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DURST - THIRST (Korea 2009)

von Marc Zeller

Original Titel. BAKJWI
Laufzeit in Minuten. 133

Regie. CHAN-WOOK PARK
Drehbuch. SEO-GYEONG JEONG . CHAN-WOOK PARK
Musik. YOUNG-UK CHO
Kamera. CHUNG-HOON CHUNG
Schnitt. SANG-BUM KIM . JAE-BUM KIM
Darsteller. KANG-HO SONG . OK-VIN KIM . HAE-SOOK KIM . HA-KYUN SHIN u.a.

Review Datum. 2009-09-15
Kinostart Deutschland. 2009-10-15

Wie so oft in der Filmwelt ist die Erneuerung des altgedienten Vampirgenres nicht einer Hollywood-Produktion zu verdanken. Die Legislaturperiode des Box Office endet dort nie, weshalb auch der nährstoffreiche Boden der Kreativität bestenfalls mit der Egge angegangen wird, wie im grässlichen 30 DAYS OF NIGHT, in dem zwar thematisch eine kleine Variation gewagt wurde, der restliche Stuss aber austauschbar gleich und demnach furchtbar öde blieb. Zum Glück traut man sich anderswo, den Pflug aufzufahren – in Schweden zum Beispiel, wo Tomas Alfredson mit SO FINSTER DIE NACHT die längst fällige Umwälzung alter Klischees grandios vollzog. Von viel weiter her kommt nun die nächste Novellierung des Blutsaugerfilms: Aus Südkorea, vom Vorzeige-Regiestar des Landes, Chan-wook Park (OLDBOY).

Der katholische Priester Sang-hyeon (Kang-ho Song) begibt sich nach Afrika, um dort an einem Experiment zur Erforschung einer tödlich verlaufenden Krankheit teilzunehmen. Das Virus rafft auch den frommen Diener Gottes dahin, doch das ist nur die halbe Geschichte. Die behandelnden Ärzte staunen nämlich nicht schlecht, als der Mann kurz nach dem Ableben wieder aufersteht – als Vampir, wie zu diesem Zeitpunkt noch keiner weiß. In seiner südkoreanischen Heimat wird Sang-hyeon fortan wie ein Heiliger verehrt. Zu denen, die sich Hilfe von ihm erhoffen, gehört auch Lady Ra (Hae-sook Kim), die Mutter seines alten Schulfreundes Kang-woo (Ha-kyun Shin). Sang-hyeon soll ihren kranken Sohn heilen, doch stattdessen verliebt sich der Priester in Kang-woos unterdrückte Frau Tae-joo (Ok-vin Kim). Die heimliche Romanze stellt die beiden Turteltäubchen auf eine harte Probe – nicht nur, weil Sang-hyeon seinen Blutdurst immer schwerer stillen kann, sondern auch weil er als Priester die Freuden der Liebe eigentlich gar nicht erleben sollte ...

Wenn es etwas Neues zu sehen oder erleben gibt, wird gerne mal in die Phrasenkiste gegriffen und gesagt: „Vergesst alles, was ihr über das Thema wisst – das hier ist anders.“ Blödsinn. So werdet ihr bei THIRST nicht weit kommen. Im Gegenteil: Rekapituliert noch einmal alles genau, was ihr über Vampire wisst – damit ihr zu schätzen wisst, wie galant Chan-wook Park mit den bekannten Klischee-Eiern jongliert, nur um sie schließlich lachend an die Wände zu pfeffern und zerplatzen zu lassen. Park gebührt eine tiefe Verbeugung für die Bilderwelten, die er zum Leben erweckt und die den Rückgriff auf den zweiten Teil des zuvor verschmähten Beispielsatzes unumgänglich machen: Das hier ist anders, aber mit Sicherheit. Weil der Regisseur mit Farbkompositionen und Kamerawinkeln experimentiert, die frisch und unverbraucht wirken. Weil er die Erzählgeschwindigkeit effektvoll variiert und geschickt mit der Geräuschkulisse spielt. Weil er Ideen zu Ende denkt und zuvor Ungesehenes auf die Leinwand bringt. Und – besonders eindrücklich – weil er verschiedene Genrespezifitäten vermischt, sodass ob der schrägen Szenerie ehrliche Lacher und betretenes Schweigen problemlos nebeneinanderstehen können, als hätten sie nie etwas anderes getan als Händchen gehalten.

Eines muss man THIRST vorwerfen: Der Film ist einen oder zwei Ticks zu lang. Fast scheint es, als hätte Park sich zeitweise in seiner eigenen knallig-blutroten, bizarr-realistischen Welt verloren und den Absprung etwas zu spät gewählt. Auf die Schnauze fliegt ein Ass wie Park deshalb noch lange nicht – nur ist der Abgang eben leider nicht ganz so vortrefflich wie es der fabelhafte Antritt erhoffen ließ.











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