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SO FINSTER DIE NACHT (Schweden 2008)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. LÂT DEN RÄTTE KOMMA IN
Laufzeit in Minuten. 114

Regie. TOMAS ALFREDSON
Drehbuch. JOHN AJVIDE LINDQVIST
Musik. JOHAN SÖDERQVIST
Kamera. HOYTE VAN HOYTEMA
Schnitt. TOMAS ALFREDSON . DANIEL JONSÄTER
Darsteller. KÅRE HEDEBRANT . LINA LEANDERSSON . PER RAGNAR . HENRIK DAHL u.a.

Review Datum. 2008-12-22
Kinostart Deutschland. 2008-12-23

Der kleine Oskar steht in einer kalten Winternacht vor einem Baum, raunzt ihn an "Was glotzt Du denn so? Na? Glotzt Du etwa mich an? Das würde ich schön bleiben lassen! Was ist denn mit Dir? Hast Du Schiss? Dann schrei doch! Los schrei!" und fängt an mit seinem Messer auf den Stamm einzustechen. Plötzlich merkt er, dass er nicht allein ist und dreht sich um. Auf einem Klettergerüst vor dem braunfarbenen, wenig einladenden Wohnblock steht ein dunkelhaariges, alles andere als winterlich gekleidetes Mädchen.

So beginnt die zarte Romanze zwischen Oskar und Eli, einem der der wohl faszinierendsten Leinwandpärchen der letzten Jahre. Die Romanverfilmung SO FINSTER DIE NACHT erinnert zwar entfernt an die 80er Jahre Jungendserie DER KLEINE VAMPIR (man könnte die Schlußszene sogar als Referenz deuten, vielleicht ist hier aber nur Genosse Zufall am Werk), doch Autor John Ajvide Lindqvist findet einen anderen Ansatz: Der Vampir-Mythos steht eher im Hintergrund, hier wird die Geschichte eines Heranwachsenden erzählt, der sich in einer feindlichen, ihm verschlossenen Umwelt zurechtfinden muss und dabei auf eine ebenso verlorene Gefährtin stößt, die aber auch als eine Art dunkles Spiegelbild funktioniert, was sich ebenfalls in der Optik der Hauptdarsteller manifestiert: Oskar ist blond, wirkt mit seiner hellen Haut fast durchsichtig, Eli hat schwarze Haare und einen etwas dunkleren Teint. Beide sind verlorene Kinder in einer ihnen fremden Umwelt. Oscars Eltern kümmern sich kaum um ihn, in der Schule wird er von brutalen Mitschülern schikaniert. Elis einzige Bezugsperson ist ihr Vater/Bediensteter (wird nie so ganz klar), zu dem sie ein recht distanziertes Verhältnis hat. Während Oskar sich immer und immer wieder vorstellt, sich seiner Peiniger zu entledigen, muss Eli töten um zu überleben und bringt auch Oskar bei, sich seiner Haut zu wehren, stark genug für seine Umwelt zu sein. Auf der anderen Seite weckt das Menschenkind Oskar – eigentlich Beute für Eli - in dem Vampirmädchen ein Zugehörigkeitsgefühl, da Oskar auch dann noch zu Ihr hält, als er die ganze Wahrheit über seine Freundin erfährt.

SO FINSTER DIE NACHT vermischt Coming Of Age-Thematiken, Liebesromanze, Vampir-Themen und Thriller-Elemente zu einem homogenen, clever geschriebenen Ganzen wie man es vor allem im Genre-Bereich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Wenn Oskar die neben ihm Bett liegende Eli fragt, ob sie mit ihm gehen will, aber weder er noch sie eigentlich so recht wissen, was das überhaupt bedeutet, wird einem bewusst, dass man es hier mit ganz, ganz großem Kino zu tun hat. Wo andere Filme Klischees oder peinliche Witze benutzen, verschießen hier die einfühlsame Regie und die großartigen Darsteller Pfeile in die Herzen der Zuschauer. Apropos Darsteller: Der Film ist durch die Bank weg gut besetzt, die Hosen lässt niemand fallen, aber das unglaublich nuancierte Schauspieldebüt der Kinderdarsteller Kåre Hederant und Lina Leandersson ist schlicht und einfach anbetungswürdig. Solch eine Präsenz, solch eine Mischung aus Fragilität und purer Energie hat schon lange niemand mehr auf die Leinwand gebracht, hier sehen wir die Geburt zweier Großschauspieler. Ebenso sicher wie mit seinen Schauspielern jongliert Regisseur Thomas Alfredson mit der Technik. SO FINSTER DIE NACHT wartet mit einer superben, einfallsreichen Inszenierung auf, die meist die totale Einstellung verwendet, deren Raumaufteilung für allerhand Raffinessen verwendet wird.
Einzig und allein Johan Söderqvists Musik wird der durch und durch subtilen Natur des Films nicht immer gerecht und trägt dann und wann etwas zu dick auf. Dick aufgetragen ist es allerdings nicht, wenn man bei SO FINSTER DIE NACHT das gerne und häufig zu schnell verwendete Etikett "Meisterwerk" zückt. Das ist schlicht und einfach pure, perfekt inszenierte und gespielte Kinomagie, die man so schnell nicht wieder vergessen wird.











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