachsendem die Action-Helden der 80er schon damals vorkamen wie alte Säcke. Wie muß es dann erst dem heutigen jungen Publikum mit den Senioren ergehen, die hier zum zweiten Mal die großen Wummen auspacken? Sei's drum, der erste EXPENDABLES stieß trotz all seiner Mängel und Fehler auf große Gegenliebe, und so heftig die Ballerparty altgedienter Recken beim ersten Mal in die Hose ging - als Actionfan kann man ja gar nicht anders als sich doch wieder drauf freuen. Und dieses Mal wird man von Stallones Action-Elf nicht enttäuscht.

Das liegt zunächst mal an Trainer Simon West, der den mit Teil 1 deutlich überforderten Stallone auf dem Regiestuhl ablöst. West kann hier zwar nicht mit Style überzeugen wie in seinem letztjährigen Wunderwerk THE MECHANIC, hat aber die Rasselbande generell besser im Griff und weiß im Gegensatz zu Stallone sein dickes Pfund auch in Szene zu setzen - bei ihm hält man den Atem an, wenn Arnie, Bruce und Sly nebeneinander stehen und die Magazine ihrer Schnellfeuerwaffen leerrotzen. Generell ist die Action weniger verschnitten als im Vorgänger, obwohl auch West seine Schwierigkeiten hat, dem gesamten Team Raum zu geben und trotzdem den Überblick im Geballer zu behalten. Erstaunlicherweise muß er das auch gar nicht so oft: THE EXPENDABLES 2 verpulvert die ganz fette Knallerei am Anfang und dreht erst im Finale so richtig wieder am Rad, dazwischen läßt man das Ganze verblüffend ruhig angehen.

Daß der Film einen dennoch weitestgehend bei der Stange hält, liegt vor allem an den Antagonisten. Der mittlerweile zum veritablen Schauspieler gereifte Jean-Claude Van Damme läßt die in seinen letzten Filmen so ergreifende Melancholie dieses Mal zuhause und gefällt sich zu Recht als eitler, grenzpsychotischer Böswatz, der auch im Dunkel einer Bergmine die Sonnenbrille nicht abzusetzen gedenkt. Ihm zur Seite brodelt der derzeit unverschämt derb im Saft stehende Scott Adkins, der als Handlanger auch vor den übelsten Gewalttaten nicht zurückschreckt - ein echter Genießer. Gemeinsam geben sie ein Killerdoppel ab, das als lebensgefährliche Bedrohung für das Heldenteam überzeugender kaum sein könnte. So gehört auch die wohl beste Szene des Films, eine stille Konfrontation im Morgennebel, ganz und gar Van Damme und Adkins.

Insgesamt orientiert sich EXPENDABLES 2 klugerweise an den erprobten Parametern des Söldnerfilms: Der Auftrag wird persönlich, die emotionale Fallhöhe wird früh gesetzt, und als die Truppe auf unterdrückte albanische Bäuerinnen trifft, kommt auch noch der Idealismus durch. So kennen wir es von den Wildgänsen, so mögen wir das, auch wenn sich hier nicht durch den Dschungel oder Afrikas Steppe geschlagen wird, sondern ausschließlich in ausgesprochen schmucklosen osteuropäischen Klapperhütten und neblig ausgeleuchteten Dorfkirchen. Als am Ende dann ein Flughafengebäude zum Schauplatz wird und die Würdenträger des Actionfilms wie einst in den 80ern stramm im Kugelhagel stehend die Feindesmacht in in Schutt und Asche schießen, ist das auch egal.

Was leider bleibt, ist der Humor, und der tut immer noch in weiten Teilen vor allem weh; das Alter, das man besonders Stallone und Arnie überdeutlich ansieht, wird allzu oft thematisiert, und selbstreferentielle Witzchen über Rambo und den Terminator sorgen für schamhaftes Winden im Kinosessel. Das alles ist zu oft nur noch (Selbst-)Parodie, vielleicht auch um die viehische Gewalt zu entschuldigen, die sich in cartooneskes CGI-Wegsplattern von Köpfen und Gliedmaßen reinsteigert. Im letzten Drittel gibt es dann doch noch ein paar gelungene Gags und die ehrliche Begeisterung über einen Endfight zwischen Stallone und Van Damme, der sich gewaschen hat. Kommen wir also zur Einzelwertung:

Stallone: Sieht immer noch aus wie der Türsteher einer Transenkneipe, hat sich aber das Haar toupetähnlich legen lassen. Gibt wie üblich den traurigen Köter mit hängenden Ohren. Mittlerweile fast überhaupt nicht mehr zu verstehen, wenn er den Mund aufmacht. Macht aber immer noch einen guten Eindruck, wenn er zuschlägt.

Statham: Kann sich auf sein Charisma verlassen. Kriegt zunächst einen Running Gag zwecks Figurvertiefung (Freundin ruft immer an), der aber mittig einfach fallen gelassen wird. Als Mönch mit Messer kann er auch mal den Fighter zeigen, mit Adkins wird er allerdings am Ende viel zu schnell fertig.

Li: Darf am Anfang im Gegensatz zu Teil 1 endlich zeigen, was er drauf hat und springt kurz nach den Titeln aus einem Flugzeug und kommt nicht wieder. Etikettenschwindel.

Lundgren: Wird noch schlimmer als im ersten Teil nur als Comic Relief verheizt. Sein abgeschlossenes Chemietechnikstudium fließt direkt in die Figur ein, allerdings ohne Ergebnis. Keine memorablen Einsätze.

Norris: Taucht aus dem Nichts auf und darf einen Chuck Norris-Witz reißen. Sein Status als Action-Oberpapst wird weiter genährt, aber in dem Moment fragwürdig, wenn er zu reden anfängt. Macht trotzdem Laune.

Crews: Wie in den 80ern, die Schwarzen sind immer lustig. Feuert am Anfang die Zerfetzerkanone aus Teil 1 ab. Danach darf er sich einen Topf Nudeln und eine Tasse Kaffee kochen.

Couture: Ist für Umschnitte da. Ist was lustig? Couture lacht. Ist was traurig? Couture lacht nicht. Sonst kaum zu sehen.

Hemsworth: Milchbubi, dem man den Supersniper nicht recht abnehmen mag. Ist für die emotionalen Monologe zuständig und scheitert damit noch kläglicher als Gruselgesicht Rourke im Vorgänger. Trotzdem unverzichtbar, weil er die Nummer erst ins Rollen bringt.

Van Damme: Der beste Action-Bösewicht seit Jahren, er spielt sogar über seinen beknackten Rollennamen Jean Vilan hinweg. Im Showdown mit Stallone zeigt er nochmal, wo der Hammer hängt. Ein Jahrhundertauftritt.

Adkins: Muß sich wie Gary Daniels im ersten Teil vom Filmplakat fernhalten und wird am Ende unter Niveau abserviert. Setzt vorher knallharte Akzente. Der Mann, mit dem man rechnen müssen wird.

Willis: Gibt genießerisch das zornige CIA-Schwein und macht sich in seinen Dialogszenen so gut wie später mit dem Maschinengewehr und am Steuer eines Smart. Läßt keinen Zweifel daran, daß noch ein DIE HARD in ihm steckt.

Schwarzenegger: That joke isn't funny anymore. Sehr alt geworden - sollte von Besuchen beim Chirurgen absehen und über eine andere Frise nachdenken. Und das Wort "back" aus seinem Wortschatz streichen.











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