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HELLBOY II: DIE GOLDENE ARMEE (USA/Deutschland 2008)

von Peter Martin

Original Titel. HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. GUILLERMO DEL TORO
Drehbuch. GUILLERMO DEL TORO . MIKE MIGNOLA
Musik. DANNY ELFMAN
Kamera. GUILLERMO NAVARRO
Schnitt. BERNAT VILAPLANA
Darsteller. RON PERLMAN . SELMA BLAIR . DOUG JONES . LUKE GOSS u.a.

Review Datum. 2008-07-21
Kinostart Deutschland. 2008-10-16

Die Leinwand scheint randvoll gepackt mit magischen Kreaturen in HELLBOY II, dem zweiten kreativen Treffen von Gullermo del Toro und Mike Mignola. Wesentlich stärker als der erste Film fühlt sich HELLBOY II an, als hätte del Toro einfach nur spielen wollen.

Hellboy (Ron Perlman), der sich erst noch an die Haushaltsroutine gewöhnen muß, jetzt da seine Feuerball-Freundin Liz Sherman (Selma Blair) in seinen wüsten Junggesellenunterschlupf gezogen ist, kämpft auf anderer Ebene mit den Restriktionen, die sein Boss Tom Manning (Jeffrey Tambor) ihm auferlegt. Er ist des Versteckens müde; er ist stolz darauf, wer er ist: ein rothäutiger Dämon aus der Hölle mit einem gewaltigen Arm aus Stein, einem Schwanz und runtergesägten Hörnern, die sich deutlich von seiner Stirn absetzen. Schlußendlich geht sein Wunsch in Erfüllung und seine Identität wird enthüllt, jedoch fällt die Reaktion der Öffentlichkeit nicht so aus, wie er sich das erwartet hat.

Liz, die, unter normalen Umständen, wesentlich "normaler" Aussehende der Beiden, hat ein erheblich größeres Bedürfnis nach Privatsphäre, was in langjährigen ungewollten Untersuchungen ihrer pyrokinetischen Fähigkeiten begründet liegt. Die Beule in ihrem Bauch gibt ihr einen weiteren Grund nach Privatsphäre zu verlangen: Sie ist schwanger und weiß nicht, wie sie es Hellboy sagen soll. Sie ist sich noch nicht einmal sicher, wie sie selbst dazu steht. Ihre Romanze mit Hellboy fügt der Story ein typisch menschliches Element hinzu: Das klassische, scheue, tief emotionale Mädchen und der aufgeschlossene, athletische Krieger, der nicht weiß, wie er seine Gefühle ausdrückt.

Eine Emotion weiß Hellboy aber ganz genau auszudrücken: Wut. Und das wird herausgefordert von Johann Krauss, dem neuen Chef des "Bureau für Paranormal Research and Defense". Krauss ist eine gasförmige Wolke, welche sich in einem mechanischen Anzug befindet, der von der Macht seines Verstandes angetrieben wird. Und ja, er ist auch ein Medium und spricht mit einem breiten deutschen Akzent, wofür Seth McFarlane (Family Guy) verantwortlich ist. Die Stimme erinnert an Colonel Klink (Werner Klemperer) aus der 60er-Jahre TV-Serie "Ein Käfig voller Helden", was, gelinde gesagt, ganz schön ablenkt.

Die Charakterdetails kreisen – zusammen mit kurzen Einblicken in Hellboys Jugend – im Hintergrund, während sich der Haupt-Plot herausbildet. Viele Jahrhunderte zuvor wurde ein Waffenstillstand zwischen der Menschheit und der Welt der fantastischen Kreaturen vereinbart. Die Menschheit lebt über dem Erdboden und die Monstren außer Sichtweite. Aber Prinz Nuada ist nicht glücklich mit dieser Entscheidung: Er findet, dass die Menschheit lange genug alles versaut hat und ist der Überzeugung, dass es für die Kreaturen der Nacht an der Zeit ist, die Welt zu beherrschen. Sein Vater hatte seine goldene Krone zwischen ihm und seinen Zwillingssöhnen geteilt, nur wenn die drei Stücke wieder zusammengefügt werden, wird der Besitzer fähig sein, eine mächtige und unbesiegbare, grimmige goldene Armee, die die Menschheit besiegen kann, wiederzuerwecken.

Hellboy wird in die Sache verstrickt, weil Prinz Nuadas Zwillingschwester Prinzessin Nuala (Ann Walton) den Schutz des "Bureau for Paranormal Research" braucht, um am Leben zu bleiben, zumindestens laut Johann Krauss. Einen zusätzlichen Antrieb kriegt Hellboy durch seinen alten Freund und Empathen Abe Sapien (Doug Jones), der ein Auge auf die Prinzessin geworfen hat. Und, natürlich, die Menschheit braucht Rettung.

Man sollte meinen, dass Hellboy und seine paranormalen Kumpel weitaus mehr darüber nachdenken, vielleicht auf die Seite von Prinz Nuada zu wechseln, denn Menschen, wie sie in diesem Fall von den widerspenstigen Bürgern der Stadt New York repräsentiert werden, sind nicht gerade freundlich auf Hellboy zu sprechen, wenn der mal wieder – unter dem Vorwand Menschen zu retten - allerlei zerstört. Und, wie auch der Prinz sagt, hat Hellboy mehr mit Goblins und Feen gemeinsam als mit der ungewaschenen Masse. Hellboy denkt auch kurz über diese Möglichkeit nach, entscheidet sich dann aber doch lieber dafür, allerhand kaputt zu machen und die undankbaren Menschen zu retten.

Das ist zu schade, denn nach dem Kinobesuch wird ausser den schönen Bildern nicht viel in Erinnerung bleiben. Der Film hat ein flottes Tempo und wird nie langweilig; überhaupt: eher noch ist Hellboy dieses Mal wesentlich witziger, und der Film fühlt im Großen und Ganzen an, als ob Del Toro sich seinen Spielplatz genauso eingerichtet hat, wie er sich seinen Spielplatz eben einrichten wollte. Die Action-Szenen, vor allem die, in denen Prinz Nuada den Säbel schwingt und Kung Fu zelebriert, sind gut gemacht. Die Spezialeffekte und verschiedenen magischen Kreaturen fügen sich nahtlos ins Narrativ ein. Es gibt nicht wirklich etwas an diesem Film auszusetzen, die Vorzüge huschen an einem aber seltsamerweise irgendwie so vorüber.

HELLBOY II: DIE GOLDENE ARMEE ähnelt einem gigantischen Kaleidoskop: Es ist faszinierend zuzuschauen, so lange sich alles bewegt und diverse "ooooohhhh" und "aaaaaahhhh" wird es mit Sicherheit geben. Aber wenn der Film zu Ende ist und die Lichter wieder angehen, ist dieser Film wie Johann Krauss ohne Anzug: Eine komplett dunstige Essenz, aber keine Substanz.











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