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30 DAYS OF NIGHT (Neuseeland/ USA 2007)

von Björn Eichstädt

Original Titel. 30 DAYS OF NIGHT
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. DAVID SLADE
Drehbuch. STEVE NILS . STUART BEATTIE . BRIAN NELSON
Musik. BRIAN REITZELL
Kamera. JO WILLEMS
Schnitt. ART JONES
Darsteller. JOSH HARTNETT . MELISSA GEORGE . DANNY HUSTON . BEN FOSTER u.a.

Review Datum. 2007-10-07
Kinostart Deutschland. 2007-11-08

"Basierend auf einer wahren Rezeptionsgeschichte"

Auf dem Weg zur Pressevorführung, die der Verleiher auf den frühen Abend gelegt hat, kommt die S-Bahn mehrfach ins Stocken. Die Sonne steht schon tief über dem Horizont und schickt ihre Strahlen in einem flachen Winkel durch die herbstlichen Bäume am Streckenrand. Die wartenden Menschen werfen lange Schatten, die am Rand der Bahnsteige in die Tiefe stürzen und in zerrissenen Bahnen über die Gleise kriechen. Die Zeit der langen Tage ist erstmal wieder vorbei.

Die Prämisse von 30 DAYS OF NIGHT passt zur Jahreszeit: Die Geschichte, die auf der gleichnamigen Graphic Novel von Steve Nils beruht, spielt vor allem in der dunklen Kälte. Denn in dem Ort Barrow am nördlichen Rand von Alaska, lässt sich die Sonne ganze 30 Tage am Stück nicht blicken - dem nördlichen Polarkreis sei Dank. Eine Horde Vampire, die durch die Eiswüste stapft, scheint das zu wissen: Sie will die Kleinstadt in ein Meer aus Blut verwandeln. Doch eine kleine Gruppe von Einwohnern, die die Stadt noch nicht vor Einbruch der schier ewigen Nacht verlassen hat, flieht zunächst von Haus zu Haus und stellt sich den Blutsaugern dann entgegen.

Klingt toll, und hätte es auch sein können. Denn die naturgegebene Isolation, die natürlich sofort an Carpenter-Werke wie THE THING oder auch THE FOG denken lässt, ist ein wunderbarer Rahmen für eine Parabel über Einsamkeit, Furcht und die Enge, in die der Mensch beizeiten getrieben wird. Grusel im Dunkeln, wie etwa in der französischen Genreperle ILS kann ja durchaus an die Nieren gehen. Doch was David Slade mit 30 DAYS OF NIGHT vorlegt, ist einfach nur lahm mit Zügen von Ermüdung an jeder verschneiten Straßenecke: Auch Vampire müssen hier schnell sein, und so rasen die bösen Protagonisten ähnlich den Zombiekumpels aus London umher, als sei der Filmtitel einfach um zwei Tage reduziert worden. Überraschende Vampirangriffe wollen zwar das Schockpotenzial eines FINAL DESTINATION-Todes in sich tragen, sorgen beim Rezipienten aber nicht einmal für ein Zucken im linken Eckzahn. Und die Gewalt, auf die der Gorebauer hofft, weil EVIL DEAD-Urgestein Sam Raimi das Werk produziert hat? Tja, die ist zwar teilweise durchaus grafisch, aber gleichzeitig auch vollkommen belanglos auf die Leinwand gespritzt.

30 DAYS OF NIGHT ist ein mittelprächtiger Popcornfilm geworden. Die Nacht ist nicht wirklich dunkel (zum Teil meint man die langen Schlagschatten der Darsteller auf dem Schnee zu sehen), 30 Tage und Nächte Kälte scheinen dem Make-up von Hauptdarstellerin Melissa George kaum etwas anhaben zu können, die Vampire kommen daher wie eine Horde Grufties, die bei der Gothic-Party zu tief ins Bloody-Mary-Glas geschaut haben, und die Gesamtheit der Protagonisten ist einem leider schon wieder dermaßen egal, dass es auch nicht weiter betrifft, wenn einer nach dem anderen über die Fangzahnspitze springt. Außerdem ist das alles schlicht zu lang; allein die letzten fünf Minuten können wirklich überraschen und das Finale, das hier natürlich nicht verraten wird, schafft es sogar, ein paar wirklich schöne Bilder an die Wand zu malen. Doch bis dorthin sind einem leider schon die Füße erfroren.

Der Gang aus dem Kino führt in die Dunkelheit. Gerade mal halb neun, doch die Sonne lässt sich bis morgen früh wohl nicht mehr blicken. Die Lichter der Großstadt geben Sicherheit, der Weg Richtung S-Bahnhof ist hell erleuchtet. Zeit über die Schwächen von 30 DAYS OF NIGHT nachzudenken, über die Chancen, die dieser Film vergeben hat, weil er einfach nicht schmutzig, nicht dunkel genug sein wollte. In der S-Bahn sitzen fröhliche Menschen, ein paar schauen düster vor sich hin, aber das ist eben der Lauf der Welt. Eine Durchsage presst sich knarzend aus den Lautsprechern ins Innere des Wagons: "Beachten Sie bitte, dass es am nächsten S-Bahnhof einen Stromausfall gegeben hat und der Bahnsteig nicht beleuchtet ist. Aussteigende Passagiere bitte achtgeben." Die Türen öffnen sich, die Dunkelheit umgibt ein Empfangskomitee sich langsam vorantastender Menschen, die die Orientierung verlieren, sobald die Finsternis in ihre elektrifizierte Zivilisation eindringt. Für wenige Augenblicke ist es wirklich Nacht.











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