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DON'T BE AFRAID OF THE DARK (USA 2010)

von Benjamin Hahn

Original Titel. DON'T BE AFRAID OF THE DARK
Laufzeit in Minuten. 99

Regie. TROY NIXEY
Drehbuch. GUILLERMO DEL TORO . MATTHEW ROBBINS
Musik. MARCO BELTRAMI . BUCK SANDERS
Kamera. OLIVER STAPLETON
Schnitt. JILL BILCOCK
Darsteller. KATIE HOLMES . GUY PEARCE . BAILEE MADISON . JACK THOMPSON u.a.

Review Datum. 2011-09-07
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Guillermo del Toro ist einer dieser Menschen, die ich unendlich liebe für das, was sie der Welt an filmischen Ergüssen gebracht haben. Und weil es nicht nur mir so geht, hat sich GdT inzwischen zu einer Marke entwickelt, die auf alles drauf geklatscht wird, wo der Meister des modernen Fantasy-Grusels auch nur den kleinen Finger drin gehabt hat. Bis jetzt ist dabei immer noch alles gut gegangen, auch wenn ich - im Gegensatz zu Kollege Björn Eichstädt - den von del Toro produzierten DAS WAISENHAUS etwas träge fand - am Ende war ich immer mit allem zufrieden, wo der Name del Toro werbewirksam auf's Plakat geklatscht wurde. Und dennoch: Klammheimlich erwartet man ja immer irgendwie im nächsten Film die Nulpe; den Beweis, dass sich auch mal jemand wie del Toro irren kann und langweiligen Edel-Schrott produziert.

Leider - oder vielleicht auch zum Glück - fällt DON‘T BE AFRAID OF THE DARK immer noch nicht in diese Kategorie. Trotzdem aber - und das beruhigt dann doch ein wenig - ist der nicht nur von del Toro produzierte, sondern auch mitgeschriebene Gruselfilm von Spielfilm-Debütant Troy Nixey längst nicht so stark, wie del Toros eigene Filme. Woran liegt das? Nun, zum einen an der Story selbst: Sally ist ein kleines Mädchen, das unter der Scheidung ihrer Eltern leidet, sich verschließt und daraufhin von ihrer Mutter zu ihrem Vater abgeschoben wird. Der hat gerade mit seiner neuen Freundin eine alte Villa gekauft, die er nun renovieren und dann wieder verkaufen will. Wie in alten Villen so üblich, hausen auch hier noch andere Wesen als nur die menschlichen Bewohner und so kommt Sally in Kontakt mit… Und hier kommt der erste Kritikpunkt: Die Wesen aus diesem Film erinnern an bestimmte Kreaturen aus del Toros HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY - es wäre schön gewesen, wenn letztere Kreaturen, die in del Toros Film aufgrund der schieren Masse an Monstern absolut keine Hintergrundgeschichte bekommen, mit dem vorliegenden Gruselstreifen ihren eigenen Film bekommen hätten. Leider aber verpasst der Drehbuchautor del Toro diese Chance und schafft schon wieder eine neue Monsterspezies - als wäre das Bestiarium des del Toro nicht schon episch genug.

Vielleicht ist diese neuerliche Monsterinnovation aber auch ein Zugeständnis an die Handlung gewesen, denn diese wiederum ist jenseits der Idee, einen haunted mansion-Film mit einem Monsterflick zu kreuzen, ziemlich klassisch. Oder böse gesagt: klischeebeladen. Was auch immer man von einem Gruselstreifen in den Räumen einer alten Villa erwartet, man wird es hier bekommen. Zwar ist all das Altbekannte schick gefilmt und auch mitunter richtig packend inszeniert, aber überraschende Wendungen sucht man hier dennoch vergebens. Stattdessen hastet sich der Film merkwürdig flott durch seine klassischen Wendungen und offenbart beim Blick auf die Besetzungsliste auch den Grund dafür: Man mag das jetzt als tendenzielle Verschwörungstheorie abtun, aber der Grund, warum Katie Holmes die Ersatzmutter der kleinen Sally spielen darf, liegt auf der Hand. Ihr Charakter nämlich ist es, der nach wenigen Sekunden des Zweifelns der kleinen Sally Glauben schenkt und mit ihr gegen die unheimlichen Bewohner des Anwesens kämpft, während Sallys leiblicher Vater seine kleine Tochter am liebsten mit Psychopharmaka sedieren möchte. Böte das nicht alleine schon genug Scientology-konforme Abneigung gegen Psychologie und Pharmazie, setzt der Film in fast anbiedernder Weise alles daran, Katie Holmes Charakter möglichst sympathisch zu machen. Grundsätzlich ist dagegen ja nichts einzuwenden, aber der Film macht das einerseits reichlich überhastet, andererseits nicht gerade subtil. Angesichts der schön langsameren Einführung der unheimlichen Bewohner der Villa, die beweist, dass Regisseur Nixey und seine Autoren durchaus auch feinere Töne draufhaben, ist das schon ein unnötiges Ärgernis.

Sieht man darüber hinweg, dass einem hier nichts Neues geboten wird und man den Weg auf den alten, ausgetretenen Pfaden etwas sehr rasch hinter sich bringt, so kann man dennoch Gefallen an diesem Film finden. Erstens ist er unter den gegenwärtigen Gruselhausstreifen ein atmosphärisch recht dichter, andererseits sind die Effekte und die Kreaturen wirklich gut umgesetzt und teilweise richtig furchteinflößend. Das macht DON'T BE AFRAID OF THE DARK nicht zu einem Highlight des Genres, aber immerhin zu einem soliden, schick gefilmten Vertreter. Schade nur, dass del Toro selbst nicht auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Angesichts seiner bisherigen Filme hätte er vermutlich weit mehr aus der Handlung herausholen können...











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